BRD-Inland

deutsche Genozide, deutsches Denken

koka

 

Deutsche Genozide, deutsches Denken
 

Deutsche Politiker verurteilen keineswegs Genozide¹, ja sie rechtfertigen Genozide, den Israels in Gaza, im Westjordanland und im Libanon unentwegt. Unter dem Titel der Bekämpfung des Antisemitismus und unter dem Titel der Bekämpfung des Terrorismus. Dabei wird der Terrorismus Israels als ganz normal, geradezu als zivile Angelegenheit unterstellt. Dieser aber ist der Grund dafür, daß sich Palästinenser bewaffnet haben und verzweifelt Widerstand leisten. Der deutsche Rassismus allerdings wird in all seiner Parteinahme seit dem Kaiserreich unverwüstlich aufrecht erhalten.

Die Herero und Nama und andere Stämme wurden damals (1904-1908) von den Deutschen, die sich Namibia als Kolonie unter den Nagel gerissen hatten wie Vieh abgeschlachtet, ohne daß der deutsche Staat sich je dazu herabließ, Entschädigungen zu leisten. Gequält vorgebrachte Entschuldigungen hatten allein den Zweck, das Land weiter ausbeuten zu können. War es früher die Landwirtschaft, so sind es heute andere Schätze – Uran, Gold, Kupfer, Diamanten –, die der deutschen Wirtschaft billigst zugeschlagen werden sollen.

Auch den Genozid der deutschen Faschisten freilich stellen deutsche Politiker im allgemeinen nicht in Abrede, schließlich leiden sie unter dessen Beschmutzung des deutschen Nationalismus, auf den sie nunmal ja große Stücke halten können wollen. Gleichsam im Gegenzug dazu rechtfertigt der deutsche Nationalismus den Genozid und die Blut- & Bodenpolitik der israelischen Faschisten, der Zionisten. Man sieht, die Deutschen, die so denken – und das sind die politischen Tonangeber –, stehen der eigenen deutschen Geschichte nur zum Schein kritisch gegenüber. Ansonsten würden sie den ideologischen Zusammenhang erkennen, erkennen wie sich Antisemitismus buchstabiert und wie er verwertet wird: Das, was die Faschisten den Juden vorwarfen, war, ihr Menschenschlag wäre nicht fähig, einen Staat zu bilden, weshalb sie sich als Parasiten in den Volkskörpern anderer Staaten zu deren Schädigung betätigen würden. Dieses Parasitentum wollten die Faschisten ausmerzen und haben ungezählte Juden gequält und ermordet. Allerdings hatten sie einigen Juden beizeiten die Ausreise ermöglicht, nämlich denen, die sich selbst als Zionisten bezeichneten. Die nämlich haben sich die deutsch-faschistische Kritik zu eigen gemacht und wollten beweisen, daß sie doch einen Staat bilden können. Diesen Beweis traten sie dann – vor allem mit Hilfe Großbritanniens – dann in Palästina an, das sie einfach besetzten, als gehöre es ihnen. Ein Projekt, bei dem sie – dem deutschen Vorbild folgend – es an blutrünstiger Brutalität gegenüber den Einheimischen bis heute nicht fehlen lassen.²
Ebenso existiert die Vorstellung der Notwendigkeit eines permanenten Krieges inbegriffen der Konzentrationslager, eine Vorstellung, deren Realisierung Hitler & Co. inspirierend vor- und Netanjahu & Co. so gelehrig nachgeahmt haben, weiter in den Köpfen der deutschen Entscheidungsträger samt ihrer medialen Meinungsmacher. Alle die, welche glauben, Palästinenser und Juden könnten friedlich zusammenleben, haben die Rechnung ohne die Zionisten und die deutschen Antisemitismusheuchler gemacht. Praktischen Niederschlag findet das in der BRD einerseits in der vorbehaltlosen Förderung und Propagierung Israels als Staat samt dessen zionistischer Staatsräson, andrerseits im Versuch, alle Israelkritik totzuschlagen. Mit einem Genozid einen anderen rechtfertigen – eine echt reife Leistung eines fortentwickelten elitären deutschen Akademikertums!

Kurzum, von Kaiser Wilhelm II. und Hitler zu heute zieht sich eine unverbrüchliche Linie. Der deutsche Völkermord im 2. Weltkrieg wird ja offenkundig allein deshalb betrauert, weil Deutschland den 2. Weltkrieg verloren hat. Die heutige deutsche Politik dafür ist der beste Beweis. Oder warum sonst schreckt die Bundesregierung vor einer Distanzierung und Verurteilung des israelischen Völkermordes zurück?
Abgesehen von der Rechtfertigung des Zionismus wirkt das damalige Denken auch weiter in der nach wie vor aufrechterhaltenen Feindschaft zu Rußland – die in der Etablierung und Unterstützung des Bandera-Faschisten-Regimes in Kiew einen neuen Höhepunkt erfahren hat.³ Kaum minder in der nicht immer dosierten, aber immer währenden Kritik an den USA: Ein eingefleischter Antiamerikanismus geht durchaus zusammen mit einer berechnenden Haltung gegenüber der US-Regierung. Es ist zu konstatieren, daß das dem US-Präsidenten durchaus schon aufgefallen ist. Er nimmt nicht zuletzt deshalb verständlicherweise wenig Rücksicht auf deutsche Belange, wenn überhaupt, warum sollte er.

Israel ist – nicht minder als die Bandera-Ukraine gegenüber Rußland – eine gewollte Provokation des »freien Westens« gegenüber der arabisch-muslimischen Welt. Daß der Staat Israel auch noch ein Beitrag zum Antifaschismus des heutigen deutschen Staates sein soll, ist ein Witz. So verquer denken sich die Machthaber eben ihre Welt zurecht. Eine Klapsmühle ist nichts dagegen. Naja, Krieg, staatliche Gewalt entbehrt ja nicht der Rechtfertigung, weder damals noch heute.
______________

¹ Genozide sind im Grunde völlig unökonomische, rein ideologisch begründete Angelegenheiten. Die kapitalistische Produktionsweise fordert Millionen von Opfern; deren gewissermaßen stummen Opfer werden als selbstverständlich hinzunehmende nicht weiter gewürdigt. Ganz im Gegensatz zu den außerhalb dieser Normalität anfallenden Opfer der Völkermorde. Mit der Würdigung dieser Opfer freilich hat es so seine Bewandtnis.
² siehe hierzu:
Die Logik der Ausrottung
³ Dabei mögen anfänglich ökonomische Ansprüche durchaus eine bedeutende Rolle gespielt haben – die Verwertung von Land und Leuten in einer erweiterten EU unter deutscher Führung. Diese haben in typisch deutscher Arroganz die russischen Interessen und die Interessen der russischsprachigen und rußlandorientierten Bevölkerung in der Ukraine vorsätzlich ignoriert. Mittlerweile ist an einen ökonomischen Profit nicht mehr auch nur ansatzweise zu denken, ganz im Gegenteil, die Kosten des Stellvertreterkrieges in all seinen Auswirkungen haben nichts als eine Belastung der deutschen Wirtschaft hervorgebracht und auch künftig ist nicht ansatzweise ein Gewinn zu erzielen. Übrig geblieben ist ein rein ideologisch festgezurrter Kampfauftrag gegen Rußland, dem sich »die Wirtschaft« bedingungslos zu fügen hat. Diese kommt dem zu ihrem eigenen Schaden nach.
 

21.04.2026 © Kommunikation & Kaffee Augsburg
www.koka-augsburg.net
Feedback: info@koka-augsburg.com

bluete

Der Gesundheitswahn und sein -wesen

koka

 

Der Gesundheitswahn und sein -wesen
 

Die Gesundheit – was ist das denn? Irgendwie ist das das Gegenteil von Krankheit. Also wie krank müssen die Mitglieder einer Gesellschaft sein, wenn dauernd von Gesundheit geredet wird und an sie gedacht werden soll? Selbst gesunde Menschen sollen ja dauernd an ihre Gesundheit denken. Sie sind, so sie nicht viel Geld haben und das nicht müssen, zwangsweise zur Finanzierung der Krankenkassen verpflichtet, gleich automatisch per Lohn- oder Rentenabzug. Krankenkassen, die sich mittlerweile Gesundheitskassen nennen!
Was ist da los?
Schauen wir uns den Menschen mal biologisch an. Im Laufe seines Lebens baut er ab, das ist ziemlich natürlich. Seine Lebenskräfte bauen natürlich schneller ab, wenn er kapitalistischer Ausbeutung unterworfen ist. Wie sollte es auch anders sein. Das, was Marx über Maschinerie [Das Kapital, Bd. 1, Kap. 13] feststellt, läßt sich auch vom Menschen sagen: Er verschleißt durch Gebrauch, durch Nichtgebrauch und das, was er »moralischen Verschleiß« nennt. Gebrauch ist gleich Verbrauch, gerade im Kapitalismus: Ausbeutung der Arbeitskraft. Nichtgebrauch macht das Sprichwort deutlich: Wer rastet, der rostet. Anders ausgedrückt, wer keine eigenen Interessen entwickelt, auch nicht sich anderen Interessen dienstbar macht, vielmehr nur auf der faulen Haut liegt – was unter kapitalistischen Verhältnissen nicht zulässig ist und sanktioniert wird – der verkümmert schlechthin. Der »moralische Verschleiß« besteht darin, daß die körperliche Leistungsfähigkeit im Laufe des Lebens nachläßt. Ein Alter kann nicht mehr so schnell laufen wie ein Junger, nicht mehr so flink arbeiten wie ein Junger. Das fällt insbesondere in der kapitalistischen Arbeitswelt ins Gewicht. Da erhält eher ein Junger einen Arbeitsplatz als einer, der verpflichtet ist oder aus purer Not gezwungen ist, auch jenseits der 60 seine Arbeitskraft zu verkaufen. 
An dieser Stelle wird schon deutlich, daß die kapitalistische Wirtschaftsweise rücksichtslos gegen den menschlichen Organismus arbeitet. Anders ausgedrückt, daß dieses auf staatlicher Gewalt beruhende gesellschaftliche Programm die Menschen krank macht und unvermeidbar krank machen muß. Dieses Programm erfordert aber auf der anderen Seite, daß die Menschen nicht einfach als Aus- und Abfall abgeschrieben werden können und sollen. Das heißt, die Kranken müssen wieder hergestellt werden, zumindest soweit, so daß sie der Gesellschaft weiterhin nützlich sein können. Aber das ist noch nicht alles. Jetzt kommt der Zynismus des Staates und seiner diesbezüglichen Unterstellen (Krankenkassen, Krankenhäuser, Ärzte, Farmaindustrie) ins Spiel: Den Menschen wird erklärt, es liege zum Gutteil, wenn nicht überhaupt an ihnen selber, daß sie krank werden und schließlich krank vorzeitig sterben. Sie sollen doch gefälligst »gesund leben«! Dafür sollen sie einiges tun. Und der Gipfel des Zynismus ist, (noch) nicht kranken Menschen vorbeugende Untersuchungen anzubieten – Krebs kann ja jeder kriegen, »weil« statistisch gesehen es ja sehr viele kriegen! Eine wirklich absurde Begründung! – und auch jede Menge Zusatzversicherungen. Auf alle Fälle wird versucht, den Menschen auf solche Weisen, Angst zu machen und jede Menge Geld aus der Tasche zu ziehen. Allein der psychische Druck, der mit solch üblich gewordenen Kampagnen erzeugt wird, muß die Menschen kränker machen als sie vielleicht ohnehin schon sind. 
Der kapitalistische Staat leistet sich ein schier uferloses Gesundheitssystem, einerseits aus der Notwendigkeit heraus, die Menschen weiterhin verschleißbar zu halten, andrerseits natürlich nicht minder, weil darauf ein wahnsinnig weitläufiges System der Geschäftemacherei aufbaut. Die Speichellecker dieses Geschäftswesens finden sich ganz von selber: die Krankenkassen, Ärzte, die zur High-Society gehören wollen, und auch ganz normale Angestellte des Staates, die mit Gesundheitspolitik und angrenzenden Bereichen befaßt sind. 

