
Vor Jahren wurde die Wehrpflicht in der BRD, nachdem sie zunächst verkürzt worden war, ganz abgeschafft. Der Grund war ein sehr rationeller: Die jungen Leute sollten nicht der Wirtschaft entzogen werden, sie sollten als brauchbare Arbeitskräfte ausgebildet werden und so der Wirtschaft zur Verfügung stehen, einer Wirtschaft, die – ganz im deutschen Interesse – ambitioniert den Weltmarkt zu erobern sich vorgenommen hat bzw. ihre bereits erfolgten Eroberungen ausbauen wollte.
Und jetzt erfolgt eine politische Kehrtwende, ausgerechnet jetzt, wo die Wirtschaft verzweifelt den Anschluß an verlorenes Terrain sucht, ein Terrain, das sie verloren hat und weiter zu verlieren im Begriff ist. Das aktuelle Bruttoinlandsprodukt nach Kaufkraftparität – und das gilt ja als offizielle Meßlatte – zeigt die BRD laut IWF nur noch auf Platz 6, Indonesien und Brasilien sitzen ihr schon ihm Nacken. Mit den relevanten EU- und Euro-Partnern (Frankreich, Italien, die Niederlande, Spanien) sieht es nicht besser aus, auch sie befinden sich im Zurückfallen.
Ist man in Berlin zu dem Schluß gelangt, daß der deutschen Wirtschaft mit derlei Hilfen wenig gedient ist und man ihr ruhig Arbeitskräfte entziehen kann – wohl dafür soll an den 8-Stunden-Tag und die 48-Stunden Woche die Axt gelegt werden! – durch die Aufstockung des Wehrpersonals und die schrittweise Einführung einer Wehrpflicht? Oder hat man den Weg verlassen, überhaupt in ökonomischen Schienen zu denken?
Einiges spricht dafür. Nach maßgeblicher Meinung muß der Krieg gegen Rußland einfach weiter gehen, koste er, was er wolle: An Geld und Munition für die ukrainischen Lakaien darf zu allerletzt gespart werden! Und wenn jenen das Kanonenfutter ausgeht (es können noch bis zu 200.000 wehrfähige ukrainische Staatsangehörige, die sich in der BRD aufhalten, abgeschoben werden)? Denkt man etwa daran, deutsche Bundeswehrsoldaten für einen neuen Auslandseinsatz über die Grenzen zu schicken, wobei eine offizielle Mission riskant wäre?
Unterstrichen wird die Kriegsorientiertheit der Politik noch vermittels der Propaganda, die sich angestrengt bemüht, Angst vor Rußland zu hervorzurufen. Wenn man Angst kriegen kann, dann vor den rücksichtslosen Provokationen der BRD und ihrer NATO-Partner!
Überhaupt die ganze Aufrüstung der Bundeswehr, für die nun Milliarden aufgewendet werden, die ebenfalls der Wirtschaft entzogen werden, der Wirtschaft, die den Reichtum schafft, von dem der Staat per Steuern profitiert und seine vielfältigen Ausgaben bestreitet! Eben auch seinen Gewalthaushalt! Die Ausgaben für das Militär sind Abzug vom geschaffenem Reichtum, daran ändert auch die Tatsache nichts, daß auch Firmen wie Rheinmetall und Renk steuerpflichtig sind.
Doch damit nicht genug. Die Produkte, die Rüstungsfirmen herstellen, fallen aus dem Kreislauf des Kapitals heraus. Während andere Waren in der ein oder anderen Form dazu beitragen, dem Kapital zu nützen, nützt eine Waffe dem rein gar nichts. Zur Veranschaulichung: Eine Maschine, die eine Firma herstellt, wird von einer anderen gebraucht. Ein ordinärer Gebrauchsgegenstand wie ein Auto oder ein Handy, ein Lebens- oder Genußmittel wird von einem Individuum benötigt. Damit trägt solch Gegenstand zum Leben, zur Reproduktion von Arbeitskraft bei, wozu natürlich der Ausgleich in der Freizeit gehört. Kurzum alle Waren tragen dazu bei, den ganzen Wirtschaftszirkus am Laufen zu halten, ihn in der ein oder anderen Weise zu unterstützen, zu perpetuieren, zu rationalisieren, zu verbessern. Nichts davon haben Militärgüter an sich. Sie stehen, so sie nicht im Kriegseinsatz dazu beitragen, Reichtum zu zerstören, einfach herum. Sie entwerten sich durch Verrosten, also durch Nicht-Gebrauch einerseits sowie durch »moralische« Entwertung, d.h. dadurch daß sie durch bessere Waffen ausgestochen werden (– das trifft zwar auch auf nichtmilitärische Güter zu, aber eben nicht generell, vielmehr allein auf die überproduzierten). Freilich, für eine Wirtschaftszeitung à la Handelsblatt, die vom Kapitalismus keinen Begriff hat, ist es völlig einerlei, ob die Wirtschaft mit Rüstung oder mit irgendeinem anderen Produkt einschließlich den hoch gehandelten Finanzprodukten Kohle macht.
Und so ähnlich ist es auch mit der Politik. Ihr Abwägen zwischen Wirtschaft und Gewalt hat so seine Konjunkturen. Momentan neigt sich die Waagschale zugunsten der Gewalt. Damit versucht Deutschland seinem Führungsanspruch in Europa »zeitgemäß« gerecht zu werden. Das darf dann einmal mehr die Jugend ausbaden, die nun weniger Verwertungsmasse der Wirtschaft, vielmehr als Soldat vorzugsweise Manövriermasse des Staates wird. Es soll ja zur besonderen Ehre gereichen, sein Leben als militanter Staatslakai verpfuschen zu dürfen!
18.05.2026 © Kommunikation & Kaffee Augsburg
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Einen ersten Hinweis, worauf es den US-Amerikanern ankam, gibt das den Präsidenten begleitende Personal:
»As CEOs from big American conglomerates, including Tesla's Elon Musk, Apple's Tim Cook, BlackRock's Larry Fink, Boeing's Kelly Ortberg and Blackstone's St. Schwarzman joined Trump's delegation to China, a dramatic moment came when Nvidia CEO Jensen Huang boarded the Air Force One unexpectedly in Alaska during a refueling stop, according to media reports. A report by The New York Times was headlined 'Nvidia CEO hitches ride with Trump to China after last-minute invite.' Earlier, media reported that Huang would not join the delegation.« (global times, 14.05.2026) Des weiteren waren laut Bloomberg vertreten: Brian Sikes (Cargill inc.), Jane Fraser (Citigroup inc.), Larry Culp (GE Aerospace), David Solomon (Goldman Sachs Group), Sanjay Mehrotra (Micron Technology inc.) und Cristiano Amon (Qualcomm inc.).
Es ist nicht von der Hand zu weisen, daß die aus so unterschiedlichen Segmenten kommenden Wirtschaftskapitäne eines eint: Ihr Wissen um die Abhängigkeit von China. Sie wollen an China verkaufen bzw. in China einkaufen. China ist der Wirtschaftsanker der USA. Um die anvisierten Geschäfte auch Realität werden zu lassen, bedarf es der staatlichen Rahmenbedingungen. Für die sollte Trump sorgen; dafür hatte er selbstredend seinen Handelsminister Howard Lutnick und seinen Finanzminister Scott Bessent mit an Bord. Mit seiner heuchlerisch jovialen Freundlichkeit hoffte er, Xi Jinping das Gewünschte abverlangen zu können, ein offenes Ohr für die vielseitigen US-Interessen zu finden.
Doch es ist nicht so, daß China nicht um das allenthalben von den USA veranstaltete diplomatische Theater wüßte. Gerade erst hat der zweite Iran-Krieg binnen eines Jahres solch Theater noch dem Dümmsten vor Augen geführt. Auch jener Fall war ja durchaus einer ökonomischen, wenngleich damit auch strategischen Berechnung geschuldet, nämlich den weltweiten Energiefluß in Sachen Öl und Gas zu kontrollieren und zum eigenen ökonomischen Vorteil zu nutzen.
Kurzum, das alles, was sie machen, machen die USA nicht zum Spaß: Sie werden mittlerweile beherrscht von der Krise ihrer Ökonomie. Diese Krise ist es, der den Gang nach Beijing diktierte. Boeing muß dringend Flugzeuge verkaufen, Scargill viele Tonnen Sojabohnen, Musk seine Elektroautos etc.; das US-Finanzkapital möchte Investments aus China und der Staat selber möchte seine Anleihen einem China des Reichtums schmackhaft machen.
Auf der Einkaufsliste stehen Halbleiter, seltene Metalle und alles, was dazugehört, an Dingen also, an denen die US-Industrie Mangel leidet. (Abb.: Liu Rui, global times, 28.04.2026)
Chinas Sicht
Nun ist es allerdings so, daß die Abhängigkeiten Chinas von den USA in vielerlei Hinsicht geringer werden, wenn nicht gar auslaufen. China baut eigene Flugzeuge und kann, bei Bedarf anderswo zukaufen – auch Rußland ist ja bereits in die Serienproduktion von Zivilflugzeugen eingestiegen. Sojabohnen kann China anderswo günstiger beziehen, zum Beispiel beim BRICS-Partner Brasilien. Denn eines ist den Chinesen im Laufe der Zeit immer deutlicher geworden: Eine Abhängigkeit von den USA scheuen sich die nicht, zu Erpressungen zu benutzen.
Und Chinas Sicht geht noch weit darüber hinaus. Xi Jinping ließ Trump wie einen unterbelichteten Trampel dastehen, als er ihn vor möglichen Gefahren warnte, die Thukidhidhis (Θουκυδίδης)* angesichts des peloponnesischen Krieges beschrieb. Der war zunächst von Athen als überaus lohnend begonnen worden, alsdann ihn eine unvorhersehbar ausbrechende Pest zusammenfallen ließ. Dieser historische Hinweis ist insbesondere auf Taipeh gemünzt, das die USA als bevorzugtes Mittel benutzen, China zu schikanieren, Beijings Souveränität über die Insel schlichtweg nicht zuzulassen; kurzum, die eigene Macht drohend gegen China ins Spiel zu bringen. Keine Frage, wer nach chinesischer Auffassung derzeit die Pest an den Hals bekommt, wenn nicht schon hat.