Nicht vergessen, daß dieses ganze Gesums, das um das Thema gemacht wird, breitesten Gesprächsraum in allen Schichten der Gesellschaft einnimmt. Keiner wagt, Schluß! zu sagen, wenn jemand wieder damit anfängt, über das allenthalben zum »Problem« aufgeblasene Thema zu reden. Ganz abgesehen von dieser gesellschaftlich breitgetretenen Diskussion, braucht es auch niemand zu interessieren, wie krank man selber ist oder andere es sind. Warum unterhält man sich nicht darüber, was Spaß macht. Oder gibt es kaum noch etwas, was einem Spaß macht?? 
Es wird wohl so sein, daß man in einer kapitalistischen Gesellschaft tendenziell immer weniger zu lachen hat! Und da braucht man noch gar nicht daran zu denken, wenn die ge- und erwählte Obrigkeit einen Übergang zum Krieg für geboten hält!

Wer sich zum Thema ein Buch zumuten will, dem sei dieses empfohlen: Gesundheit und sein Preis
 

19.03.2026 © Kommunikation & Kaffee Augsburg
www.koka-augsburg.net
Feedback: info@koka-augsburg.com

bluete

FCAS und die deutsche Arbeitfront 2.0

koka

 

FCAS und die deutsche Arbeitsfront 2.0
 

Das Zukunftsprojekt Future Combat Air System (FCAS)¹, ein Gemeinschaftsprojekt von Frankreich, Deutschland und Spanien steht vor dem Aus: Streitigkeiten zwischen den Staaten seien, wie es hieß, nicht mehr auszuräumen. Das ist eine gute Nachricht für all die friedliebenden Menschen in all diesen Staaten und in allen anderen ebenso – und zwar einerlei worin diese Nachricht begründet ist. Denn der gewöhnlich friedliebende Mensch leidet sehr darunter, den kriegsträchtigen Machenschaften seiner jeweiligen Obrigkeit ohnmächtig ausgeliefert zu sein.
Nun gehören ausgerechnet die Funktionäre der Arbeiterschaft, die Gewerkschaften, offenkundig nicht zu diesen friedliebenden Menschen. Die IG Metall hat sowohl in Augsburg wie in Manching dazu aufgerufen, mit Staatshilfe einen Neustart dieses Rüstungsprojekts auf den Weg zu bringen. Ihr Argument dabei ist wie immer: »Arbeitsplätze«. Von diesen hängt das Einkommen der Beschäftigen ab, auf deren Ausbeutung beruht der Profit des Kapital und darüber hinaus hängt auch die Existenz einer Gewerkschaft und ihrer sich an den Mitgliedsbeiträgen der Beschäftigten sich satt bedienenden Funktionäre ab. 
Diesen Funktionären ist völlig klar, daß Rüstungsprojekte vom Staat abhängen. Sie scheuen sich deshalb nicht, vor den Politikern auf die Kniee zu fallen, um »Arbeitsplätze« bettelnd. Dafür wissen sie auch ihre Mitglieder zu Demonstrationen zu veranlassen, Mitglieder, die daran gewöhnt wurden, ihrer Gewerkschaft unbesehen zu folgen, wie eine Schafherde dem Leithammel. Und das obwohl jeder im Grunde weiß, daß eine kapitalistische Wirtschaftsordnung ihm sowieso nie etwas anderes anzubieten hat als die geniale Alternative zwischen Ausbeutung² und Arbeitslosigkeit. Und daß es außerdem völlig zwecklos ist, sich um die Perspektive einer Firma Gedanken zu machen, denn auf deren Wohl und Wehe hat auch die Gewerkschaft keinen Einfluß. Der beste Beweis dafür ist der, daß sie immer so tun muß, als hätte sie einen. Das gleiche gilt für den Einfluß auf die Politik. Ihre Funktionäre, die in die Politik eingestiegen sind und als Abgeordnete in den Parlamenten hocken, gehen mit den nationalen Entscheidungen konform. 

Hier was die IG Metall anläßlich ihrer »Aktionstage« veröffentlicht hat:
»Die Beschäftigten von Airbus Aerostructures in Augsburg haben sich deutlich für die Fortführung und Neuausrichtung des europäischen Luftkampfsystems FCAS ausgesprochen. Bei einer Aktion im Werksteil in der Weddigenstraße machten sie unter dem Motto „FCAS – aber besser!“ auf die Bedeutung des Projekts für die langfristige Sicherung ihrer Arbeitsplätze aufmerksam.
Hintergrund ist der seit einem Jahr andauernde Stillstand im Projekt, verursacht durch Streitigkeiten zwischen den beteiligten Ländern und Unternehmen. IG Metall und BDLI [Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie] sprechen sich deshalb für einen Neustart aus, bei dem im Rahmen von FCAS zwei Flugzeuge entwickelt werden sollen – eines davon unter deutscher Federführung.
IG Metall-Geschäftsführerin Ferdije Rrecaj betonte, daß FCAS auch in Augsburg Arbeitsplätze sichern könne, „dafür braucht es jetzt einen Neustart“. Auch Betriebsratsvorsitzender Sebastian Kunzendorf [Airbus Aerostructures] unterstrich die Bedeutung des Projekts für den Standort und warnte davor, daß deutsche Steuermittel ohne klare Ausrichtung zu einem Abwandern von Technologie und Arbeitsplätzen führen könnten.«
(Augsburg, 05.03.2026)
»Das milliardenschwere Luftkampfsystem FCAS droht an Streitigkeiten zwischen Frankreich und Deutschland zu scheitern. Die Beschäftigen von Airbus in Manching fürchten mittelfristig um ihre Jobs. Sie fordern Politik und beteiligte Unternehmen auf, das gesamte Projekt auf neue Füße zu stellen, um so auch die Arbeitsplätze vor Ort zu sichern. Bei einer Kundgebung am Standort unterstrichen knapp 4000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lautstark diese Forderung unter dem Motto „FCAS – aber besser!“. Die Veranstaltung am größten Standort der militärischen Luftfahrtindustrie in Deutschland ist der Höhepunkt des gleichnamigen Aktionstages, ausgerufen von der IG Metall gemeinsam mit dem BDLI. Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter betonten gemeinsam die Dringlichkeit einer Entscheidung der Bundesregierung. Thomas Pretzl, Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei Airbus Defence and Space, rief Bundeskanzler Merz auf, das Drama mit Dassault endlich zu beenden. Er forderte gleichzeitig den Startschuß für ein neues Kampfflugzeug und betonte die Bereitschaft der Airbus Belegschaft: Die Bundesregierung muß die Lufthoheit über Deutschland gewährleisten. Unabhängig von den Launen der US-Politik, unabhängig von den Launen eines französischen Flugzeugherstellers. Das nennen wir Souveränität. Heute geschieht das durch den Eurofighter morgen durch seinen Nachfolger. Wir stehen bereit!“« (Manching, 05.03.2026)
Des weiteren wurden ein CEO von Airbus, die Hauptgeschäftsführerin vom BDLI, der Leiter der bayerischen Staatskanzlei (CSU) und natürlich der stellvertretende Chef der IGM, Jürgen Kerner, im gleichen Sinne zitiert: Für eine Deutsche Arbeitsfont (DAF) braucht es sichtlich keine Nazis!

 

Nicht nur, aber gerade wenn es um Rüstungsprojekte geht, sind »Arbeitsplätze« überhaupt kein Argument. Da geht es um nationale Interessen schlechthin. Da spielen allein die Machtambitionen des Staates eine Rolle. Wenn das mit dem deutsch-französischen Imperialismus-Projekt EU kombiniert werden kann und dieses Projekt damit vorangebracht wird, umso besser. Wenn nicht, dann ist das auch kein Beinbruch, schließlich gibt es Alternativen wie zum Beispiel den Kauf von US-Kampfflugzeugen. Klar, im Grunde möchte sich der weltmachtambitionierte deutsche Staat von der militärischen Abhängigkeit von den USA lösen. Genau darauf pocht die IGM, wenn sie das nationale Aufrüstungsprogramm voranbringen will und dem deutschen Staat dafür seine für arbeitswütig erachteten Mitglieder anpreist. Der Nationalismus der IG Metall löst sich vom EU-Projekt und buchstabiert sich rein deutsch!³

Zum größeren Rahmen des Themas Weltpolitik und Gewerkschaft siehe die Zeitschrift GegenStandpunkt 1-2026.
________________________________

¹ Future Combat Air System (FCAS), dt. etwa: Zukünftiges Luftkampfsystem, frz. Système de combat aérien du futur (SCAF), ist ein deutsch-französisch-spanisches Programm zur Entwicklung eines fliegenden Waffensystems der nächsten Generation (Next Generation Weapon System, NGWS), bestehend aus einem optional unbemannt einsetzbaren Mehrzweckkampfflugzeug der sechsten Generation (New Generation Fighter), unbemannten Begleitflugzeugen (Remote Carrier) sowie neuen Waffen und Kommunikationssystemen.
Bei der deutschen Luftwaffe soll es ab etwa 2040 den Eurofighter Typhoon (und ggf. später auch den Tornado-Nachfolger, die F-35) ersetzen, bei den französischen Luftstreitkräften die Rafale. Die beteiligten Unternehmen sind Dassault Aviation, Airbus Defence and Space und Indra Sistemas. Ein Prototyp soll im Jahr 2028 fertig sein.
Vorgesehen ist ein integriertes System, das Drohnen, Kampfflugzeuge, Satelliten sowie Kommando- und Kontrollflugzeuge verbindet. Die benötigte Technologie soll, nach Aussage von Dirk Hoke (ehem. CEO von Airbus Defence and Space), mehrheitlich in Europa entwickelt werden. Zusätzlich wird laut Hoke eine hohe Autarkie von den USA angestrebt. Vor allem regulierte Güter nach US-Richtlinie ITAR (International Traffic in Arms Regulations) sollen gemieden werden. Als Kampfflugzeug der sechsten Generation soll es mit Tarnkappentechnik, einem adaptiven Vielseitigkeitstriebwerk (ADVENT), Netzwerkfähigkeit ausgerüstet sein, möglicherweise auch mit Cyberkriegfähigkeiten und mit Energiewaffen. Das Triebwerk „New Generation Fighter Engine“ wird vom Gemeinschaftsunternehmen EUMET (European Military Engine Team) entwickelt. (nach wikipedia.de)
² Davon, daß der produzierte Reichtum auf dem Teil der Arbeitsleistung beruht, den ein Unternehmen nicht entlohnt, das nennt man Ausbeutung. Davon will eine Gewerkschaft nichts wissen, das entzöge ihr ja auch die Geschäftsgrundlage, die Verwaltung der arbeitenden Manövriermasse. 
³ Gerade in der Rüstungsfrage offenbart die IGM selber, daß sie die Grundlage für all die EU-Kritiker von rechtsaußen ist. 

17.03.2026 © Kommunikation & Kaffee Augsburg
www.koka-augsburg.net
Feedback: info@koka-augsburg.com

bluete

Bildungspolitik zur Faschismus-Verhinderung?

koka

 

Kann Bildungspolitik den Faschismus verhindern?
 

Offenkundig eine Frage, die gerade junge Leute bewegt, denn sie wurde von ihnen hier in Augsburg anläßlich einer Bildungsdiskussion gestellt. 
Ob es sich dabei um die etablierte oder eine zu verbessernde bzw. zu veränderte Bildungspolitik handelt, sei einmal dahin gestellt. Zunächst einmal: Der Staat hat seine Schulen und Ausbildungsstätten nicht mit dem Zweck, den Faschismus zu bekämpfen, eingerichtet. Das Bildungssystem taugt dazu, die jungen Menschen auf und für das Berufsleben vorzubereiten. Dafür werden sie selektiert und sortiert – nach Schularten und Benotungen. Dabei versteht es sich für den Staat ganz von selbst, daß die jungen Leute sich dazu positiv zu verhalten haben, denn ihr weiteres Leben hängt schwer davon ab, einen Beruf abzubekommen, der jedem von ihnen die existenziellen Sorgen zu nehmen hat. Dabei ist unterstellt, daß man als Arbeitsloser im Grunde kein Recht auf Leben hat: Der Wert des Lebens also ohne Beruf und damit verbundenem Einkommen also gegen Null geht, da mag in der Verfassung die Unantastbarkeit der Menschenwürde ganz vorne stehen, egal.¹ Mit einem Beruf ist man dann schließlich ein Zahnrädchen in der famosen kapitalistischen Gesellschaft, entweder als Staatsdiener und damit als unmittelbare Manövriermasse des Staates selber, oder als Verwertungsmasse des Kapitals, als Arbeiter in einem Betrieb, auch als aus- oder vorgelagerter Arbeiter. Hat ein Individuum einmal als solches Zahnrädchen sein Leben eingerichtet, gilt sein besonderer Dank dafür dem Staat, der einem diese Möglichkeit, diese Wahnsinnschance geboten hat. So ist es eben für den Staat selbstverständlich, daß es sich nicht gehört, über eine alternative Staatsräson nachzudenken, schon gleich nicht über eine, die sich in seinen Augen dermaßen moralisch diskreditiert hat, daß sie schon aufgrund dessen den Weltkrieg verlieren mußte. 
Kurzum, die deutsche Bildungspolitik war nicht darauf gefaßt, daß eine Nazi-Partei wie die AfD sich in einer als ziemlich aller Kritik enthobenen Gesellschaft etabliert, schon gleich nicht in der Ostzone, die ja besonders dankbar dafür sein soll und muß, nunmehr zur Bundesrepublik zu gehören, also dahin, wo ihre Bewohner ja zuhauf hin wollten²; gleichfalls gehört es sich, dankbar zu sein, für die, welche aus Osteuropa und den Ländern der früheren Sowjetunion zugezogen sind³. 
Nun gibt es diesbezüglich eine Kritik des Staates selber: Er zeiht sich eines Versäumnisses: Er habe bei der Bildung es an genügender Agitation für den Staat und seine verfassungsmäßig niedergelegte Räson fehlen lassen. Das Bundesland Bayern, seit Jahren von einer Partei regiert, die eine Abgrenzung nach rechts nie so genau genommen hat⁴, hat den Schulen eine Verfassungsviertelstunde verordnet. Offenbar glaubt eine dogmatisch veranlagte Landesregierung, ein dermaßen eingehämmertes Glaubensbekenntnis zur etablierten Staatsräson verfehle nicht seine Wirkung. Fragt sich bloß, ob die AfD-Wähler, die ja zu einem nicht unbeträchtlichen Teil der CSU selber entstammen, auf diese Weise wieder eingesammelt werden. Denn jene Wähler sind ja weit überwiegend längst dem Schulalter entwachsen. Und nicht nur das: Die Nazis von heute sehen sich ja selber auf dem Boden der Verfassung, für die sie agitiert werden. Nebenbei bemerkt: Hitler ließ sich auf die Weimarer Verfassung vereidigen, die er selber dann gehörig transformiert hat. Der heutige Staat hält jener deshalb »Konstruktionsfehler« vor; dergleichen möchte er sich selber nicht vorwerfen lassen. 

So waren die Meinungen bei der eingangs erwähnten Diskussion sehr geteilt darüber, ob und wie Bildungspolitik den Faschismus verhindern kann oder könnte. Der Gedanke, ein in politisch-historischer Hinsicht verbesserter Unterricht könnte dazu beitragen, mutet an, fast zu schön zu sein, um ihn glauben zu können. Gerade die Ära des Faschismus nimmt ja auch breiten Raum im Geschichtsunterricht ein, ohne daß daraus ein Begriff jener Ideologie sich herauskristallisieren ließe, mit dem man eine Diskussion bestreiten, Faschisten widerlegen könnte. Das Einzige, was ein schulpflichtmäßiger Besuch etwa im KZ Dachau leistet, ist ja die absolute Verwerflichkeit faschistischer Politik zu zeigen und ebensolche der AfD ohne weiteres Argument nachzusagen.
Auf diese Weise, mit dem Zeigen des Grauens läßt sich allerdings nicht begründen, daß eine radikalisierte nationale Einstellung in ihrer Konsequenz ein Genozid nach sich zieht; das ist ja durchaus keine singuläre Erscheinung, ganz aktuell beispielsweise ja von den Zionisten in Gaza, Palästina und im Libanon seit Jahr und Tag vorgeführt. Aber genau diese Begründung aus dem Nationalismus heraus vermeidet eine Bildungspolitik. Denn damit gäbe sie ja mit ihrem (nicht ganz so radikalen bzw. jedenfalls nicht in dieser Form radikalen) Nationalismus zu, selber den besten Nährboden für den Faschismus abzugeben.

Ja, gebildete Menschen sehen immerzu bessere Optionen, wie der Staat zu Erfolg kommt, zu Machtgewinn. Sie legen sich auch in Pose, selber ihm dazu zu verhelfen. Im Extremfall ringen sie sich sogar dazu hindurch, Politiker zu werden, also Verantwortung für den Staat zu übernehmen. Das wollen die von der AfD nicht minder. Der Unterschied ist lediglich der, daß die auf dem Standpunkt stehen, daß mit der gegenwärtigen Staatsräson kein Blumentopf (mehr) zu gewinnen ist: Daß also aufgeräumt werden müsse mit all der Bürokratie und dem politischen Geschachere, weil es den Blick auf die nationalen Notwendigkeiten verstelle, auf die einzig senkrechte Aufgabe, den deutschen Staat wieder großartig zu machen. Jene Partei wirft also der amtierenden Obrigkeit vor, seiner Aufgabe nicht gewachsen zu sein, und schlägt einen radikalen Einsatz aller zur Verfügung stehenden Mittel vor, die Nation wieder erfolgreich und respektabel zu machen. Allerdings mutet das als ziemliche Luftschlägerei an: Denn schließlich läßt es der demokratische Staat nicht an Migrantenfeindlichkeit fehlen, läßt es ebensowenig fehlen Druck auf die auszuüben, die aus dem Erwerbsleben herausgefallen oder noch gar nicht eingetreten sind. Und auch am Einsatz unmittelbarer Gewalt läßt er es nicht fehlen. Die Polizei ist ohne wirklich existierenden Grund zu einer Bürgerkriegsarmee hochgerüstet worden. Das Militär wird aufgerüstet, was das Zeug hält, ein Stellvertreterkrieg um den Einflußbereich in Europa wird mit Milliarden geführt. Für Faschisten wahrlich kein leichter Stand, aber so soll es ja nach maßgeblicher Meinung durchaus sein. Es soll gleichsam einen produktiver Wettbewerb stattfinden, in dem die Faschisten den kürzeren ziehen.
Auch daraus läßt sich ein Schluß ziehen: Zwischen den herrschenden Demokraten und den Faschisten gibt es ziemlich viel Übereinstimmung. Der Weg zum nationalen Erfolg ist gar nicht so verschieden. Späne fallen allenthalben da ab, wo gehobelt wird. Unterm Strich entscheidet der Erfolg.

Bekanntlich zeichnen sich Demokratien dadurch aus, daß Wahlen über die Personen (direkt oder vermittels Parteien) darüber befinden, wer die Staatsgewalt ausüben darf. Und es scheint ja gerade so, daß die Demokraten die Faschisten als die nützlichen Idioten brauchen, welche sie per Wahl besiegen können. Ansonsten erscheinen die Wahlen so witzlos, daß sie bis vor kurzem noch nicht von ungefähr zu »Richtungswahlen« hochstilisiert werden mußten (und dann haben Union und SPD doch stets gemeinsame Sache gemacht, wenn sie nicht gerade mal Parteien wie die Grünen oder die FDP einbinden konnten). Kurzum, als Salz in der Suppe, zur Unterstreichung der Wichtigkeit des Ganges zur Wahlurne – und das kann man den medialen Meinungsmachern sowie den ständig erhobenen Meinungsumfragen lässig entnehmen⁵ – kommen die AfD-Faschisten gerade recht. 

Nochmal zurück zu der oben genannten Diskussion: Es stellte sich die Frage, ob die Bildungspolitik die Dummheit hervorbringt, die die Rechtsaußenpolitiker kennzeichnet. Es wurde festgestellt, daß die Abgeordneten jener Partei durchaus nicht selten höhere Bildungsabschlüsse vorzuweisen haben. Es ist also bei aller politischen Dummheit möglich, sich durchaus für den ein oder anderen Beruf in der Gesellschaft zu qualifizieren. Das kann die Bildungspolitik offenkundig nicht ausschließen. Und will sie sicherlich auch nicht. Was sie will, ist, daß solche Gestalten nicht an einflußreiche Stellen, insbesondere im öffentlichen Dienst gelangen. Da wird dann allenthalben ganz anders vorgegangen, da wird dann die staatliche Gewalt in Form des Rechts ins Spiel gebracht: Der Bewerber muß die Treue zu Staat und Staatsform unter Beweis stellen, ansonsten kann einem der Job verweigert werden. Bislang ist das gegen die AfD nicht geschehen. Eine Beobachtung durch die Staatssicherheitsbehörden freilich soll durchaus eine Abschreckung entfalten, für jene Partei etwas übrig zu haben. Viel mehr als das Pochen auf die Staatsgewalt fällt übrigens auch einem Professor für Didaktik der Sozialkunde und für Politische Bildung nicht ein.⁶