Die Deals
Ein Deal verwundert auf den ersten Blick. Der Einkauf von Öl und Gas in den USA, obschon der chinesische Bedarf ganz sicher anders und günstiger gedeckt werden kann, vor allem beim nördlichen Nachbarn. Dennoch gibt es dabei einen Vorteil auf chinesischer Seite: China möchte seine US-Dollars loswerden.
Und seinerseits möchte es die Sachen, von denen die US-Wirtschaft so stark abhängig ist, nicht unter Wert verkaufen, wenn überhaupt. Unter Wert heißt mittlerweile nichts anderes als für US-Dollars. Und auf der anderen Seite sind die USA scharf auf ebendiese Dollars, die im Ausland festliegen. Sie leiden ja unter ihrer nach wie vor stark wachsenden Verschuldung. Die US-Ökonomie wirft dem Staat einfach nicht genügend Reichtum ab, mit der er seine weltweiten – nicht zuletzt militärisch fundierten – Ansprüche finanzieren und refinanzieren kann. Insofern sind den USA chinesische Investitionen allzeit willkommen. Laut Trump haben die chinesischen Restaurants in den USA die 5 größten US-Fastffoodketten zusammengenommen zahlenmäßig bereits übertroffen. Wiewohl hier chinesisches Geld gern investiert gesehen wird, gilt das nicht für alle Bereiche. Handelsminister Lutnick hat beispielsweise festgestellt, daß für den chinesischen Autohersteller BYD kein Platz in den USA sei. Die USA wollen also chinesisches Kapital, aber nur zu ihren Bedingungen und vor allem keinen chinesischen Einfluß in »kritischen« Bereichen. Und das, wo die USA von ausländischem Kapital abhängig sind und danach lechzen wie nie zuvor!
Für China hingegen ist eine Investition in Produktionsbereiche jenseits des Pazifiks ein sehr zweischneidiges Schwert, nicht nur, weil sie wenig lukrativ erscheinen, vor allem weil es Sanktionen und Beschlagnahmungen der USA allzeit zu befürchten hat. In dieser Hinsicht betreiben die USA ja nicht einmal die leiseste Schönheitspflege.
Die US-Wirtschaft, insbesondere ihr militärisch-industrieller Komplex ist stark abhängig von den chinesischen Lieferketten, von den seltenen Erden, von Magneten und elektronischen Geräten aller Art, veredelten Materialien (wie den seltenen Erden). Von dieser Abhängigkeit können sich die USA nicht einfach befreien, was der Verschleiß ihrer Waffen im Krieg um die Ukraine und einmal mehr im Iran-Krieg überdeutlich gemacht hat.
Im übrigen sind 200 von Boeing gekaufte Flugzeuge nicht viel gemessen an den früheren, freilich schon 10 Jahre zurückliegenden Einkäufen Chinas. Auch die Rindfleischkäufe Chinas machen das Kraut nicht wirklich fett.
Was sind die USA bereit, für umfassende chinesische Hilfe anzubieten. Strategisches Einlenken in Sachen Taipeh oder anderswo in der Welt, wo die USA sich einmischen? Niemals!
Das gilt auch für Nvidia H200 Chips, deren Verkauf an China beargwöhnt, ja mißbilligt wird – sehr zum Verdruß von Jensen Huang also kein Geschäftsabschluß. Schließlich liegt der weltweite Markt für KI-Chips zur Hälfte in China. Und schließlich handelt es sich um einen letzten in dieser technischen Hinsicht noch – und wohl nicht mehr allzu lange – vorhandenen ökonomisch nutzbaren Vorteil der USA.
Ein »Entgegenkommen«: die Zollreduktion in unkritischen Bereichen von 30 Mrd. US-Dollar – geradezu lächerlich.
Fazit:
Trump wollte die Verhandlungen strikt im ökonomischen Bereich halten und da natürlich auch in einem kontrollierten und kontrollierbaren Bereich. Einen Ausbruch in geostrategische Bereiche hat er erfolgreich vermieden. Das jedenfalls ist seiner ausweichenden Antwort in Bezug auf die Taiwan-Frage zu entnehmen gewesen. Bezüglich des am Rande angesprochenen Iran-Kriegs sind erwartungsgemäß ebenso keine Abmachungen getroffen worden, die die beiderseitigen Auffassungen tangiert hätten.
Der Handels- und Technologiekrieg wird fortgesetzt. Die USA haben von ihren imperialistischen Ansprüchen nichts zurückgenommen, obwohl ihre ökonomisch erodierende Position die Aufrechterhaltung jener infrage stellt. Darauf hat die chinesische Diplomatie ziemlich deutlich hingewiesen. Doch in einem sind die US-Amerikaner ganz vortrefflich geschult: in Ignoranz.
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* Thukidhidhis gilt allgemein als einer der ersten wahren Historiker. Er näherte sich der Geschichte als Erster auf wissenschaftliche Weise. (So jedenfalls der Eintrag im griechischen wikipedia.)
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Deutsche Politiker verurteilen keineswegs Genozide¹, ja sie rechtfertigen Genozide, den Israels in Gaza, im Westjordanland und im Libanon unentwegt. Unter dem Titel der Bekämpfung des Antisemitismus und unter dem Titel der Bekämpfung des Terrorismus. Dabei wird der Terrorismus Israels als ganz normal, geradezu als zivile Angelegenheit unterstellt. Dieser aber ist der Grund dafür, daß sich Palästinenser bewaffnet haben und verzweifelt Widerstand leisten. Der deutsche Rassismus allerdings wird in all seiner Parteinahme seit dem Kaiserreich unverwüstlich aufrecht erhalten.
Die Herero und Nama und andere Stämme wurden damals (1904-1908) von den Deutschen, die sich Namibia als Kolonie unter den Nagel gerissen hatten wie Vieh abgeschlachtet, ohne daß der deutsche Staat sich je dazu herabließ, Entschädigungen zu leisten. Gequält vorgebrachte Entschuldigungen hatten allein den Zweck, das Land weiter ausbeuten zu können. War es früher die Landwirtschaft, so sind es heute andere Schätze – Uran, Gold, Kupfer, Diamanten –, die der deutschen Wirtschaft billigst zugeschlagen werden sollen.
Auch den Genozid der deutschen Faschisten freilich stellen deutsche Politiker im allgemeinen nicht in Abrede, schließlich leiden sie unter dessen Beschmutzung des deutschen Nationalismus, auf den sie nunmal ja große Stücke halten können wollen. Gleichsam im Gegenzug dazu rechtfertigt der deutsche Nationalismus den Genozid und die Blut- & Bodenpolitik der israelischen Faschisten, der Zionisten. Man sieht, die Deutschen, die so denken – und das sind die politischen Tonangeber –, stehen der eigenen deutschen Geschichte nur zum Schein kritisch gegenüber. Ansonsten würden sie den ideologischen Zusammenhang erkennen, erkennen wie sich Antisemitismus buchstabiert und wie er verwertet wird: Das, was die Faschisten den Juden vorwarfen, war, ihr Menschenschlag wäre nicht fähig, einen Staat zu bilden, weshalb sie sich als Parasiten in den Volkskörpern anderer Staaten zu deren Schädigung betätigen würden. Dieses Parasitentum wollten die Faschisten ausmerzen und haben ungezählte Juden gequält und ermordet. Allerdings hatten sie einigen Juden beizeiten die Ausreise ermöglicht, nämlich denen, die sich selbst als Zionisten bezeichneten. Die nämlich haben sich die deutsch-faschistische Kritik zu eigen gemacht und wollten beweisen, daß sie doch einen Staat bilden können. Diesen Beweis traten sie dann – vor allem mit Hilfe Großbritanniens – dann in Palästina an, das sie einfach besetzten, als gehöre es ihnen. Ein Projekt, bei dem sie – dem deutschen Vorbild folgend – es an blutrünstiger Brutalität gegenüber den Einheimischen bis heute nicht fehlen lassen.²
Ebenso existiert die Vorstellung der Notwendigkeit eines permanenten Krieges inbegriffen der Konzentrationslager, eine Vorstellung, deren Realisierung Hitler & Co. inspirierend vor- und Netanjahu & Co. so gelehrig nachgeahmt haben, weiter in den Köpfen der deutschen Entscheidungsträger samt ihrer medialen Meinungsmacher. Alle die, welche glauben, Palästinenser und Juden könnten friedlich zusammenleben, haben die Rechnung ohne die Zionisten und die deutschen Antisemitismusheuchler gemacht. Praktischen Niederschlag findet das in der BRD einerseits in der vorbehaltlosen Förderung und Propagierung Israels als Staat samt dessen zionistischer Staatsräson, andrerseits im Versuch, alle Israelkritik totzuschlagen. Mit einem Genozid einen anderen rechtfertigen – eine echt reife Leistung eines fortentwickelten elitären deutschen Akademikertums!
Kurzum, von Kaiser Wilhelm II. und Hitler zu heute zieht sich eine unverbrüchliche Linie. Der deutsche Völkermord im 2. Weltkrieg wird ja offenkundig allein deshalb betrauert, weil Deutschland den 2. Weltkrieg verloren hat. Die heutige deutsche Politik dafür ist der beste Beweis. Oder warum sonst schreckt die Bundesregierung vor einer Distanzierung und Verurteilung des israelischen Völkermordes zurück?