Fazit:
Bildung ist funktionelle Bildung, die für die Aufgaben, die der Staat und seine Wirtschaft haben, qualifizieren. Ein affirmatives Staatsbürgerbewußtsein wird unterstellt und im Ausbildungswesen fast ausschließlich moralisch begleitet, sofern dafür Raum bleibt (wie im Geschichtsunterricht) oder geschaffen wird. Eine Staatskritik als solche, also eine, die den etablierten Gewaltgebrauch einschließlich dem stummen Zwang der kapitalistischen Verwertung als Ursache für den faschistischen »Auswuchs« aufs Korn nimmt, ist dabei selbstverständlich nicht vorgesehen.
_____________________
¹ Die Menschenwürde darf zwar nicht von den Bürger angetastet werden, wohl aber offenbar vom Gesetzgeber selber. 
² Dabei sei nicht verschwiegen, daß die DDR mit ihrem Nationalismus, die sie allenthalben ihrem Sozialismus vorangestellt hat – ihre Bürger sollten sich zu ihrem Vaterland bekennen –, eine günstige Grundlage für einen radikalisierten Nationalismus geschaffen hat. Der hat sich zunächst in dem Wunsch geäußert, einem größeren und mächtigeren Staat anzugehören als es die DDR zu sein vermocht hatte. Enttäuscht davon, dort im Westen als Underdog angekommen, rekurrieren national Gesonnene auf ihren Anspruch, doch (auch) etwas Besseres zu sein und zu einer besseren Staatsräson zu gehören, als ihnen die BRD offenbart hat.
³ Dies zeigen die Ergnisse in den Wahlkreisen, in denen sie hauptsächlich wohnen.
⁴ Die CSU hat beansprucht, daß rechts von ihre keine weitere Partei entstehen darf. Das heißt, alles, was sich als weiter rechts als sie selber für angemessen hält, versteht, soll sich gefälligst dieser Partei unterwerfen.
⁵ Eine gewisse Ausnahme stellen die Meinungsmacher der Springer-Medien (Bild, Welt, ntv) dar, die gerne die AfD verantwortungsvoll eingebunden sehen möchten. Ebenso Sahra Wagenknecht, die mittlerweile ihrer Website zufolge die »Brandmauer« im Interesse einer wahren Volksgemeinschaft einreißen möchte. Im Dezember 1922 bereits hatte sie es nicht zufällig auf den Titel des faschistischen Magazins Compact gebracht, welches sie für »die beste Kanzlerin« hielt.
⁶ siehe Interview mit Prof. Andreas Petrik in der Süddeutschen Zeitung vom 29.12.2025

15.03.2026 © Kommunikation & Kaffee Augsburg
www.koka-augsburg.net
Feedback: info@koka-augsburg.com

bluete

Kapitalismus 2025: Eine ungeheure Datensammlung

koka

 

Kapitalismus 2025: Eine ungeheure Datensammlung
Die Unterhaltungsindustrie auf der Überholspur

 

Das Profitinteresse des Kapitals war historisch betrachtetet von vorne herein nicht auf eine einzelne oder eine bestimmte Anzahl von Segmenten der Produktion beschränkt. Alle gesellschaftlichen Bedürfnisse wurden bedient und selbst das war nicht ausreichend. Immer mehr Gegenstände wurden erfunden, die einen nützlichen Gebrauchswert hatten. Oft und immer öfter rief erst die produzierte und auf dem Markt feilgebotene Ware die Nachfrage danach hervor. Die Fantasie der Menschen war schnell zu erregen, zu begeistern. So rasch, daß auch viel Zeug verkauft werden konnte, mit dem zwar ein gutes Geschäft zu machen war, dessen Qualität und/oder Halbwertszeit jedoch schwer zu wünschen übrig ließ, deren »Neben«wirkungen nicht unbeträchtlich waren. So ist das alles natürlich bis heute geblieben.

Immer schon war eine Wertschöpfung für den rein intellektuellen Raum vorhanden. Waren die Waren diesem Feld ursprünglich auf Zeitungen und Bücher ausgerichtet, kamen im Laufe des 20. Jahrhundert eine technikbasierte Ausweitung gigantischen Ausmaßes hinzu: Grammofon, Film, Radio, Fernsehen, CD/DVD, Computer, internetfähige mobile Geräte…
All dies benötigt jenseits von Hard- und Software Inhalte.¹ 
Diese Inhalte beschäftigen den menschlichen Geist und haben mit der täglichen Arbeit für Geld herzlich wenig zu tun. Diese Inhalte besetzen die sogenannte Freizeit. Das ist die Zeit, die das Individuum jenseits seiner täglichen Arbeitszeit zur Reproduktion seiner Kräfte nötig hat. Doch nur ein Teil dieser freien Zeit widmet das Individuum notwendigerweise dem Schlaf. Seit Erfindung des elektrischen Lichts ging diese Ruhezeit zurück
derzeit haben ca. 40% in der BRD nicht ausreichend Schlaf (dabei ist die Definition von »ausreichend« ohnehin schon auf ein Minimum hin definiert!) , Schlafstörungen hingegen nehmen zu. Nicht deswegen, weil das Individuum ausreichend Schlaf nicht mehr in diesem Ausmaß nötig hat, vielmehr einfach deshalb, weil das Hirn über die tägliche Arbeit hinaus immer mehr beladen, ja belastet wird. Unterhaltung verspricht dem Individuum nämlich eine Kompensation für seine Defizite im Arbeitsleben und überhaupt für all die, die er in der kapitalistischen Gesellschaft erleidet.

Das Kapital hat im Verlauf seiner Entwicklung immer mehr im Unterhaltungssektor investiert. Soviel, daß dieser Sektor, die technischen Voraussetzungen dazugezählt, eine schier unglaubliche Zugkraft entwickelt hat. Im Jahre 2024 setzte die Unterhaltungsindustrie in der BRD 111,6 Mrd. € um, Tendenz steigend zum Vergleich: Der Umsatz der Lebensmittelhersteller belief sich auf 232,8 Mrd. €, Tendenz fallend. Und selbst im globalen Süden hat allem dort herrschendem Hunger zum Trotz das Smartfon seinen Siegeszug angetreten (und zuvor schon das Fernsehen). 

Das Individuum ist gerade über diese Schiene selber zum Produkt des Kapitalinvestments geworden. Dies wird perfektioniert durch eine ungeheure Datensammlung² der  Bedürfnisse, die bei Kauf oder auch nur online beim Betrachten einer Ware erhoben werden. Diese Daten werden unmittelbar in die Produktion, nicht zuletzt in virtuelle Produktion, überführt, und deswegen allein schon sind  die Daten werthaltig. Die Waren fluten die Märkte massenweise, sogar jenseits des gesamtgesellschaftlichen Bedarfs. Die Daten sind unentbehrlich nicht nur für Erfindung und Herstellung der Waren, sondern erst recht für deren Versilberung, für die letzte Transaktion, der Verwandlung von Ware in Geld.³
Die Unterhaltungsbranche hat das Individuum sicher im Griff: Gerade weil sie seine Bedürfnisse sozusagen rund um Uhr und Raum dominiert. Im Gegensatz zu Nahrungsmitteln etwa, deren Genuß seine natürliche Schranke hat, unwesentlich mehr gegessen und
die Alkoholabhängigen mal beiseite gelassen  getrunken werden kann und damit der Umsatz beschränkt ist, ist der der Sfäre der Unterhaltung schier grenzenlos. Sicher, man kann sich immer nur einem Medium gleichzeitig widmen, jeder leistet sich jedoch schrankenlos viel Zeug zur Unterhaltung. Wie oben bereits gesagt, verlangt das die Hoffnung auf Kompensation, das Bedürfnis nach Kompensation aller Unannehmlichkeiten, die das Individuum so erleidet. Und die Unannehmlichkeiten sind erfahrungsgemäß sonder Zahl.

Doch wenn es bloß das wäre! Mit den Medien werden ihm ja die Inhalte vermittelt, mit denen er weiterhin gesellschaftlich brauchbar gehalten bzw. gemacht wird. Ihm werden all die Klischees, Stereotypen, Gewußt-Wie-Rezepte bis hin zu politischen Freund- und Feindbildern also die moralischen Orientierungspunkte  nahegebracht. So nahe, daß jeder automatisch aufs Abstellgleis geschoben wird, wenn er solchen Angeboten inhaltlich widerspricht, sich ihnen verweigert.

Die gesamten Entscheidungen von Politik und Wirtschaft werden dem Leser, Hörer, Zuschauer auf ein Unterhaltungsangebot so zugeschnitten, daß der alles eben so wahrnimmt, wie es dargestellt ist: Oberflächlich, leicht konsumierbar. Tatsachen sollen ebensowenig wie Maßnahmen nicht nach ihrem Grund befragt werden, Fragen überhaupt sind schon durch die Darstellung ausgeschlossen, es zählen Fakten  auch wenn nur allzu oft etwas nur als Faktum dargestellt wird, also erlogen ist. Daraus folgt jedenfalls: Kein Widerspruch erlaubt! Spekulationen, Wunschdenken obendrein sowieso uferlos.

Überhaupt ist die durchgesetzte Maxime in den führenden kapitalistischen Staaten: Alle Welt will belogen sein. Ohne Frage, gilt es doch stets, den Gegenüber über den Tisch zu ziehen, in der Wirtschaft wie in der Politik. Natürlich muß man diese Verlogenheit adaptieren, wenn man Karriere machen will. So erklärt es sich, daß die größten Halunken die besten Chancen haben und konsequenterweise auch ganz oben stehen: Sie pflegen die hohe Kunst der Verstellung. Den Oberhäuptern der Gesellschaft ist sie in Fleisch und Blut übergegangen.

Das macht es im übrigen gerade den Staaten schwer, die diese Maxime nicht kapiert haben oder nicht kapieren wollen. Das ist oftmals ein desaströser Lernprozeß, wie beispielsweise an Rußland zu sehen ist.

Die Verlogenheit, die gerade in der unhinterfragbaren, geradezu kindergerechten Vereinfachung eines Sachverhalts steckt, macht Politik so überaus kompatibel mit dem Märchenland der Unterhaltungsindustrie.
_____________________________
¹ Was die konkreten Inhalte sind, wie umfassend sie in den Alltag eingreifen, das kann sich leicht jeder selber ausmalen, ja an sich selber sehen. Eine Aufzählung wäre ohnehin nie vollständig.
² Es ist gerade so, als würde auf Marx' Einstieg in seine Kapitalanalyse noch eins draufgesetzt:
»Der Reichtum der Gesellschaften, in denen die kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine 'ungeheure Warensammlung', die einzelne Ware als seine Elementarform.« (Karl Marx, Das Kapital, Band 1, S. 49)
³ Zu Umschlaggeschwindigkeit und Umschlagzahl des Kapitals und dessen Bedeutung im Fortschreiten der Entwicklung siehe Marx, Das Kapital, Band 2

 

01.09.2025
© Kommunikation & Kaffee Augsburg
www.koka-augsburg.net
Feedback: info@koka-augsburg.com

bluete

Die Leiden der linken Opposition

koka

 

Der Haken, an dem linke Oppositionelle leiden

 

Sie leiden gerade insofern schwer, als sie in Wahlen ein Mittel sehen, um ihren menschenfreundlichen Anliegen zum Erfolg zu verhelfen.