Abgesehen von der Rechtfertigung des Zionismus wirkt das damalige Denken auch weiter in der nach wie vor aufrechterhaltenen Feindschaft zu Rußland – die in der Etablierung und Unterstützung des Bandera-Faschisten-Regimes in Kiew einen neuen Höhepunkt erfahren hat.³ Kaum minder in der nicht immer dosierten, aber immer währenden Kritik an den USA: Ein eingefleischter Antiamerikanismus geht durchaus zusammen mit einer berechnenden Haltung gegenüber der US-Regierung. Es ist zu konstatieren, daß das dem US-Präsidenten durchaus schon aufgefallen ist. Er nimmt nicht zuletzt deshalb verständlicherweise wenig Rücksicht auf deutsche Belange, wenn überhaupt, warum sollte er.
Israel ist – nicht minder als die Bandera-Ukraine gegenüber Rußland – eine gewollte Provokation des »freien Westens« gegenüber der arabisch-muslimischen Welt. Daß der Staat Israel auch noch ein Beitrag zum Antifaschismus des heutigen deutschen Staates sein soll, ist ein Witz. So verquer denken sich die Machthaber eben ihre Welt zurecht. Eine Klapsmühle ist nichts dagegen. Naja, Krieg, staatliche Gewalt entbehrt ja nicht der Rechtfertigung, weder damals noch heute.
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¹ Genozide sind im Grunde völlig unökonomische, rein ideologisch begründete Angelegenheiten. Die kapitalistische Produktionsweise fordert Millionen von Opfern; deren gewissermaßen stummen Opfer werden als selbstverständlich hinzunehmende nicht weiter gewürdigt. Ganz im Gegensatz zu den außerhalb dieser Normalität anfallenden Opfer der Völkermorde. Mit der Würdigung dieser Opfer freilich hat es so seine Bewandtnis.
² siehe hierzu: Die Logik der Ausrottung
³ Dabei mögen anfänglich ökonomische Ansprüche durchaus eine bedeutende Rolle gespielt haben – die Verwertung von Land und Leuten in einer erweiterten EU unter deutscher Führung. Diese haben in typisch deutscher Arroganz die russischen Interessen und die Interessen der russischsprachigen und rußlandorientierten Bevölkerung in der Ukraine vorsätzlich ignoriert. Mittlerweile ist an einen ökonomischen Profit nicht mehr auch nur ansatzweise zu denken, ganz im Gegenteil, die Kosten des Stellvertreterkrieges in all seinen Auswirkungen haben nichts als eine Belastung der deutschen Wirtschaft hervorgebracht und auch künftig ist nicht ansatzweise ein Gewinn zu erzielen. Übrig geblieben ist ein rein ideologisch festgezurrter Kampfauftrag gegen Rußland, dem sich »die Wirtschaft« bedingungslos zu fügen hat. Diese kommt dem zu ihrem eigenen Schaden nach.
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Rußland hat schon zu Zeiten seiner Zeit als Sowjetunion auf friedliche Koexistenz gesetzt und dies insbesondere in zahlreichen Rüstungskontrollabkommen demonstriert. Damals hat Moskau allerdings die Erfahrung gemacht, daß der Westen unter Führung der USA nur sehr sehr bedingt – nämlich solange angesichts des atomaresn Patts kein Weg zur Niederringung des Feindes gefunden – an einer Koexistenz interessiert ist, was er durch seine Anstrengungen, die UdSSR totzurüsten, also mittels seiner ökonomischen Überlegenheit seinerseits demonstriert hat. Nun gelangte man in Moskau dann schließlich zu der Überzeugung, daß die schiere Unmöglichkeit einer friedlichen Koexistenz durch die eigene Staatsräson bedingt sei. Also hat der damalige Staats- und KPdSU-Parteichef Gorbatschow den Sozialismus zugunsten einer vermeintlich ungestörten, wirklich friedlichen Koexistenz ebenso aufgegeben wie konsequenterweise das sowjetische Verteidigungsbündnis, den Warschauer Pakt, aufgelöst, der ja für die Verteidigung des Sozialismus (sowjetischer Art) installiert worden war.
Der Westen war so frei: Er hat es Rußland nicht gedankt, warum auch. Den Sozialismus beizubehalten und ihn im Sinne Marx'scher Gesellschafts- und Ideologiekritik, also im Sinne einer Emanzipation der Arbeiterklasse zu verwirklichen, das wäre sicher allemal besser gewesen, als sich der Illusion einer friedlichen Koexistenz auf Teufel-komm-raus zu widmen: Das – den aktuellen Krieg auf dem Territorium der früheren Sowjetunion inklusive – hat Rußland jetzt davon. Und trotzdem scheint man in Moskau nichts Wichtigeres zu tun zu haben, als sich weiterhin dem Westen gegenüber verhandlungsbereit zu geben, worauf u. a. die Bezeichnung des genannten Krieges als »spezielle militärische Operation« hindeutet.
Und im übrigen nicht nur das: Wer sich an den Hitler-Stalin-Pakt erinnert, der sei darauf hingewiesen, daß Stalin selbst angesichts des Aufmarsches deutscher Truppen an der sowjetischen Staatsgrenze im Jahre 1941, über den er durch seine Informanten im Bilde war, es bis zur Stunde des tatsächlichen Überfalls nicht wahrhaben wollte, daß das damalige deutsche Regime vertragsbrüchig wird. Er nahm also in Kauf, daß die deutschen Truppen ohne große Gegenwehr schnell und weit auf russisches Gebiet vorstoßen konnten. Ähnliches konnte man 2024 angesichts der (militärisch nutzlosen) Kursk-Offensive bemerken, die die NATO vermittels ukrainischer Asow-Nazis vornahm. Ohne NATO-Waffen, NATO-Strategen und -Logistik wäre dieser Vorstoß ebenso unmöglich gewesen wie überhaupt der gesamte NATO-Angriffskrieg samt vorangegangener Provokation. Was die Vergangenheit anbelangt, da ist eine Kontinuität im Glauben Moskaus an ein Deutschland zu registrieren, die schlicht unglaublich ist: Der staatliche Sender Russia Today hat offenkundig keinerlei politisches Geschichtsbewußtsein: RT deutsch propagiert nämlich unverfroren die NS-Nachfolgepartei AfD und deren – in Bezug auf Rußland verlogenen!¹ – Standpunkt, ganz so, als wäre ausgerechnet jene Partei für Rußland samt seiner Bewohner eine außenpolitische Perspektive. Aber so ist es eben in einem Staat, der nach westlichem Vorbild auf Nationalismus pur, d.h. ohne sozialistische Unterpunkte à la UdSSR, setzt. Darüber kann auch das BRICS-Bündnis nicht hinwegtäuschen: Dieses setzt ja gerade auf einen international anerkannten Nationalismus und da ist jeder Staat willkommen, ganz unterschiedslos wie die Staatsräson der einzelnen Staaten dann im einzelnen aussieht.
Die antirussische Propaganda ist seit über 100 Jahre dieselbe. In ihrem Kern ist sie rassistisch und sie zielt auf die Unterwerfung ganz Rußlands. Die Kritik an der Nichtexistenz von Kapital, also an einer rudimentären² Art von Sozialismus war zwar kein Vorwand, sie war vielmehr das i-Tüpfelchen in der rassistischen Kritik am russischen Menschenschlag und an einer russischen Souveränität, die der sich anmaßt: Er könne einfach nicht anders, als bewußt böswillig sich »unserer« Vernunft zu widersetzen. –
Die ukrainischen Bandera-Faschisten beispielsweise sind den imperialistischen Staaten nützlich, weil, fatalistisch wie jene sind, opferbereit — im westlichen Blick also kaum minder verachtenswert. Auch stört es die Imperialisten nicht die Bohne, daß die Ukraine in die Steinzeit zurückbefördert wird (insbesondere die USA haben da ja große Erfahrung, wie das geht – erfahrungsgemäß am besten so, daß man sich dabei nicht selber die Hände schmutzig macht!) und jede Menge Kollateralschäden unter der Zivilbevölkerung auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion anfallen. Für Imperialisten ist Frieden die Ideologie ihrer weltweiten Herrschaft. Also ein unumstößliches, weil gewaltversehenes Dogma. Überdies dulden sie keine grundsätzliche Konkurrenz ihrer Herrschaft, weder eine gleich- (alternativ-kapitalistische) noch andersgeartete (irgendwie sozialistische).
Die USA bestimmen die Weltordnung hinsichtlich ihres Anspruchs, die Welt möge für sie nützlich und profitabel sein, so daß jede konkurrierende Macht – sogar westeuropäische Staaten – sich den Schuldspruch zuziehen kann, diesem Anspruch abträglich zu sein. Und obwohl beispielsweise der Iran keine Konkurrenz zu den USA anvisiert hat, so hat er sich – durch Sanktionen gezwungen – doch den Ansprüchen der USA entzogen. Allein der iranische Machtanspruch in der ölreichen Region stört die imperialistische Aufsichtsmacht seit 1979 immens. Nach Meinung der amtierenden US-Regierung laufen mittlerweile viel zu viel Geschäfte an den USA vorbei³, entziehen sich ihrem Einfluß und ihrer Kontrolle. Dies – und das ist nach Meinung der US-Regierung offenbar längst ein Notfall – mittels militärischen Eingriffs wie im Falle Venezuela und Iran zu korrigieren, hat sie sich vorgenommen, scheut auch hierbei nicht vor der Produktion von schier unglaublichen Leichenbergen zurück und will dies auch von all ihren Verbündeten honoriert haben; und nicht nur von denen, vielmehr auch von den großen Gegenspielern Rußland und China, mit denen die aufs Korn genommenen Staaten verbündet sind. Insbesondere die BRICS-Allianz, so heterogen sie auch ist, ist den USA ein arger Dorn im Auge, wie der kriegerischen Politik der gegenwärtigen Administration unschwer zu entnehmen ist.
________________
¹ Verlogen ist deren Standpunkt, weil er auf die Diskreditierung qua Mißerfolg der deutschen Regierung setzt, wofür Rußland im aktuellen Krieg gerade gut genug erscheint. Dummerweise hat die Bundesregierung nämlich den deutschen Faschisten die ukrainischen als »Partner« weggeschnappt. Da es ja immer um den Beweis geht, wer der konsequenteste Nationalist ist, sind die Aktionen so radikal. Die Konkurrenz der Nationalisten treibt die Gewaltspirale an. Die Alternative heißt nicht »kein Krieg«, sondern erfolgreicher(er) Krieg! Man könnte hier Goebbels ebenso zitieren wie Pistorius.
² Rudimentär deshalb, weil er so ziemlich alle Bestandteile einer bürgerlichen Herrschaft beibehielt. Jeder Zusammenhang mit einer kapitalistischen Staatsräson wurde bestritten. Von den Bürgern wurde lediglich ein modifizierter Opportunismus verlangt, ein Bekenntnis zur jetzt sozialistischen Nation.
³ Die Triebfeder des Kapitals ist unübersehbar. Nicht zuletzt dann, wenn es um strategische Rohstoffe geht: Erdöl, Erdgas, seltene Metalle. Für deren Sicherung ist allenthalben der Staat als ideeller Gesamtkapitalist zuständig.
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Jene Auffassung, die in Geschichtsbüchern verbreitet wird, stellt die Wahrheit auf den Kopf: Dort wird behauptet, der japanische Sieg im Krieg gegen Rußland 1904/1905 wäre der erste bedeutende Sieg einer asiatischen über eine europäische Großmacht in der Moderne gewesen.
Eine Richtigstellung liefert der japanische Kommandeur eines Panzerkreuzers, Graf Yorisaka, der mitsamt seinem englischen Berater und Beobachter, Schiffskommandant und Adjutant seiner königlichen Majestät, auf eben jenem Schiff in der Seeschlacht bei Tsuschima im Oktober 1904 ums Leben gekommen ist. Tage zuvor tönte der Japaner gegenüber dem Briten: »Wer Russe sagt, sagt Asiate und wir Japaner behaupten, bald Europäer zu sein. Unser Sieg kommt Ihnen soviel wie uns zu, weil es ein Sieg Europas über Asien ist. Nehmen Sie für alles unsere ganz untertänigste Dankbarkeit an.«¹
Und in der Tat fand Japan in England einen Unterstützer in seinen den europäischen Großmächten nachgeahmten Ambitionen auf dem asiatischen Festland, auf die es viel mehr Anspruch erhob, war dies doch ihm nahegelegen. Insbesondere ging es um Korea, die damals unter russischer Verwaltung stehende Mandschurei und das von den Kolonialmächten geschwächte China. Japan hatte schon im Krieg gegen die Qing-Dynastie 1894/95 darauf den Blick gerichtet.²
»Bereits Ende Januar 1902 wurde auf fünf Jahre ein Vertrag zur Aufrechterhaltung des bestehendes Zustandes in Ostasien zwischen England und Japan abgeschlossen, worin sich beide Seiten gegenseitig versprachen, neutral zu bleiben, falls der andere von einem einzelnen Gegner angegriffen wurde und einander beizustehen, sobald eine Macht dem Gegner zu Hilfe komme.«³ »Der englische Imperialismus … nahm an dem zwei Jahre später ausbrechenden Russisch-Japanischen Krieg nicht unmittelbar teil, doch gewährte England Japan bedeutende materielle und technische Hilfe. Vor allem räumten englische Banken der japanischen Regierung Kredite zur Finanzierung der Aufrüstung bei.«⁴
»Rußland gab darauf [auf den Vertrag von 1902] bekannt, daß sein Bündnis mit Frankreich auch für Ostasien Geltung habe und suchte durch einen Scheinvertrag mit China, der die baldige Räumung der Mandschurei in Aussicht stellte, die Gegner zu beruhigen. … Die Befürchtungen, die durch die Vollendung der sibirischen Eisenbahn erweckt wurden, das Heranströmen russischer Kolonialisten, die Verstärkung der ostasiatischen Truppen und der ostasiatischen Flotte Rußlands, alles das bewog die japanischen Staatsmänner zu sofortigem Handeln. Im August 1903 eröffnete Japan mit Rußland die Verhandlungen über die Räumung der Mandschurei und die Sicherung Koreas gegen den russischen Einfluß; denn es war bereits der Plan aufgetaucht, die Mandschureieisenbahn durch eine Zweiglinie nach Söul und den koreanischen Hafen Mosampo zu ergänzen. Dagegen wollte Rußland den Japanern die militärische Besetzung irgend welcher Punkte Koreas nicht gestatten und verlangte im Interesse der Verbindung zwischen seinen ostasiatischen Häfen Wladiwostok und Port Arthur die vollständige Freiheit der Schiffahrt in der Straße von Korea. Das äußerste, was Rußland zugestehen wollte, war die Festsetzung einer neutralen Zone in Korea; nördlich von dieser sollte der russische, südlich davon der japanische Einfluß vorherrschen. Über die Abgrenzung der Zone konnte man sich jedoch nicht einigen. Die Japaner erkannten aus diesen Verhandlungen, daß sie auf friedlichem Wege ihre Forderungen nicht würden durchsetzen können. Sie stellten daher im Januar 1904 ein Ultimatum; Rußland solle die Mandschurei räumen und dem freien Handel aller Nationen öffnen, und es solle die Vorherrschaft Japans in Korea anerkennen. An eine Annahme dieser Bedingungen durch den Zaren war natürlich nicht zu denken; das würde die Aufgabe aller während des letzten Jahrzehnts gewonnenen Positionen bedeutet haben. Da von russischer Seite auf die japanischen Forderungen keine Antwort erteilt wurde, erklärte Marquis Ito die Verhandlungen für abgebrochen, und der japanische Gesandte verließ Petersburg. Damit war, wenn auch keine formelle Kriegserklärung erfolgte, der Kriegszustand zwischen beiden Mächten eingetreten.«³
Soweit in Kürze und auf Japan konzentriert die Tatsachen. Was sich jedoch in Japan zu dieser Zeit abspielte, das beleuchtet das Werk Claude Farrères »Die Schlacht«, womit die bei Tsuschima im Oktober 2004 gemeint ist. Darin ist auch das obige Zitat enthalten. Die Handlung spielt sich freilich vornehmlich vor der Schlacht ab und zwar in Nagasaki und Umgebung. Nagasaki, später international einem breitem Publikum bekannt durch den us-amerikanischen Atombombenabwurf im August 1945, der zur Kapitulation Japans führte und damit das Ende des Weltkrieges in Ostasien besiegelte, wo er ja auch mit der japanischen Aggression gegen China 1931 – mit der Besetzung der Mandschurei – und dann im Juli 1937 gegen das übrige China begonnen hatte.
Nagasaki war schon lange ein Zentrum der Schwerindustrie, insbesondere des Schiffsbaus (der Konzern Mitsubishi) und seine Nebenbucht Sasebo japanischer Kriegshafen, also ein wichtiger militärischer Ort, zumal er gegenüber Korea und der Zufahrt zum Gelben Meer günstig liegt. In Nagasaki war die englischsprachige Zeitung »Nagasaki Press«⁵ allgemeines Informationsorgan – es war in, englisch zu lernen und zu sprechen! Diese Zeitung veröffentlichte zum Beispiel eine Depesche der Nachrichtenagentur Reuter »Tokio, 22. April 05. Man bestätigt das Erscheinen von vierundvierzig russischen Schiffen vor Singapur am Sonnabend den 8. d. M. Der Vizeadmiral Rodjestvensky befehligte sie. Die Division des Konteradmirals Nebagatof ist noch nicht signalisiert. Es geht das Gerücht, daß der Vizeadmiral Rodjestvensky die Richtung nach der französischen Küste von Indo-China eingeschlagen hat. – Die Weisungen des [japanischen] Admirals Togo bleiben geheim.«⁶ Die Nachrichtenübermittlung lag also ebenfalls nicht in japanischen Händen.
Die Geschichtsschreibung stellt ihrem Bericht gleich folgendes voran: »Der unter us-amerikanischer Vermittlung ausgehandelte Friedensvertrag von Portsmouth vom 5. September 1905 besiegelte den ersten bedeutsamen Sieg einer asiatischen über eine europäische Großmacht in der Moderne.«⁷
In Farrères Werk hat es einen Franzosen in diese japanische Stadt verschlagen, als Porträtmaler bestellt begab er sich privat auf die Suche nach dem ursprünglichen Japan, nachdem er gleich bei seiner Ankunft überrascht worden war: Die Gastfamilie, der der Kapitän eines Schlachtschiffes vorstand, war vollkommen europäisiert. Das betrifft die Inneneinrichtung des Hauses bis hin zur mit neuester Pariser Mode bekleideten Ehefrau. Ein englischer Beobachter und Berater war ebenfalls zugegen. England hatte die Schiffskanonen geliefert, allerdings erstmal nicht die neuesten. Man weiß ja aus dem aktuellen antirussischen Krieg, was für die Erledigung der Russen gut genug sein muß! So wurde denn auch der Engländer gebeten, das Empire möge doch gefälligst die besten Maschinen liefern, wenn schon Japan den Krieg schultere, was ja nicht zuletzt im Interesse der Briten sei. Sowohl der Japaner wie der Brite kamen dann bei der entscheidenden Schlacht von Tsushima ums Leben. Aber der Witz des Buches sind ganz und gar nicht die Kriegshandlungen an sich.⁸ Vielmehr ist die Beschreibung der japanischen Welt in Nagasaki und Umgebung, das völlige Aufgehen der oberen Schicht in den westlichen Vorbildern. Das Ankern der us-amerikanischen Luxusjacht Yseult in Nagasaki und die dort stattfindenden Parties beeindruckten allein den Franzosen nicht.
Japans Ambitionen hat sich dieses Land vom Westen abgeschaut. Dies läßt sich nicht bestreiten. Dafür hat es Anleihen aller Art aus dem Westen bezogen. Die imperialistischen Ziele hat es sich selber ausgesucht, wofür es einer westlichen Absicherung bedarf. Das zaristische Rußland zu bekriegen, schien Japan eine lösbare Aufgabe. Korea war ohnehin schon unter japanische Kontrolle. Und das Hauptziel war das angrenzende heutige Nord-China, damals als Mandschurei weitgehend unter russischer Kontrolle.