»Die Leute, die Kerzen auf dem Altar des Ideals anzünden, haben immer eine Kerzenfabrik hinter sich.« (Dino Segre alias Pitigrilli in »Vegetarier der Liebe«) Das Perverse ist, daß sozial gesinnte, also links orientierte Leute weder eine Kerzenfabrik noch sonst eine Fabrik hinter sich haben, wenn sie Idealen huldigen. Sie wollen mit ihrem Idealismus ganz grundsätzlich gegen den Materialismus schlechthin ankämpfen, den sie für des Teufels halten. Ja, damit nehmen sie Abstand auch von ihrem eigenen Marterialismus: En vogue kam diese Haltung mit der Hippiebewegung in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Jene an sich sympathischen Typen damals empfahlen ein einfaches Leben, eine Flucht aus der kapitalistischen Konsumwelt. Doch diese hat die Bewegung alsbald wieder aufgesogen, allzu verlockend waren die Angebote der Warenwelt. Bunte, oft überaus praktische Gebrauchswerte hatten die ideellen »Werte«, mit denen man ja nichts anfangen konnte und kann, in den Schatten gestellt. Und nicht allein das. Die Idealismen wurden denen überlassen, die als Kapitäne der Wirtschaft, als Führer der Politik und als amtliche Schullehrer der Staatsräson sie zur Beschönigung ihrer gewaltbasierten Taten benutzen wollten und benutzt haben und weiterhin mit diesen Idealen propagandisch hausieren gehen. 

Nichtsdestotrotz erheben die mittellosen, unbedarften Idealisten immer erneut ihr Haupt, messen Herrschaft und Wirtschaft an ihren — man kann getrost sagen — Utopien einer heilen Welt, einer antimaterialistischen Welt — ganz ohne irre zu werden. Sicher, der insbesondere unter der Jugend zirkulierende Idealismus legt sich in aller Regel im Laufe der Alterung seiner Protagonisten. Das kann man sehr deutlich sehen, an denen, die bei Wahlen »links« wählen. Also hierzulande an Parteien wie »Die Linke«, die Piratenpartei, »Die Partei« von Martin Sonneborn oder MeRA25 von Janis Warufakis [Γιάνης Βαρουφάκης].¹ Sehr gut bemerken sie mitunter, daß alle anderen Parteien nichts mit einem antimaterialistischen Idealismus am Hut haben, hingegen den Idealismus für ihren kapitalistischen Staat als dessen Rechtfertigung und zu dessen Verklärung benutzen.

Die Haltung all der idealistisch infizierten Opposition ist selbstredend keine der Arbeiterklasse. Diese Klasse (aus-)verkauft vermittels ihrer gewerkschaftlichen Organisationen ihre materiellen Interessen an ihre Gegner. Dabei ist unterstellt, daß sie mit diesen in einem Boot sitzt und Gegensätze deshalb zu unterbleiben hätten. Das Dementi eines fundamentalen Gegensatzes materieller Interessen also! 
Manchem derer, die idealistisch unterwegs sind, fällt diese Trennung von der Arbeiterklasse störend ins Auge: Denn eigentlich, so meint ein solcher, gehörte gerade auch diese Klasse, die ja offenkundig wirklich nicht viel zu lachen hat, doch auch zur Opposition und es wäre erfolgversprechender, man zöge gemeinsam an einem Strick. Dieses Wunschdenken ist vor allem in der Partei »Die Linke« beheimatet. Dort macht man sich allerdings keinen Gedanken darüber, warum das nur ein Wunschdenken ist und bleiben muß. Denn weder dem eigenen Idealismus von einer Gesellschaftsordnung noch der sozialverträglichen nationalen Gesinnung der Arbeiterklasse möchte man zu nahe, auf die Füße treten. Und so gehen politische Opposition und die materielle Durchsetzung von Arbeiterinteressen gegen das Establishment eben nicht zusammen, zumal letztere eben gar nicht als wirklicher Gegensatz genommen werden.²

Natur- und Klimaschützer bringen ein materielles Interesse vor, da es sich um menschliche Lebensgrundlagen handelt, die tagaus tagein von einer kapitalistischen Wirtschaft zerstört werden. Freilich nur allzuoft wollen diese Schützer damit keine Gegnerschaft zu den gesellschaftlich obwaltenden Interessen eröffnen. Ganz im Gegenteil, sie meinen, daß ihre und jene Interessen im Grunde gar nicht auseinanderfallen dürften und schon gleich nicht sollten. Insofern machen sie einen Übergang vom materiellen Interesse hinweg zu einem Idealismus. Denn in der Tat liegt Natur- und Klimaschutz nur bedingt und sehr sehr untergeordnet im Interesse eines kapitalistischen Staates. Solch Schutz ist ja logischerweise ein nachgeordneter: Wie kommt man denn darauf, etwas schützen zu wollen, wenn es zuvor nicht verwundet worden ist? 
Kein Wunder, daß sich also auch Klima- und Naturschützer im Kreise einer linken Idealistenpartei am ehesten wohlfühlen. 

Noch etwas muß gesagt werden: Eine gewisse Naivität lassen Linksidealisten gegenüber anderen Staaten erkennen. Wenn irgendwo in der Welt oppositionelle Demonstranten unterwegs sind, dann wollen sie nicht herausfinden, welches Interesse jene überhaupt vertreten, was sie auf die Straßen treibt. Oft genug sind die Ansprüche doch nichts anderes als die, die westliche Einmischung in ihre Länder gutheißen und fordern, ja bis hin zu einem in völliger Ignoranz gegenüber den Interessen der imperialistischen Staaten — geforderten Umsturz. Mit solchen Demonstranten sich hierzulande solidarisch zu erklären, ist die Perversion jeglichen materiellen Interesses, paßt also ausgezeichnet zu einem radikalisierten Idealismus. 

Mit einem auf die Spitze getriebenen Idealismus glauben seine Protagonisten doch gleichwohl bei der Herrschaft früher oder später Gehör finden zu müssen. Und in diesem Vorhaben entdecken sie nicht ihrer Täuschung, lassen sich nicht so leicht ent-täuschen. Im Gegenteil, dieser Irrtum verführt sie mitunter zu immer noch radikalerem Protest. Sicher, nur wenige werden Anarchospontis, doch auch diese Sackgasse eröffnet sich allen Idealisten. 
_______
¹ Auch DIE GRÜNEN starteten als Idealistenpartei. Der Abschied vom Idealismus erforderte die Ermordung ihrer damaligen Parteichefin Petra Kelly.
² Die Gewerkschaften ködern ihr Arbeiterklientel regelmäßig mit einem Ideal von Gerechtigkeit. Sie verstehen sich auf die gleichen Heucheleien wie die Politik. Bei denen, die vorgeben, sich um die materiellen Interessen ihrer Klasse zu kümmern, ist das besonders gemein.

 

27.08.2025
© Kommunikation & Kaffee Augsburg
www.koka-augsburg.net
Feedback: info@koka-augsburg.com

bluete

Ausbeutung?! Wie, wo, warum?

koka

 

Ausbeutung? Wie, wo, warum?
 

Zunächst ein Schritt zurück, zurück in die Zeit der Sklaverei und Leibeigenschaft. Die Sklaven mußten für ihre Herren arbeiten und wurden nach allgemein üblichem moralischen Maßstab ausgebeutet. Entschädigt wurden sie mit Wohnstätte und Nahrung, also mit ganz konkreten Gebrauchsgegenständen.
Die Sklaverei wurde abgeschafft, die Sklaven wurden freigesetzt davon, für einen Herrn arbeiten zu müssen und gleichzeitig von ihrer unmittelbaren Versorgung mit Wohnung und Lebensmitteln. Ab sofort mußten sie ihre Arbeitskraft zu Markte tragen, um Geld zu verdienen und somit ihre lebensnotwendigen Bedürfnisse stillen zu können, d.h. die dafür notwendigen Dinge kaufen zu können.

Daran läßt sich Mehreres feststellen:
Der nunmehr freie Mensch konnte keineswegs machen, was er wollte, wollte er nicht zugrunde gehen. Es lastete fortan ein immenser Druck auf ihm, er mußte seine Arbeitskraft feilbieten. Ja, er mußte sie, um eine Chance auf Anstellung zu finden, auch zurechtmachen auf die Bedürfnisse eines anderen, desjenigen der sie kaufen wollte. Er war also nicht mehr geknechtet wie früher als Sklave von einem Herrn, er mußte sich fortan nun selber zum Knecht machen und zwar schon bevor und damit er von einem gebraucht werden kann, der ihn mit Geld entlohnt. 

War früher sein Leben als Sklave, seine Existenz und seine Arbeit kompakt zusammengehalten, so war sein Leben nun aufgeteilt in seine unmittelbare Existenz und seine Arbeitskraft. An letzterer allein hat nun sein Arbeit-Geber Interesse. Das führte dazu, daß der Arbeitgeber den Arbeitnehmer aufgrund dessen Abhängigkeit, seine Arbeitskraft verkaufen zu müssen, gnadenlos ausnutzen konnte. Man legt auch in dieser Beziehung den allgemein üblichen moralischen Maßstab an und spricht von Ausbeutung. Diese Tatsache veranlaßte den Staat einzugreifen, doch dazu später.

Das, was mit der Anwendung der Arbeitskraft und ihrer Bezahlung mit Geld, erforderlich war, war eine über den Lauf der Jahre immer objektiver feststellbare »Leistung«. Wer seine Arbeitskraft verkauft, verkauft sie für eine bestimmte Zeit, in welcher er wiederum eine zuvor festgelegte Arbeit zu verrichten hat. Also: Verausgabung von Arbeitskraft pro Zeiteinheit = Leistung. Die ist objektiv meßbar. Vorausgesetzt die Arbeit ist wie erwünscht erbracht, erhält der Arbeiter dann beispielsweise einen Geldbetrag von 10 Euro pro Stunde. Seine Lebensmittel erhält der Arbeiter von einem anderen Arbeitgeber, in dessen Laden er gehen muß, um sich sein täglich Brot etc. zu kaufen, also sein erhaltenes Geld im Tausch gegen das Brot jenem zu geben. Einfach mitnehmen kann er das Brot nicht, auch wenn er noch soviel Hunger hat.  

Der Arbeiter ist also abhängig von seiner den Erfordernissen angepaßten Arbeitskraft als quid pro quo Geld zu erhalten, das er als Tauschmittel (Zahlungsmittel) benützen muß, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. 
So betrachtet besteht selbstredend die Möglichkeit, daß das erhaltene Geld für die Bestreitung seines Lebensunterhaltes nicht ausreicht. In diesem Falle spricht man nach allgemein verbreitetem moralischen Maßstab durchwegs von Ausbeutung. Dieser Zustand wirkt sich allerdings negativ auf die Arbeit selber aus, die die Arbeitskraft zu erbringen hat. Das kann auch nicht dadurch ausgeglichen werden, der Arbeitskraft in der gekauften Zeit höhere Anforderungen zu stellen oder sie gar länger als vorgesehen arbeiten zu lassen. Allerdings haben das die Käufer der Arbeitskraft nicht selber eingesehen, da mußte der Staat mit seinem Auge auf die gesamte nationale Ökonomie eingreifen. Der Staat hielt solche Art eingerissener Ausbeutungs-Ökonomie für seine übergeordneten Bedürfnisse untauglich. Er wollte und will ja aus der von ihm freigesetzten Ökonomie seinen Nutzen ziehen. Seitdem achtet er auf ein diesbezüglich gesundes Verhältnis von Ausbeutung und Lebenserfordernissen des Arbeiters, der ja möglichst lange und mit möglichst wenig gesundheitlichen Schäden verschlissen werden soll. Des Staates letzte — Aufsehen erregende — Maßnahme war die Etablierung eine Mindestlohns. Dies impliziert den Anspruch, daß niemand mehr, der in einem Staat mit gesetzlich verankertem Mindestlohn lebt, von Ausbeutung sprechen kann und darf. Denn der Begriff Ausbeutung enthält ja historisch festgezurrt immer eine moralische Anklage! 
Also ist keine Rede à la Marx mehr statthaft, der seinerzeit zwar keine moralische Anklage gegen die ökonomischen Verhältnisse erhoben hat, obgleich diese, wie man aus dem Geschichtsunterricht bezüglich des 19. Jahrhunderts vielleicht noch weiß, seinerzeit hundsmiserabel waren. Vielmehr hat Marx das Abhängigkeitsverhältnis eines Arbeiters, das er mit dem Verkauf seiner Arbeitskraft eingeht, näher untersucht. Dabei ist er zu der Schlußfolgerung gelangt, daß der Wert, den der Arbeiter mit der Übereignung seiner Arbeitskraft an einen anderen schafft (und die sich in der geschaffenen Ware werthaltig manifestiert), nicht in vollem Umfang bezahlt werden kann und wird. Seine lebensnotwendige AbhäSgigkeit eröffnet der anderen Seite nämlich eine ausgezeichnete Erpressungsmöglichkeit, nämlich, auf Kosten der angewandten Arbeitskraft ein Geschäft zu machen. Diese Sachlage wird in einer kapitalistischen Gesellschaft nicht nur als ganz normal angesehen, sie darf auch nicht als Ausbeutungsverhältnis diskreditiert werden — das wäre ja gerade unmoralisch! In der staatlich etablierten kapitalistischen Gesellschaft gilt nicht staatlich erlaubte und betreute Ausbeutung als unmoralisch, sondern umgekehrt, der Vorwurf der Ausbeutung an solch famose Ökonomie! 

Noch ein Nachtrag: Wie war das damals in einer realsozialistischen Gesellschaft wie der Sowjetunion oder der DDR und heute wohl nur noch in Nord-Korea. Dort waren die Arbeiter offenkundig weder Sklaven noch von einem Geschäftemacher bei Bezahlung mit Geld in Anspruch genommen. Das Verhältnis von Arbeiter zu seinen Existenzbedingungen, also zu seinen Lebensmitteln regelte er allerdings ebensowenig in Eigenregie. Dieses Verhältnis wurde also nicht von einer Privatperson wie dem Sklavenhalter oder Kapitalisten bestimmt, sondern unmittelbar vom Staat, als dessen Staatsbürger der Arbeiter existierte. So wie er in einem kapitalistischen Staat seine Arbeitskraft für deren Verkauf an einen ihn Bezahlenden zurechtschneidern mußte, um sodann zu seinen Lebensmitteln gelangen zu können, so mußte der Arbeiter seine Arbeitskraft auch im Realsozialismus zurechtmachen, um dann seine Lebensmittel zugeteilt zu bekommen. Der staatliche Anspruch auf Arbeitsleistung war unmittelbar an die Lebensmittelversorgung der Arbeiter gekoppelt. Dieses Verhältnis wurde zwar mit Geld abgewickelt, doch das Geld repräsentierte nicht einen geschaffenen Wert, sondern war reduziert auf ein reines Tauschmittel (Zahlungsmittel). Geld war kein Tauschwert, kein Kapital. Das war auch der Grund, warum den Preisen nicht der geschaffene Wert zugrunde gelegt wurde, sondern eben staatlich festgesetzt wurde (und zwar nach Lebensnotwendigkeit: Auto teuer, Brot billig). Es war im Grunde ein Witz, die Versorgungsleistungen des Staates, für die die Arbeiter arbeiten mußten, in Geld auszudrücken. Genausogut hätte man die Arbeiter in die Läden gehen lassen können, wo sie sich das, was sie benötigten, einfach mitnehmen hätten können. 
Es ist offenkundig keineswegs so, daß der kapitallose Staat sich nicht an den Bedürfnissen und Wünschen seiner Arbeiter orientiert hätte. Das tat er sogar so sehr, daß er jenen nachzukommen trachtete, obschon er dabei vermeiden wollte, die Arbeitsleistungen der Arbeiter allzusehr zu diktieren oder gar zu erhöhen! Der Staat grübelte darüber nach, wie die Produktivität seiner Wirtschaft zu steigern wäre und blickte neiderfüllt in den Westen, wo die Produktivität durch die dort konkurrierenden Kapitale und die dafür ausgebeuteten Arbeitskräfte immer neue Höhen erreicht hatte. So von Bewunderung für den Westen erfüllt, dachte er schließlich auch gar nicht mehr daran, auf welcher Grundlage die Produktivität im Westen fußte. Ebenso die Arbeiter, denen jeder vernünftige Gedanke über Aufwand und Ertrag ihrer eigenen Arbeit abhanden kam. 
So geschah es, daß über den internationalen Vergleich in Sachen Produktivität der ursprünglich gegensätzliche Zweck, eine von Ausbeutung freie Gesellschaft zu errichten, abhanden kam. 

Und nicht nur das. Dieses Abhandenkommen wurde auch noch gerechtfertigt. Natürlich war in Rußland damals im Jahre 1917 eine Revolution angesichts der katastrofalen Ausbeutung, der Arbeiter und Bauern unterworfen waren, dringend nötig. Und sie war natürlich nicht nur dort nötig gewesen, doch anderswo nicht erfolgreich. Doch im nachhinein sahen und sehen es gerade Leute, die sich als Sozialisten begreifen, denen also die soziale Frage nicht fremd ist, darin einen Fehler. Sie behaupten, daß diese Revolution verfrüht war, also nicht zu einem Zeitpunkt, in dem der Kapitalismus so weit entwickelt gewesen wäre, daß ein Übergang zum Sozialismus auf die Tagesordnung gesetzt werden hätte sollen und dürfen. Mit der Geschichtsteleologie, nach der Sozialismus erst nach Ablauf seiner vorangegangenen Fasen erreicht werden könne, weisen sie die aktuelle Notwendigkeit, bestehend in der materiellen Notlage der Arbeiter, zurück. Sie berufen sich dabei sogar auf das Kommunistische Manifest, in dem von der Geschichte als einer Abfolge von Klassenkämpfen die Rede ist. Doch so teleologisch und apodiktisch in einen Geschichtsautomatismus mündende Entwicklung war das nicht gemeint. Weder Marx noch seine Mitstreiter wollten 1848 warten, bis daß irgendwann einmal ein Wunder vom Himmel fällt, die Ausgebeuteten erlösend. Ansonsten hätten sie gar kein kommunistisches Projekt anstrengen müssen. Für die (Miß)Interpretationen und Fehler nachfolgender Generationen können sie nicht in Haftung genommen werden, zumal der Gegensatz etwa zwischen der Ökonomie der Sowjetunion samt Verbündeten und Marx' Kapital-Analyse offenkundig ist. Es ist auch nicht so, daß man bei all den Staatsführern und im offiziellen Wissenschaftsbetrieb den Eindruck hätte, Marx' Kapital wäre zur Hand genommen und studiert worden. Ganz im Gegenteil. Die »Wissenschaft« reduzierte sich auf Weisheiten wie eben der der Geschichtsteleologie, wie sie DDR-Chef Erich Honecker einmal sprichwörtlich zusammenfaßte (»Den Sozialismus in seinem Lauf…«). Und im übrigen sei daran erinnert, daß Deng Xiaoping China auf eben den Weg gebracht hat, die dem Sozialismus vorangehende Etappe, den Kapitalismus, nachzuholen. Ob man das damit entschuldigen sollte, auf diese Weise immerhin dem Imperialismus eine Rechnung aufmachen zu können, soll an dieser Stelle nicht Thema sein. Die Alternative, das westliche Proletariat zum Aufstand gegen seine Ausbeutung zu bewegen, wurde weder von Mao Zedong noch von all seinen Nachfolgern als unmittelbar notwendig betrachtet.

Was die Sowjetunion und Co. vermeiden wollten, war sowohl der unmittelbare Zwang einer Sklavenhaltergesellschaft wie der stumme Zwang, unter den das Kapital die Arbeiter wirft. Daß sie gleichwohl nicht ohne Zwang, staatlichen Zwang auskam, war eben einerseits dem Widerspruch geschuldet, daß eine Entwicklung und eine gleichzeitige Verbesserung der Lebensbedingungen nicht ohne die Einsichten in die Ökonomie auskam. Das war die interne Seite. Dazu kam andererseits die externe Seite, daß sich die Sowjetunion ständig gegen eine ausländische kapitalistische Umwelt behaupten mußte und wollte. Das wollte sie so lange, bis sie zu der »Einsicht« kam, daß der stumme Zwang einer kapitalistischen Gesellschaft doch letzthin produktiver ist als das eigene Projekt. Eine Einsicht, die sich nun, man kann es drehen und wenden wie man will, nicht mit Marx' Erkenntnissen in Einklang bringen läßt. Und eines wollte man ganz sicher nicht, nämlich die Arbeiter auf eine rationelle Betrachtung ihrer eigenen materiellen Lage zu bringen: Denen wurde und wird immerzu unterstellt, aufgrund ihres Klassenstatus schon das richtige Bewußtsein zu haben. So daß es ein Rätsel ist und bleiben muß, warum die Arbeiter aus diesem ihrem Bewußtsein alles ihnen ganz offenbar Unzuträgliche ableiten und sich aufhalsen (auch jenseits dessen, was ihnen von außen aufgebürdet wird).. 
Die Spitze des Eisbergs ist dann, wenn ein Arbeiter (auch im Status seiner Ausbildung dazu) sich selbst als Versager dingfest macht, damit vielleicht auch noch andere in Mitleidenschaft zieht (seinen Lebenspartner etwa oder ganz andere bei üblich gewordenen Amokläufen) oder zumindest sich selbst als Selbstmörder richtet. Oder aber auch zu der fänomenalen Erkenntnis gelangt, er lebe mit den falschen Genitalien, mit den richtigen sei alles kein Problem mehr.

Bei Betrachtung des Staates als solchem kommt es zu einer absurden Verdrehung: Nicht nur, daß Staaten, die die Kapitalistenklasse abgeschafft haben, aber die Arbeiterklasse nur anders interpretiert und hofiert haben — nämlich als Staatsbürger —, als sozialistisch bezeichnet werden. Sondern auch, daß im real existierenden Kapitalismus jeder Eingriff in die Freiheit des Kapitals durch den Staat schon als sozialistisch bezeichnet wird, auch wenn er durchaus zum besseren Nutzen des Kapitals erfolgt. So wird der Sozialstaat von manchen Ideologen als Sozialismus bzw. Vorstufe dazu gesehen, nicht zuletzt übrigens von Leuten, die dem Kapitalismus kritisch gegenüberstehen. Gemeint sind Kapitalismuskritiker, die sich dem Abbau von Sozialleistungen entgegenstellen oder/und bessere Sozialleistungen einfordern.