Die offiziellen Opferzahlen auf japanischer Seite wurden sicher im Überschwang des Sieges geschönt, nicht nur die russischen waren erheblich. Der Sieg stieg den Japanern dermaßen zu Kopf, daß der von den USA vermittelte Friedensvertrag als Betrug an Japan empfunden wurde. Farrères Fazit war der, daß im Grunde keine Seite den Schlagabtausch wirklich gewonnen hat, insbesondere weil Japan seine urspüngliche Façon endgültig verloren habe.
Der als eingeschränkt empfundene Sieg hatte Japan lange gewurmt und den Nationalismus immens angestachelt, allerdings war es lange nicht in der Lage, wieder kriegsfähig zu werden, zumal die überseeischen Imperialisten das Interesse an Japan zurückgestellt hatten, waren sie selber doch in Europas großen Krieg (1. Weltkrieg) eingebunden. Wie oben bereits erwähnt hat Japan sich dann 1931 die Mandschurei gesichert. Im Juli 1937 hielt es die Zeit für gekommen, sich ein durch innere Zerwürfnisse geschwächte übrige China einzuverleiben. Das Vorgehen der Japaner dort war so barbarisch, als hätten sie dies von den Yankees übernommen (vielleicht haben sie das ja auch!). So begann der 2. Weltkrieg in Ostasien. Japan hat dann Frankreich beschuldigt und die USA verdächtigt, die aus seiner Sicht »berechtigten Ordnungsinteressen« in China zu hintertreiben. Das führte dann (neben den Auseinandersetzungen mit Frankreich in und um Indochina) zu dem berühmten Überfall auf den us-amerikanischen Flottenstützpunkt Pearl Habour auf der zum Hawaii-Archipel gehörigen Insel O'ahu im Dezember 1941. Diese Inselgruppe sollte einem »imperium japonicum« zugehörig werden.
Nach den beiden Atombombenabwürfen war es dann mit dem japanischen Großmachtstreben vorbei, Japan mußte kapitulieren. Allerdings wurde es damit erst recht zu einem westlichen Produkt. Die seit 1950 so gut wie ununterbrochen herrschende Liberaldemokratische Partei (LDP) war von Anfang an eine us-amerikanische Kreatur.
Und heute, 75 Jahre später, schlägt die jüngst ins Amt gekommene Premierministerin Sanae Takaichi wieder imperialistische Töne gegen China an⁹, diesmal eben mit us-amerikanischer Rückendeckung und mit der eisernen Lady Margaret Thatcher als ihrem Vorbild. Offenbar hat Japan die Weltkriegsniederlage gegen das Nachbarland und keineswegs gegen die USA nach wie vor nicht verschmerzt… Auf alle Fälle zeigt dies, daß der Aufbau eines Feindbildes zur Rechtfertigung eigener Ansprüche dringend notwendig ist. Auch hierin ist der Westen für Japan eine Richtschnur. Kurzum: Die Aufrüstung Japans ist sowohl politisch wie militärisch und medial in vollem Gange. Eine atomare Bewaffnung Japans ist von der Partei Sansei ins Gespräch gebracht worden – allein damit ist die Regierung außenpolitisch noch von rechts zu kritisieren.
_______________________________________________
¹ Claude Farrère, Die Schlacht (dt. Erstveröffentlichung, Xenien Verlag, Leipzig, 1913), S. 25
² Entscheidend für die Ambitionen Japans war die politische Wende nach dem Putsch von 1868, die «Meiji-Restauration« (benannt nach dem Kaiser). Die Putschistenregierung nahm sich definitiv die europäischen Kolonialmächte zum Vorbild. −
Die von den Portugiesen im 16. Jahrhundert erstmals ins Land gebrachten Feuerwaffen wurden von den Eingeborenen zunächst abgelehnt, sie wollten nach wie vor mit ihren Samurai-Schwertern kämpfen. Es dauerte über ein Jahrhundert, bis die Einheimischen die Nützlichkeit der neuen Waffen bei der Austragung ihrer Stammesrivalitäten zu schätzen lernten. Diesem westlichen Einfluß verdankt sich übrigens im weiteren der gewaltsame Zusammenschluß der drei Inseln Honschu, Schikoku und Kiuschu zu einem einheitlichen Staat (die nördlich gelegene Insel Hokkaido kam erst nach der genannten Meiji-Wende hinzu, offiziell 1869).
³ »Der Kampf um die Vorherrschaft in Ostasien« in: »Weltgesschichte, Geschichte der Neuzeit – das nationale und soziale Zeitalter seit 1815«, Ullstein Verlag, 1908, S. 545ff
⁴ J. M. Shukow u.a., Weltgeschichte, Band 7, 1965, S. 489
⁵ Seit wann die heute noch erscheinende Zeitung eine japanische Ausgabe hat, ist ebensowenig bekannt wie die Einstellung der englischsprachigen.
⁶ Claude Farrère, Die Schlacht, S. 59
⁷ deutschsprachiges wikipedia, Stand 01/2026, Hervorhebung durch KoKa
⁸ Die Neuauflage des Farrère-Buches im Georg Müller Verlag – er legte nach WK I eine ganze Serie von seinen Werken wieder auf – wurde denn auch mit »Marquise Yorisaka«, der europäisierten Japanerin, betitelt.
⁹ »Während einer Anhörung im japanischen Parlament, der Diet, am 7. November behauptete Takaichi, daß eine Notlage auf Taiwan, die den Einsatz von Kriegsschiffen und militärischer Gewalt vom chinesischen Festland beinhaltet, eine überlebensbedrohliche Situation für Japan darstellen könnte. Laut Gesetz können die Selbstverteidigungskräfte Japans das Recht auf kollektive Selbstverteidigung ausüben, wenn eine solche Situation als überlebensbedrohend anerkannt wird.« (Global Times, 13.11.2025) Diese Position hat sie gegenüber der japanischen Zeitung Mainichi Shimboun am 11.11.2025 noch einmal bekräftigt.
07.02.2026 © Kommunikation & Kaffee Augsburg
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1. Ideologisch rechtfertigten die USA die militärische Maßnahme damit, daß islamische Terroristen, insbesondere der berüchtigte Ableger des »Islamischen Staates« in Afrika, die Boko Haram, wahllos Christen ermorden.
2. Die Maßnahme wurde in Absprache mit der nigerianischen Regierung mit Präsident Bola Ahmed Tinubu an der Spitze getroffen.
3. Die Maßnahme wurde in der vergleichsweise dünnbesiedelten Nordwest-Provinz Sokoto durchgeführt. Diese gehört (so gut wie) nicht zum Wirkungsbereich der Boko Haram.
4. Über die Opfer unter Terroristen und/oder Zivilisten wurde weder von seiten Nigerias noch von seiten der USA etwas bekannt gegeben noch wurden gar Beweise offengelegt. Die USA verkündeten nur, sie hätten Terroristen ausgeschaltet und die Aktion sei somit ein voller Erfolg gewesen.
Was veröffentlicht wurde, war im nachhinein lediglich, daß ein Hotelbesitzer sich beklagt habe, drei seiner Angestellten seien von herumfliegenden Raketenteilen verletzt worden.
5. Man kann davon ausgehen, daß die nigerianische Regierung den USA den Zielort nahegelegt hat, um die Opferzahl gering zu halten. Ebenso sollte über die Opfer nichts Konkretes bekannt werden.
6. Am gleichen Weihnachtstag, als die USA den Christen dieses großzügige Geschenk machten, kam es in der im Nordosten gelegenen Provinzhauptstadt Maiduguri zu einem Anschlag auf eine Moschee, bei dem mindesten fünf Personen getötet und mehrere Dutzend verletzt worden sind.
Fazit: Nigeria ist alle Regierungswechsel überdauernd seit Jahren ein verläßlicher Partner der imperialistischen Staaten (und gerade der amtierende Präsident Tinubu hat langjährige gute Beziehungen zu den USA; unter seiner Herrschaft in der Provinz Lagos wurden vor 30 bis 40 Jahren Gelder aus dem Heroinhandel auf US-Konten gewaschen. Über die Niederschlagung dieses den USA nicht in den Kram passenden Skandals – die USA wissen sich ja seit Jahr und Tag der Drogenbekämpfung zutiefst verpflichtet – berichtete sogar die deutsche tagesschau unter dem Titel »Der Pate von Lagos« bei dessen Amtseinführung als Staatspräsident 2023).
Sie, die imperialistischen Staaten, dürfen ihr Öl aus den Quellen des Nigerdeltas abholen, die vom nigerianischen Militär bewacht werden. An der Bereicherung beteiligen sich Konzerne wie Shell (GB), Chevron (USA), TotalEnergies (Frankreich) und ENI (Italien). Im sonstigen Land mit einer Bevölkerung von über 200 Millionen grassiert Armut pur. Diese ist der perfekte Boden für Gewalt.
Natürlich scheißt sich der »freie Westen« einen Kehricht darum, die Armut zu bekämpfen. Das, was er zu bieten hat, ist das In-Schach-Halten dieser Armut, die Kontrolle mit Waffengewalt. Dafür wird die örtliche Regierung auch kreditiert. (Regierungen, die es anders halten, werden sanktioniert, siehe Venezuela.) Besonders spitzfindige Intellektuelle haben schon vor Jahren herausgefunden, daß Nigeria einseitig von Erdöl (80% der Staatseinnahmen) abhängig ist und eine »Diversifizierung« nötig sei. Dabei haben sie natürlich keineswegs an die Bedürfnisse der dortigen Bevölkerung gedacht, sondern daran, was zum einen dem dortigen Staat zusätzliche Devisen einbringen – um weiterhin verschuldungsfähig zu bleiben – und zum anderen »uns« nützen könnte. Außer Palmöl ist ihnen da nicht viel eingefallen.