14.08.2025
© Kommunikation & Kaffee Augsburg
www.koka-augsburg.net
Feedback: info@koka-augsburg.com

bluete

Nation für Krieg: Gewerkschaften zu Diensten

koka

 

Der DGB-Opportunismus am Beispiel der IG Metall

 

Nation für Krieg: Gewerkschaften eifrig zu Diensten

 

Die Gewerkschaften haben sich deshalb als staatliche Institutionen genehmigen lassen, weil sie es leid waren, mit der Arbeiterklasse zusammen Kämpfe für die materiellen Interessen eben dieser Klasse zu führen. Das betrifft den ADGB nach Weltkrieg 1 und den DGB nach Weltkrieg 2, jeweils inklusive ihren Branchengewerkschaften. Die staatliche Anerkennung ist ihren Funktionären so zu Kopf gestiegen, daß sie gar nichts mehr anderes wollen, als ihre Köpfe in nationaler Verantwortung zu verbohren.
In ihrem Opportunismus merken die noch nicht einmal ansatzweise, was für Unsinn sie erzählen: Sie wollen, daß der Staat per Staatsverschuldung mehr Investment mobilisiert und das Kapital seinerseits tüchtig investiert, indem es weniger im Aktien- und Derivate-Markt nach Profiten strebt, stattdessen in der Produktion. Als ob nicht eine  staatlich beschleunigte Geldentwertung in erster Linie auf den Geldbeutel ihres Fußvolks drücken würde! Und als ob nicht jede Investition in den produktiven Bereich vornehmlich aus Notwendigkeit erfolgen würde und damit einen Druck auf die Verschlankung der Lohnempfängermannschaft sowohl hinsichtlich ihrer Menge wie hinsichtlich ihrer Arbeitsbedingungen und Löhne ausüben würde! Und nicht nur das allein, was ja schon schlimm genug ist:

1. Die Gewerkschaften sind für Krieg, wenn ihn der Staat — wie derzeit einmal mehr gegen Rußland — auf die Tagesordnung setzt. Nun weiß auch der dümmste Gewerkschaftsfunktionär, daß für Krieg allemal die Arbeiterklasse ihre Köpfe als Kanonenfutter hinhalten muß. 

2. Die Gewerkschaften sind für Aufrüstung. Sie haben Gewerkschaftsfunktionäre in Rüstungsbetrieben, die für das Wirtschaftswachstum dieser Branche Partei ergreifen. Dabei möchten sie nicht einmal davon Kenntnis nehmen, daß eine Kapitalanlage im Rüstungssektor keine produktive ist, insofern das dort investierte Kapital nicht — in welcher Form auch immer — zurückfließt. Es sind also immer wieder aufs neue Staatsaufträge erforderlich. Und jedermann weiß, auf wessen Kosten Aufrüstung letztendlich geht, einmal ganz abgesehen von der Ausbeutung in den Rüstungsbetrieben, vor denen ein Gewerkschaftsvertreter sowieso die Augen schließt. Die Gewerkschaften sind der Meinung, der Arbeiterklasse könne im Interesse der Nation noch weit mehr zugemutet werden. 
Und wie! Der zweite Vorsitzende der IG Metall, Jürgen Kerner, äußert Bedenken, ob die deutschen Arbeiter schon vor dem Krieg richtig beansprucht werden:
»Zwar hebt die Politik ihre Bedeutung für die Sicherheit unseres Landes und Europas hervor. Aber anders als man denken könnte, führt das Sondervermögen Bundeswehr nicht automatisch zur Stärkung der heimischen Industrie. Sie droht vielmehr unter die Räder zu geraten, wenn mehr und mehr in Übersee gekauft wird und die Regierung keine Sorge trägt, dass Betriebe in Deutschland Wartung und Upgrades übernehmen. Wir brauchen endlich eine wehrtechnische Industriepolitik.«¹
Aber damit nicht genug: Angesichts der Kriegspolitik der Bundesrepublik befindet sich der militärisch-industrielle Komplex im Aufwind. So sehr, daß ein Sfärenwechsel von zivilen Industrien in diesen Sektor ansteht: 
»… Den Vorreiter machte schon voriges Jahres der Autozulieferer Continental. 'Von Arbeit in Arbeit' heißt das Projekt, das von der IG Metall unterstützt wird. Bis zu 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Standorts in Gifhorn sollen in 55 Kilometer Entfernung in Unterlüß einen neuen Job in einer Munitionsfabrik von Rheinmetall finden.
Oder die Übernahme des traditionsreichen Alstom-Waggonwerks in Görlitz durch den deutsch-französischen Panzerbauer KNDS. Als der Deal Anfang Februar offiziell und feierlich besiegelt wurde, kam sogar Noch-Kanzler Olaf Scholz (SPD) nach Ostsachsen. Noch in diesem Jahr soll die Transformation eingeleitet werden: Geplant ist, Baugruppen für den Kampfpanzer Leopard 2, den Schützenpanzer Puma sowie den Radpanzer Boxer zu fertigen.
Oder Hensoldt: Der Spezialist für Radar und optoelektronische Geräte wirbt um Softwareexperten, deren Jobs bei Bosch und Conti wegfallen sollen. Die Liste ließe sich problemlos verlängern. BDSV-Chef Hans Atzpodien spricht von vielen Anfragen aus der Autobranche: 'Daraus ist für mich zu entnehmen, daß man auch dort die Potenziale als groß einschätzt, insbesondere wenn wir uns bei Rüstung auf die Ebene von Serienproduktion begeben', sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). … Der nächste Schritt könnte nach Pappergers Worten auch die Übernahme 'überzähliger' Autowerke sein — wie die VW-Fabrik in Osnabrück. Würden wirklich alle Rüstungspläne der Regierungen zu entsprechenden Aufträgen, 'dann werden wir schauen, ob wir eins der Werke übernehmen können'. … Der größte Vorteil der Autostandorte sei das qualifizierte Personal, sagte Papperger. Er rechnet damit, daß die Rheinmetall-Belegschaft noch vor 2030 von rund 30.000 auf 40.000 Beschäftigte wachsen wird.
'Wichtig ist, dass Betriebsrat und IG Metall von Anfang an eingebunden sind, daß der Übergang verlässlich und fair im Sinne der Beschäftigten gestaltet wird und der Arbeitgeber die Beschäftigten für die neue Aufgabe gründlich und umfassend qualifiziert', sagte Jürgen Kerner, Vize-Chef der IG Metall, dem RND. Er zeigt überdies ebenfalls grundlegende Skepsis: 'Wir warnen davor, das Potenzial zu überschätzen. Lösungen wie bei Alstom können im Einzelfall gut funktionieren, als Blaupause für den Industriestandort insgesamt sind sie nicht geeignet.' Es sei fatal, nur auf Wehrtechnik zu setzen: 'Vielmehr müssen die Kernbranchen der deutschen Industrie stabilisiert werden.'«²
Die Heimatfront darf also nicht ins Wackeln kommen, wenn, wie Kerner an die Wand malt, einseitig auf die Rüstung gesetzt wird. Sofern Arbeitsplätze gerettet werden können, ist er freilich allemal für Aufrüstung. Längst vergessen sind die Zeiten, als sich in den 70/80er Jahren Gewerkschaftsmitglieder Gedanken über Rüstungskonversion machten: Sie wollten damals wegkommen von den unmittelbar für Krieg existierenden Arbeitsplätzen hin zu einer zivilen Produktion. Das hat schon damals nicht in das Konzept der gewerkschaftlichen Obrigkeit gepaßt. Heute fällt es dieser leicht — angesichts des nationalen Kriegskurses einerseits und der prekären Lage auf dem Arbeitsmarkt andrerseits — Arbeit in Rüstungsbetrieben als absolut zweckmäßig ihrem Klientel zu verkaufen. Kerners Befürchtung, die Gewerkschaften könnten in die entsprechenden Entscheidungsfindungen der Politik und Industrie nicht eingebunden werden, ist die zum Verhandlungsgeschäft gehörende Heuchelei. Ausgeschlossen sind und bleiben allein all die Arbeiter, die zusehen müssen, wo sie mit ihrer Arbeitskraft bleiben. Weiterführende Gedanken haben sie, dafür sorgen schon Springer, Tagesschau & Company gefälligst zu unterlassen: Das brauchen ihnen ihre Gewerkschaftsbosse somit erst gar nicht groß extra zu indoktrinieren. Die Gewerkschaften sind also fein raus: Sie nutzen die Not qua nationaler Verantwortung, für die sie nicht müde werden zu plädieren, für ihr eigenes Süppchen, das sie ihren Mitgliedern wie Nichtmitgliedern einbrocken.

Noch einmal der Herr Kerner, auf der Seite des kapitalistischen Fortschritts den gewerkschaftlichen Standpunkt beglaubigend: »Bis auf ein paar verbohrte Ideologen und Ewiggestrige sind sich die Gewerkschaften, Industrieverbände und Wissenschaft im Grundsatz einig, was zu tun ist.«³
Kurz und gut, niemand muß sich mehr Täuschungen über Gewerkschaften hingeben.⁴

¹ https://www.igmetall.de/presse/pressemitteilungen/verteidigungsindustrie-zukunftsfaehig-machen
² https://www.rnd.de/wirtschaft/umbau-der-industrie-von-autobauern-zu-panzerbauern-ruestungsboom-und-fachkraeftemangel-2DELOSUJSREIFCVDPMOFTXO3VE.html
³ Augsburger Allgemeine, 11.12.2024, zitiert von der IGM-Vorsitzenden Christiane Benner in einem Interview
⁴ Nichtsdestotrotz sei der Gewerkschaft noch ein nützlicher Hinweis gegeben: In seinem Roman »Grieche sucht Griechin« läßt der Autor Dürrenmatt seinen Hauptprotagonisten in einer Rüstungsfabrik arbeiten. Als moralischer Mensch rechtfertigt der seine Tätigkeit damit, daß 'seine' Firma neben Rüstungsgütern auch orthopädische Geräte herstellt, die den Opfern der Gesellschaft zugute kommen.
___________
KoKa Augsburg, 29.06.2025
© Kommunikation & Kaffee Augsburg
www.koka-augsburg.net
Feedback: info@koka-augsburg.com

 

bluete

Faschismus heute

koka

 

 

Faschismus heute

 