Der Blick der USA war freilich weniger auf seinen Vasallen in Abuja gerichtet, vielmehr auf die Weltlage: Nigeria soll ja nicht wie Südafrika, Äthiopien und Ägypten ins Lager der BRICS-Staaten abdriften, sich also dem imperialistischen Zugriff zu entziehen hoffen!
24.01.2026 © Kommunikation & Kaffee Augsburg
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Der US-Präsident Donald J. Trump mischt sich militärisch in Venezuela ein.
Auch die Augsburger Kaufmannsfamilie der Welser wollte sich Venezuela als Kolonie einverleiben.
Die Verbindung zwischen Augsburg und Venezuela ist historisch einmalig. Im Jahr 1528 schloß die Augsburger Bankiersfamilie Welser einen Vertrag mit Kaiser Karl V. ab [Die Abbildung zeigt den Boss Bartholomäus V. Welser 1484-1561]. Sie erhielten die Kolonie Klein-Venedig in Südamerika als Pfand für Schulden der Krone. Das Gebiet entspricht weiten Teilen dem heutigen Venezuela. Die Welser schickten Gouverneure und deutsche Siedler über den Ozean. Ihr Ziel war die Suche nach dem sagenumwobenen Goldland »El Dorado«. Die Verwaltung war jedoch von Konflikten und Gewalt geprägt.
Nach knapp 30 Jahren endete dieses Kapitel deutscher Kolonialgeschichte. Die spanische Krone entzog den Augsburgern 1556 schließlich die Rechte an dem Territorium. Ein prominentes Mitglied der Familie Welser wurde in Venezuela getötet. Bartholomäus VI. Welser, auch bekannt als Bartholomäus Welser der Jüngere, fand dort ein gewaltsames Ende. Am 17. Mai 1546 wurde er zusammen mit dem Generalkapitän Philipp von Hutten hingerichtet. Ihr spanischer Rivale Juan de Carvajal ließ die beiden Männer heimtückisch gefangen nehmen und enthaupten. Die Tat ereignete sich in der Nähe des heutigen Quíbor, als sie von einer mehrjährigen Expedition ins Landesinnere zurückkehrten. Carvajal wurde später für diesen Mord selbst zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Die wirtschaftlichen Ziele und Tätigkeiten der Welser in Venezuela waren vielfältig, wobei viele Vorhaben letztlich an den harten Bedingungen vor Ort scheiterten. Geplante und getätigte Geschäfte:
Suche nach Edelmetallen: Das Hauptmotiv war die Suche nach Gold und dem legendären »El Dorado«. Die Welser schickten eigens etwa 150 deutsche Bergleute in die Kolonie, um Minen zu erschließen. Diese Expeditionen ins Landesinnere waren jedoch oft verlustreich und brachten nicht den erhofften Reichtum.
Sklavenhandel: Ein wesentlicher Bestandteil der Verträge (Asiento) war das Monopol auf die Verschleppung und den Verkauf von versklavten Menschen. Die Welser hatten die Erlaubnis, rund 4.000 afrikanische Menschen nach Venezuela zu bringen. Zudem wurden indigene Bewohner gefangen genommen und als Sklaven verkauft.
Landwirtschaft und Plantagen: Es gab Versuche, Zuckerrohrplantagen aufzubauen. Diese sollten durch die Arbeitskraft versklavter Menschen bewirtschaftet werden, um Erträge für den Export zu generieren.
Handelsmonopole und Steuervergünstigungen: Die Familie genoß weitreichende Privilegien, darunter Steuererleichterungen und das Recht, Beamte sowie Gouverneure einzusetzen. Sie gründeten Siedlungen wie »Neu-Augsburg« (heute Coro) und »Neu-Nürnberg« (heute Maracaibo) als Handelsstützpunkte.
Die wirtschaftlichen Ziele der Welser konnten nur teilweise realisiert werden. Die hohen Kosten für die Expeditionen, tropische Krankheiten und Konflikte mit der indigenen Bevölkerung sowie spanischen Konkurrenten führten dazu, daß die Kolonie unrentabel blieb. 1556 endete die formale Herrschaft der Welser in diesem Gebiet endgültig.
06.01.2026
Ein Beitrag von Arno Löb, Augsburg
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Ein Freund, der lange Jahre in China (für eine westliche Firma) gearbeitet hat, sagte mir: In China ist alles Business. Business, business, business! Da findest Du nichts hinsichtlich Deiner marxistischen Überlegungen. Dem ist sicherlich nicht zu widersprechen.
Seit nun etwa 50 Jahren hat China die kapitalistische Ökonomie des Westens geradezu perfekt adaptiert. Die Einsicht von Deng Xiaoping und Genossen war die, daß China dem Westen mit den vorhandenen Mitteln nur unzureichend standzuhalten in der Lage sei. China habe zwar ein enormes Potenzial, aber dieses liege brach und könne so nicht in die Waagschale geworfen werden.
Dazu trat ein antimarxistisches Element aus der Mottenkiste der ML-Ideologie: Der Vergleich mit dem Westen vermittels der ökonomischen Produktivität. Ursprünglich dachten ja diejenigen, die eine Revolution gemacht hatten – das gilt gleichermaßen für die UdSSR –, daß eine zentral organisierte und geplante Wirtschaft quasi automatisch produktiver sein müsse als eine mit- und gegeneinander konkurriender Kapitalgesellschaften. Kurzum, man wollte also mit einer alternativen Ökonomie die fortgeschrittenen kapitalistischen Staaten ein- und überholen. Nun gestand man sich ein, daß dieser Plan nicht aufgegangen ist. Man hat sich allerdings dabei die Frage erspart, warum. Stattdessen griff man auf die ML-Geschichtsteleologie zurück, nach der der Sozialismus nicht eine Stufe der Entwicklung überspringen könne, daß also eine kapitalistische Entwicklung in einem so unterentwickelten Land wie China nachgeholt werden müsse, bevor ein Übergang (ein Übergang, kein Bruch!) zum Sozialismus erfolgen könne. Freilich war man in China nicht so radikal wie in Rußland, gleich die ganze einstige sozialistische Revolution ad acta zu legen. Behutsam öffnete die Kommunistische Partei Chinas also das Land für die Anlage von ausländischem Kapital, um selbst an den Früchten kapitalistischer Mehrwertproduktion teilhaben zu können. Den Preis dafür, die eigenen Landsleute der Ausbeutung zu unterwerfen, war die Partei bereit zu bezahlen. Schließlich erblickte man eine Notwendigkeit für das Überleben des Staates selber (samt all seiner rosigen Zukunftsperspektiven), erbrächte man nicht die dafür nötigen Opfer.
Daß dieses Programm ein ziemlicher Erfolg war, läßt sich heute nicht bestreiten. Man könnte einwenden, China habe sich damit der Feindschaft der imperialistischen Staaten keineswegs entledigt. Nur: Darauf war es auch nicht berechnet – es war ja wie gesagt, dem Standhalten geschuldet¹ —, wie sollte es auch? Es ist ja vielmehr so – gerade aus westlicher Sicht! –, daß Chinas ökonomischer Fortschritt ein Fortschritt der global wirkenden kapitalistischen Ökonomie selber ist: China mußte sich anpassen, nicht der Westen!
Und mit der Ökonomie ist es überdies nicht getan. Einher mit der Kapitalisierung Chinas gingen und gehen allenthalben die schönen Nebenwirkungen des Kapitalismus. Die Arbeiterklasse wird über ihre materielle Lage mit allerhand ebenso hübschen wie praktischen Gebrauchswerten nicht nur bei (Kauf-)Laune gehalten, sondern überhaupt darüber getäuscht, daß sie dafür in die Pflicht genommen, dafür mit der Ausbeutung ihrer Arbeitskraft zu bezahlen hat. Diese für die meisten schier unbezahlbare bunte Warenwelt schlägt sich im Bewußtsein dermaßen nieder, daß man sich gar nicht mehr als Angehöriger der Arbeiterklasse fühlt und auch nicht fühlen möchte. Und nicht nur das. Ein weiteres Element der Kompensation – auch das kein Unterschied zum kapitalistischen Westen – ist die Verdrängung des eigenen individuellen materiellen Zustands mit dem Kompensationangebot, nun Mitglied einer erfolgreichen Nation zu sein. So hat der Nationalismus alle früher einmal vorhandenen Gedanken, als Arbeiterklasse keine nationalen Grenzen zu kennen, aufs Abstellgleis geschoben. Dem alten Kommunistenspruch »Proletarier aller Länder vereinigt euch!« wird man in China wohl wirklich nicht mehr begegnen.
Irgendwie spürt die geistige Entgleisung und Entgleitung auch die Parteiführung in Beijing. Doch soll man nun bei aller Adaption des Westens chinesische Traditionen bewahren oder aber doch irgendwie an den ursprünglichen kommunistischen Auftrag erinnern – für den Mao Zedong und seine Genossen ja einst eine Revolution für notwendig erachtet hatten – oder aber am besten irgendwie beides? Und gleichzeitig einer mittlerweile eingerissenen Wohlfühllaune der Bevölkerung nicht zu nahe zu treten? Von außen betrachtet hat man den Eindruck, daß die KPCh am liebsten gar nicht über solche Fragen nachdenken möchte. Im Grunde lasten die tagesaktuellen politischen Fragen ohnehin viel zu sehr auf den verantwortlichen Politikern. Außenpolitisch machen dem chinesischen Staat ja nach wie vor die USA, aber auch ein sich wieder erstarkt fühlendes und immer unverschämter auftretendes Japan zu schaffen und zwar mehr als China lieb sein kann. Unzweifelhaft treiben die USA den Preis für den erreichten Status Chinas weiterhin in die Höhe: Was ist alles nötig, um China vor den USA zu schützen, es gegen die USA abzusichern?
Und es ist ja bei der geistigen Verwahrlosung, die der Kapitalismus in seinen Zentren (den USA, Japan und Westeuropa) angerichtet hat, keineswegs so, daß sich dort eine Arbeiterbewegung bilden würde, die China zupaß käme. Umgekehrt ist es ja vielmehr so, daß China aufpassen muß, daß solche Verwahrlosung nicht im eigenen Lande Fuß faßt, so sie nicht schon Fuß gefaßt hat. Ein bloßes Bekenntnis zum Sozialismus hilft ja da nicht wirklich. Wie man an der Sowjetunion gesehen hat, war solch Bekenntnis – unter Stalin propagandistisch eingerissen – nichts wert. Man kann es jederzeit austauschen gegen ein anderes Bekenntnis. Das heutige Bekenntnis zum Sozialismus in China fußt auf dem Bekenntnis zu einer kapitalistischen Ökonomie. Sobald der ökonomische Erfolg ins Wanken gerät, gerät wohl auch das Bekenntnis zum »Sozialismus chinesischer Prägung« ins Wanken. Das ist zwar nicht abzusehen, allerdings wäre das dann kaum ein Schritt zu Marx' Kapital-Analyse.
Es war Deng Xiaoping nur in sehr abstrakter Form klar, was ein kapitalistischer Weg zum Sozialismus – so hat er ja die Richtung vorgegeben – alles impliziert². Der Angriff einer kapitalistischen Produktionsweise tangiert ja nicht nur die Ökonomie als solcher. Sie erfaßt den ganzen Menschen. Sie zerstört seine Persönlichkeit, wie er alle Natur zerstört. Gerade heute wird das so offensichtlich, wo der Mensch durch Roboter ersetzt werden soll, seine Begriffsbildung, die Sprache durch »künstliche Intelligenz«. Das auf die Programmierbarkeit reduzierte Individuum existiert ja mittlerweile als solches, als allen Klischees affines Ding, als die komplette austausch- und ersetzbare staatsbürgerliche Charaktermaske, als der Spießer schlechthin. So zugerichtet ist das Individuum und, wie man sieht, ja auch nicht zu knapp in der VR China. Jeder äfft nur noch das nach, was die staatlichen Propagandamaschinen vorsprechen, so sie das überhaupt für angebracht halten (was zumindest dann der Fall ist, wenn jemand aus der Reihe tanzt).
________
¹ » … Dennoch möchte ich betonen, daß wir uns in einem Wettlauf mit der Zeit befinden. Selbst wenn ein Kriegsausbruch verzögert werden kann, dürfen wir nicht nur diese Möglichkeit sondern sollten uns im Gegenteil auch darauf vorbereiten, daß manche Staaten durchaus einen großen Krieg wollen, und zwar bald. Denn die Hegemonisten sind in einer verzweifelten Lage, und niemand kann mit Gewißheit vorhersehen, wann oder wo einige der von ihnen angezettelten kleinen Zwischenfälle einen Krieg auslösen. Selbst wenn ein Weltkrieg verzögert werden kann, sind zufällige und lokale Ereignisse schwer vorherzusagen. …« (Deng Xiaoping, Rede auf der Plenartagung der Militärkommission, 28.12.1977)
² » … Letztes Endes lautet der allgemeine Grundsatz für unseren Wirtschaftsaufbau immer noch so, wie ihn der Vorsitzende Mao formulierte, nämlich, daß wir uns vor allem auf unsere eigenen Kräfte stützen und Hilfe von außen lediglich als Ergänzung betrachten. In welchem Maße wir uns auch nach außen öffnen und ausländisches Kapital zulassen – sein Anteil bleibt gering, und es kann unser System des sozialistischen Gemeineigentums an den Produktionsmitteln nicht beeinträchtigen. Wenn wir Kapital und Technologien aus dem Ausland aufnehmen, ja selbst wenn wir Ausländern erlauben, in China Fabriken zu bauen, so kann das alles doch höchstens eine ergänzende Rolle spielen in unseren Bemühungen um eine Entwicklung der sozialistischen Produktionskräfte. Natürlich werden damit ein paar dekadente kapitalistische Einflüsse nach China hereinkommen. Wir sind uns dieser Möglichkeit bewußt; dafür brauchen wir uns nicht zu fürchten. … (Deng Xiaoping im Interview mit Oriana Fallaci, 21.+23.08.1980)
27.12.2025 © Kommunikation & Kaffee Augsburg
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Die Öffentlichkeit neigt allenthalben dazu, die Politik so zu personalisieren, daß der Staat und dessen Räson einer Beleuchtung gar nicht erst anheimfällt. Dabei machen sich die Politiker an den Prämissen, die der Staat als solcher vorgibt, zu schaffen, sie wollen sie zum Wohle der Nation per (schier uferlosen) Erweiterung des Rechts, der Legitimierung der Gewalt, vorantreiben. Für die Medien dreht sich also alles um den (Miß)Erfolg des Personals an den unterstellten, vorgegebenen Staatsaufgaben. Die regelmäßigen Umfragen bezüglich der Beliebtheit von Politikern sagen da schon alles über den allgemeinen politischen Geisteszustand einer Republik aus.
US-Präsident Trump, wie man so schön sagt, »kommt aus der Wirtschaft«. Das ist heutzutage nichts Besonderes, fast überall in den führenden westlichen Demokratien, versuchen Magnaten des Kapitals auch in der Politik erfolgreich zu sein. Sie wissen um die Abhängigkeit des Kapitals vom Staat. Nur allzu oft stöhnen sie über die Maßregelungen des Klassenstaats, seine Beschränkungen empfinden sie als Zumutung, denn schließlich sind sie es ja, die mit ihren nicht selten riskanten Investitionen für den nationalen Reichtum — den abstrakten, in Geld gemessenen — sorgen. Solch ein Wirtschaftskapitän denkt nur allzu gern darüber nach, wie insbesondere Wirtschaftspolitik besser ginge. Und er neigt dazu, selber besser Politik machen zu können als die augenblicklichen Amtsinhaber.
Vor allem in den USA ist das durchaus eine große Herausforderung, Als Staat mit dem weltweit größten Inlandsprodukt und der Weltreservewährung verfügen die USA über die ökonomischen Mittel, ihre Vormachtstellung gezielt zum eigenen Vorteil einzusetzen: Die Wirtschaft als Quidproquo aller Politik. Dem hat kein Staat — das aufstrebende China ausgenommen — etwas entgegenzusetzen. Dies erlaubt einem Staatsführer allenthalben über die Gründe einer Wirtschaftskrise — vor der auch die Weltmacht Nr. 1 nicht gefeit ist — hinwegzusehen. Stattdessen beschuldigt — im aktuellen Fall — Präsident Trump andere Staaten, unfaire Handelspraktiken gegenüber den USA anzuwenden, die zu dem vorliegenden Zahlungsbilanzdefizit und einer hohen Staatsverschuldung geführt hätten. Daraus folgt zum einen mittels Steuersenkungen das eigene nationale Kapital in eine verbesserte Konkurrenzsituation zu versetzen; zum anderen gegenüber anderen Staaten Zölle als passable Waffe zu erachten, eben zum Schaden derer Wirtschaft. So andere Staaten das nicht auf sich sitzen lassen können — und welcher kann das schon? —, taugt diese Waffe zu Handelsabkommen, die für die USA vorteilhafter ausfallen als bisherige. Daß US-Finanzminister Scott Bessent — auch er kommt selbstverständlich aus der Wirtschaft — die von den erpreßten Partnern zugesagten Investitionen gleich ins Verhältnis zur US-Staatsverschuldung setzt, zeigt, daß man auch als Politiker genau so spekulativ denken kann wie als ganz gemeiner Kapitaleigner oder -manager.
Nun ist Finanz- und Wirtschaftspolitik nicht alles, was den Wirtschaftsstandort, den Staat ausmacht. Schließlich handelt es sich beim Staat um ein Gewaltmonopol, das zum Einsatz kommt, wo ökonomische Maßnahmen nicht ausreichen. Das gilt erst einmal im Lande selber. Dort existieren tatsächlich Leute, die nichts zum Erfolg der Nation beitragen. Dies erscheint einem, der als Wirtschaftsführer schon so viel geleistet hat, geradezu als eine Unverschämtheit. Und deshalb schaut er genauer hin: Er stellt fest, daß es sich zu einem großen Teil um Ausländer handelt, die sich schmarotzender- und verbrecherischerweise im Lande eingenistet haben. Als Politiker sieht er es also als vordringlich an, diesen unökonomischen Ballast wieder loszuwerden und erst recht keinen neuen Ballast dieser Sorte hereinzulassen. Aber auch die untätigen Inländer, die als Obdachlose die amerikanischen Großstädte beleben, sind einem verantwortungsvollen Politiker ein Dorn im Auge. Er läßt die Nationalgarde aufziehen, um zumindest die Innenstädte als Flanier- und Verkaufsmeilen wieder attraktiv zu machen. Vor allem in der international repräsentativen Hauptstadt Washington scheint das ja besonders vordringlich gewesen zu sein.
So manches Ausland allerdings fällt einem Präsidenten nicht weniger unangenehm ins Auge. Da gibt es doch tatsächlich Staaten, die nicht nach der Pfeife des USA tanzen. Deren Staatsführer widersetzen sich allen Vorschlägen, zugunsten der von den USA protegierten, somit einzig demokratischen Opposition abzutreten. Dabei meinen es die USA ja nur gut: Welch supertolle Wirtschaftsbeziehungen stellen die USA auch solchen Staaten in Aussicht. Die USA wissen doch sehr gut, daß es doch auch anders geht: Gerade in Europa bemühen sich doch fast alle, — um es einmal salopp auszudrücken — einen Wohlfühlplatz im Arsch der USA zu finden, der einzige wirkliche Platz an der Sonne. Es ist also sehr frustrierend, wenn ein verantwortungsvoller Staatsmann zum letzten Mittel greifen, sein Militär auffahren lassen muß. Allerdings ist es noch frustrierender, wenn selbst Luftschläge nicht auf Verständnis stoßen, sondern in jenen Staaten eine Verhärtung ihrer Haltung hervorrufen. Nun hat der Präsident schon in seiner ersten Amtszeit ein erstes Exempel mit einem massiven Luftschlag gegen Syrien (am 07.04.'17 mit 59 Tomahawk Cruise Missiles) gezeigt. Auch wenn der Erfolg nicht unmittelbar eintrat, so konnte der US-Präsident in seiner zweiten Amtszeit den Erfolg begrüßen, in Person von al-Julani, den vormals als Terrorist gesuchten Führer von al-Qaida-Ableger Hayat Tahrir al-Sham (HTS), nun Präsident Syriens, welchem Trump die Ehre erwies, ihn im Weißen Haus zu empfangen.
Dieses Erfolgsrezept sieht sich der Präsident gezwungen, auch in seiner zweiten Amtszeit anzuwenden: Die Luftschläge gegen den Jemen und den Iran haben demonstriert, zu welchen Schäden der dort ansässigen Bevölkerung eine falsche Herrschaft gereicht. [Bei einer Ehrung beteiligter Militärs (am 29.22.'25) rühmte sich Trump, obschon der Schlag gegen den Iran seit 22 Jahren vorbereitet worden war, habe er ihn endlich ausführen lassen.] Noch freilich haben es weder die Huthis noch die Perser verstanden. So stellt sich die Frage, ob die USA da noch nachlegen müssen. Im Irak hat ja seinerzeit der Sohn George W. Bush das nachgeholt, was sein Vater George H.W. Bush als Präsident noch offen gelassen hat: Nämlich den Wechsel an der Staatsführung und damit in der Staatsräson des Irak zu erreichen. Die damalige Begründung des Krieges, es handele sich um einen Staat mit Massenvernichtungswaffen, die einem so unzuverlässigen nicht zustehen, flog erst dann in vollem medialen Umfang als Lüge auf, als der Erfolg schon sichergestellt war.
Einen Wechsel in der Staatsführung zugunsten der USA fordern diese seit langem auch in Venezuela. Die Sanktionen gegen diesen Staat — Trump hatte 2017 die staatliche Erdölgesellschaft Petróleos de Venezuela S.A. sanktioniert — haben noch nicht zu einem Erfolg geführt, was doppelt ärgerlich ist, weil Venezuela den USA das — so sehen sie es — hauptsächlich ihnen zustehende Erdöl verweigern und damit auch für die als für zu hoch empfundenen Energiekosten verantwortlich sind. Auch wenn die Regierung in Caracas über Handelsfragen nach eigenem Bekunden mit sich reden läßt, soll sich der Erfolg endlich viel grundsätzlicher und gründlicher einstellen. Doch wer glaubt, die USA befänden sich darüber in einer Verlegenheit, täuscht sich. Was liegt näher, als einem südamerikanischen Staat vorzuwerfen, die USA mit Drogen destabilisieren zu wollen? Und so ließ Trump seine Armada vor Venezuela aufkreuzen. Und sie hat sogleich einige mutmaßliche Drogenboote versenkt, so daß der Präsident einen Rückgang des Drogenimports über die Karibik von 85% konstatieren konnte (am 28.11.'25) — wahrscheinlich hat er einfach die Zahl der dabei Getöteten, die sich auf ungefähr 85 belief, dafür hergenommen. Damit ist er freilich nicht zufrieden. Ein ökonomisch Denkender macht ja nichts unter 100%, bevor er seine Mission als erfüllt ansieht. Das bedeutet, daß die Armada noch ein ganzes Weilchen vor Venezuela bleiben muß. Solange jedenfalls, bis die CIA, die den Befehl erhalten hat, im Feindeslande selbst nach Zielen zu suchen, Bescheid geben kann, was wiederum heißt, daß dann ein Befehl zum Einsatz der Streitkräfte erfolgen kann. Es sei denn, Präsident Maduro überlegt sich das noch einmal anders und tritt ab. Er hat also noch eine Galgenfrist (Stand: 30.11.'25). Allerdings ist die auch noch durch einen anderen unglücklichen Umstand bedingt. Kaum jemand — weder in den USA noch sonstwo auf der Welt — nimmt der US-Regierung die Lüge ab, es handle sich bei Venezuela um einen Drogenhändlerstaat. Doch auch da setzen die USA alles auf eine Karte. Und die hieß in diesem Falle »Friedensnobelpreis«. Mit dieser carte blanche wurde bekanntlich eine venezuelanische US-Vasallin beglückt. Da konnten die staatshörigen Medien des freien Westens kaum umhin, dies zu begrüßen. Der US-Aufmarsch gilt nun als legitime Bekräftigung einer Kriegsnobelpreisträgerin (angepaßte Bezeichnung à la »Kriegsministerium«). Wie Venezuela so haben die USA mit Nigeria ein weiteres wichtiges Ölförderland ins Visier genommen und zwar unter der verlogenen Anschuldigung, die dortige Regierung würde die christliche Bevölkerung gegen terroristische Übergriffe der islamischen Fundamentalistenmiliz Boko Haram nicht zu schützen wissen.
Im übrigen weist auch der Ukraine-Krieg darauf hin, daß die USA alle Gewalt unter ökonomischen Gesichtspunkten betrachten: Der Vorwurf, dieser Krieg sei allein der Vorgängerregierung unter Biden geschuldet, heißt ja im Klartext: Alle Mittel für diesen Krieg seien umsonst aufgewandt worden, da sich der Erfolg nicht eingestellt hat. So etwas kann selbstverständlich einem Trump nicht passieren! Das ist ihm Grund genug, sich dieses Krieges entledigen zu wollen. Den hatte er in seiner ersten Amtsperiode mit einer drastischen Aufrüstung des antirussischen Vasallenstaates eingeleitet.
Kleiner Zusatz:
Eine Meinung, die man immer wieder hört, ist, Trump sei ein Faschist. Auch der sich selbst als »demokratischer Sozialist« bezeichnende, frisch gewählte Bürgermeister von New York, Zohran Mamdani nannte ihn so. An dieser Stelle sei ein Vergleich erlaubt: Wie gesagt, Trump kommt aus der Wirtschaft, ein gemachter Mann mit viel Geld. Hitler hingegen entstammte dem Subproletariat; aus purer Not verpflichtete er sich bei der Wehrmacht und entwickelte ein positives, völlig unökonomisches Verhältnis zur staatlichen Gewalt. Deshalb setzte er sich, als er Kanzler geworden war, auch vorsätzlich über alle ökonomischen Belange hinweg und schlug ganz unmittelbar den Weg der Gewalt ein. Im weiteren Verlauf seiner Politik verfolgte er diesen umso intensiver, je weniger der ökonomisch rationell war. Viel eher als Trump haben sich in dieser Hinsicht Bundeskanzler Merz, der bekanntlich ja auch aus der Wirtschaft kommt, und sein Vorgänger Scholz auf diesen Pfad begeben. [Das soll jetzt nicht heißen, ein Reicher könne kein Faschist werden und ein Elender wäre prädestiniert, Faschist zu werden.]
30.11.2025 © Kommunikation & Kaffee Augsburg
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Weltgeld: Der Widerspruch einer gewaltsam durchgesetzten nationalen Ökonomie
Die Dedollarisierung, die voranschreitet und welche die Mainstreammedien vergeblich in den Hintergrund zu drücken, herunterzuspielen versuchen, macht den Widerspruch deutlich zwischen einem nationalen Geld, einer Währung, die gleichzeitig eine internationale Währung ist, also Weltgeld. Diesen Anspruch, Weltgeld zu sein, konnte die USA in Folge des 2. Weltkriegs durchsetzen und mit ihrer überlegenen Militärmacht, die dafür weltweit auf- und ausgebaut wurde, etablieren und bis heute erhalten. Wenn heute diese dominante Stellung des US-Dollars in Frage gestellt ist, ist es durchaus wichtig zu wissen, wie es dazu kommen konnte. Und vor allem, welche Vorteile dem us-amerikanischen Staat erwachsen waren, die er heute unter Führung von Präsident Trump zu verteidigen beabsichtigt, mit Zöllen, mit Sanktionen, mit neuen Kriegen, mannigfarbigen Regierungsumstürzen sowie milliardenschwerem Durchfüttern von Vasallenregierungen (wie zuletzt in Argentinien). Es versteht sich von selber, daß diese Anfechtung der US-Dominanz von Staaten und deren Bevölkerung kommt, die unter dem US-Imperialismus gelitten haben und dieser Misere überdrüssig geworden sind. So ist auch der Aufstieg des BRICS-Blocks zu verstehen, dessen Mitglieder angetreten sind, die US-Währung konsequent aus dem Welthandel zurückzudrängen.
Michael Hudson, unter anderem Professor für politische Ökonomie in den USA, hat die Geschichte des US-Finanzimperialismus aufgeschrieben und erläutert, aufgrund welcher Ansprüche und mit welchen Berechnungen die USA den dafür anfallenden Notwendigkeiten entsprachen.
Die einzelnen Kapitel:
1. Ursprünge der zwischenstaatlichen Schulden (1917-1921)
2. Der Zusammenbruch des globalen Gleichgewichts (1921-1933)
3. Die Vereinigten Staaten verschmähen die globale Führungsrolle
4. Das Leih-Pacht-System und der Zerfall des britischen Weltreichs (1941-1945)
5. Bretton Woods: Der Triumf des staatlichen amerikanischen Finanzkapitals
6. Der kommunistische Block wird isoliert
7. Die amerikanische Strategie in der Weltbank
8. Der Imperialismus der US-Auslandshilfe
9. GATT und der doppelte Standard
10. Die Vorherrschaft des Dollars durch den IWF (1945-1946)
11. Wie Amerika seine Kriege mit den Finanzmitteln anderer Staaten finanzierte (1964-1968)
12. Macht durch Bankrott (1968-1970)
13. Das Imperium durch eine Währungskrise vervollkommnen (1970-1972)
14. Die monetäre Frühjahrsoffensive von 1973
16.11.2025
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