Die heutigen Faschisten – hauptsächlich versammelt in der AfD – wollen vom damaligen nicht mehr viel wissen. Vielleicht teilen sie noch die von den demokratischen Nationalisten nahegelegte Meinung, Hitler wäre mehr oder weniger ein Einzeltäter gewesen, der die braven allzu gutgläubigen Deutschen verführt hätte, aber das war es auch schon. Störend am Dritten Reich war ja vor allem die Weltkriegsniederlage, aus der die Bundesrepublik bekanntlich Jahr für Jahr großmächtiger auferstanden ist, so daß sich jeder nationale Widerspruch auf über 50 Jahre im großen und ganzen erledigt hatte.
In dieser Zeit gab es zwar immer wieder Versuche der Faschisten, den Kopf aus der demokratischen Schlinge zu ziehen — man denke an die NPD in den 60er Jahren, Nationalzeitung-Herausgeber Frey mit seiner DVU noch in den 70er Jahren und an die Republikaner in den späten 80er Jahren —, doch jeder sozusagen »intelligente« Nazi wußte sich mit seinem Nationalismus in den anderen Parteien (SPD, CDU/CSU, FDP) weit besser aufgehoben. Schließlich konnte er seine nationalen Gedanken dort prima einbringen (wenngleich noch strategisch gebremst) und dabei sich hilfreich betätigen, Deutschlands Weltgeltung voranzubringen. Ein vordringlicher Punkt war, Deutschlands Kriegsschuld und damit seine Kriegsniederlage zu relativieren und zu revidieren: Man teilte ja die allen Nationalisten gemeinsame Frontstellung gegen den in Moskau zentralisierten Bolschewismus, die mit dem Ende des Krieges ja keineswegs beendet war. Angesichts dessen nahm man es in Kauf, den Antiamerikanismus etwas zurückzustellen, da man, fokussiert auf den Hauptfeind im Osten, die USA ja brauchte, um mit ihm fertig zu werden.
Die Erledigung des Bolschewismus hat bekanntlich hervorragend geklappt, wenngleich der Erfolg wenig objektiv beurteilt wurde. Es war letzthin nämlich einzig eine souveräne Entscheidung des russischen Staates. Und schließlich hatten auch die Warschauer-Pakt-Staaten und unter ihnen die DDR das ihre dazu beigetragen: Hatten sie nicht ihre Bevölkerungen auf die Nation eingeschworen, zwar eine bessere, sozialistische, aber vor allem eine dem Volk dienliche erfolgreiche Herrschaft! Und nicht nur das Volk, sondern auch seine Obrigkeit hat zuletzt eingesehen, daß eine erfolgreiche Herrschaft besser ohne sozialistische Begleiterscheinungen verfährt. So sind neue beziehungsweise rundumerneuerte Staaten nach westlichem Vorbild entstanden, die DDR hat sich dem westdeutschen Modell einverleibt. Ein Modell Deutschland, das ihr vor allem von den Supernationalisten Willy Brandt und Helmut Schmidt seit geraumer Zeit schon anempfohlen worden war.
Nun, der Fortschritt, da hatte Honecker recht, läßt sich nicht aufhalten: Vor allem, wenn er auf die nationale Karte setzt! Der Bolschewismus und sein Moskauer Anker waren also über Nacht verschwunden. Nicht aber »die Russen«! Die störten und stören insofern weiterhin, solange sie Staat auf eigene Rechnung machen. Nicht, daß sie gerne dem »gemeinsamen Haus Europa« und den G7 als G8 beigewohnt hätten: Nur, das hatten sie mißverstanden: Unter Beiwohnung versteht man im Westen Untermiete und somit Unterordnung und das wollten die Russen dann doch nicht; dazu waren und sind sie sich zumal als anerkannte Atommacht ja dann doch viel zu schade.
Wie allseits bekannt hat Rußland dann begonnen, um seine Anerkennung zu kämpfen, zuletzt mit der imperialistischen Herausforderung, ihm sein Einflußgebiet Ukraine zu entreißen. Der Krieg, von langer westlicher Hand vorbereitet, verläuft aus westlicher Sicht nicht wunschgemäß. Was nützt da all das Gezetere und Kriegsgeschrei!
Und an dieser Stelle kommen die Nationalisten ins Spiel, die es schon immer gewußt zu haben glauben: Die US-Amerikaner haben uns Deutsche zu diesem Krieg verführt! Zu einem Krieg, der Deutschland nichts nützt und deshalb beendet werden soll. Diesem deutschnationalen Standpunkt zollen sogar die Russen Anerkennung, was den alternativen Deutschen aber nicht allzuviel nützt, weil ihnen damit Sympathie mit dem Erzfeind vorgehalten wird.
Was sieht man nun daran: Nationalisten sind Opportunisten des nationalen Erfolgs und seines Weges. Die einen, die demokratischen Nationalisten halten umso mehr an ihrem Rezept fest, den Erfolg auf die Art und Weise sicherzustellen, die sie eingeschlagen haben. Die anderen, die faschistischen Nationalisten sehen eine Gelegenheit, die Staatsräson zu ihren Gunsten zu revidieren, damit die zwar nicht von ihnen, nichtsdestotrotz erreichte deutsche Weltgeltung nicht gefährdet oder gar demontiert werde. Ihr Antiamerikanismus¹ erlebt eine Auferstehung, was sie sehr froh stimmt, nicht zuletzt in ihrem Rassismus gegen den »dekadenten Vielvölkerstaat USA«, während die Russen noch traditionelle »Werte« hochhielten, Werte, als deren Vorkämpfer alle Reaktionären, alle Ewiggestrigen sich gerne aufspielen. So sind sie also keineswegs prinzipiell gegen Krieg, vielmehr gegen einen Krieg, weil er nicht ihr Krieg ist. Bezeichnend dafür ist auch die Äußerung einer AfD-Funktionärin, 5% des Bruttoinlandsprodukts fürs Militär seien bei weitem nicht ausreichend.
Der Gegnerschaft zum Ukraine-Krieg ist natürlich nicht die einzige Sache, mit der die Faschisten von der AfD punkten wollen. Mehr oder weniger mittelbar mit dem Krieg hängt die ökonomische Lage der Nation zusammen. Die Ökonomie ist ein interessanter Punkt, wie sich heutige Faschisten zu ihr stellen. Die Damaligen unter Hitler kannten eine Scheidung zwischen schaffendem = national orientiertem = gutem Kapital und raffendem = international orientiertem = schlechtem Kapital, manifest in jüdischem Finanzkapital. Diese ideologische Differenz kennen sie auch heute noch, allerdings rückt sie angesichts der nationalen Herausforderungen eines Exportweltmeisters in den Hintergrund. Auch hier ist der Opportunismus des Erfolgs der Gesichtspunkt schlechthin. Und da man auch in dieser Frage viel konsequenter Nationalist sein will, als es die herrschenden Nationalisten sind, wirft man ihnen vor, viel zu wenig Anstrengungen zur Förderung des Kapitals zu unternehmen, also die Freiheit des Kapitals geradezu unnötig einzuschränken, mit staatlicher Bürokratie zu drangsalieren etc. Mit diesen radikalkapitalistischen Forderungen versuchen sie, offene Türen beim Kapital selber und bei allen national denkenden Staatsverantwortlichen einzurennen. Und es ist tatsächlich so, daß sie die herrschende Elite in ihrer rigorosen Parteinahme für das Kapital zu verstärken und zu radikalisieren gedenken. Nur: Gerade da wollen sich die demokratischen Amtsverwalter nichts vormachen lassen — ebenso wenig übrigens wie sie sich in ihrer antirussischen Politik dreinreden lassen wollen.

Der Vorwurf schlechthin, den die Faschisten tagaus tagein lancieren, ist der des Versagens: Staatsversagen mit uns Deutschen nicht! Da kann natürlich ein historischer Vergleich nur stören, weshalb die Hitlerära ihrem Vor- und Nachdenker Gauland zufolge als »Vogelschiß in der deutschen Geschichte« in die Geschichte eingehen sollte oder wie eine andere Tante aus diesem Spektrum meinte, daß Hitler ein Sozialist gewesen wäre, was ja nicht anders sein kann, denn, wie man sehe, habe der die Nation mit der Kriegsniederlage ja verraten!
Verrat der Nation! Diesen Übergang machen Faschisten immer ganz selbstverständlich da, wo sie meinen, der herrschenden Staatsräson am Zeug flicken zu können. Auch die Corona-Pandemie benützten sie dazu. Als ob die staatliche Berechnung, Volksgesundheit und kapitalistische Bewältigung gekonnt ins Verhältnis zu setzen, nicht überaus rationell gewesen war — und zwar von einem ziemlich radikalen Staatsgesichtspunkt aus. Es war gerade so, daß die AfD neidisch auf die Radikalität des Staates blickte und ihm deshalb mit allerhand Opposition von unten beizukommen wollte². Ja, die Berufung aufs Volk, auf eine immerzu schweigende Mehrheit, die reklamieren Faschisten stets für sich! Der Staat habe die Untertanen, das gute und bedauernswerte — Faschisten zeigen Empathie! — deutsche Volk, verraten, vorsätzlich und mit bösen Hintergedanken — ein gängiger Vorwurf! Hier sind sie allemal offen für die krudesten Verschwörungstheorien. 

Vor allem im Ausland gibt es die Befürchtung, mit der AfD könnte in Deutschland wieder eine faschistische Partei an die Macht gelangen. Das wird der bundesdeutsche Staatsapparat zweifellos zu verhindern wissen — er hat ja seine Sicherheitsventile, die vielfältigen demokratischen Institutionen. Doch das, eine Machtergreifung ist gar nicht der Punkt. Ganz abgesehen davon, daß in Italien mit der regierenden Meloni-Partei Fratelli d’Italia ein Beispiel außenpolitischen Opportunismus vorliegt, insbesondere im  — in Übereinstimmung mit der EU — vorgetragenen Antirassismus und Antirussismus. Nein, der Punkt ist vielmehr der, daß der oppositionelle Einfluß der Faschisten auf die Regierungstätigkeit — ebenso vehement wie wohldosiert unterstützt übrigens von den hetzenden, Haß schürenden Springer-Medien — als solcher ja nicht zu leugnen ist. In den Maßnahmen gegen Migranten stimmen Regierung und AfD-Opposition ja prinzipiell überein. Ebenso in Sachen Aufrüstung. Ebenso in Förderung des Kapitals bei gleichzeitigen Zwangsmaßnahmen gegen das auszubeutende Menschenmaterial. Und nicht zuletzt in der »Werte«-Propaganda, in einer »deutschen Leitkultur«!

¹ Mit Antiimperialismus ist der schon deshalb nicht zu verwechseln, weil er vom Standpunkt eines konkurrierenden Imperialismus aus erfolgt.
² Und man muß sagen, leider sind ihnen da auch einige Naturwissenschaftler mit ihren in der mikrobiologischen Sache durchwegs richtigen Erkenntnissen auf den Leim gegangen.

19.05.2025
@ Kommunikation & Kaffee Augsburg, 2025
www.koka-augsburg.net
Feedback: info@koka-augsburg.com

bluete

Was gilt heute als links?

koka

 

Was gilt heute als »links«?

 

Der Professor (Wirtschaft) Richard D. Wolff (USA) hat in einem auf youtube zu sehenden Beitrag für breakthroughnews einmal mehr den ökonomischen Niedergang¹ der G7-Mächte angesprochen. Dabei kam er auch auf die jüngsten Bundestagswahlen in dem von der Rezession schwer getroffenen Germany zu sprechen, welches jene gerade aufgrund ihrer kurzsichtigen Außenpolitik zu beklagen habe. Die Rezession im ökonomischen Zugpferd Europas, so Wolff weiter, habe zu einem signifikantem Anstieg der Stimmen sowohl für den rechten wie für den linken politischen Rand geführt. So bedauerlich der Anstieg rechts auch sei, so stimme ihn der Anstieg links durchaus hoffnungsvoll. Es gebe in Germany zwei linke Parteien, die zusammen etwa 14% der Wählerstimmen gewinnen konnten.
Nun kann man sich als ausländischer Beobachter sicherlich leicht täuschen, wenn selbst in der BRD die Sache von den Mainstreammedien ziemlich genau so gesehen wird. Da Wolff jedoch einer ist, der sich — selbst ein Linker — immer bemüht, Analysen abzugeben, die auf dem Boden der Realität stehen, soll er nicht unwidersprochen bleiben.

Was die Bewegung Sahra Wagenknecht (BSW) betrifft, hätte man schon gerne gewußt, was an dieser neuen Partei irgendwie links sei soll. Außer der Vergangenheit der Parteichefin wird man da wohl im Trüben fischen. Gerade das Prinzip der Argumentation dieser Partei besteht ja in einem nationalen WIR, mit dem so gut wie jede politische Aussage beginnt. Wenn die Bewegungspartei sagt, sie mache sich Sorgen um die deutsche Wirtschaft und insbesondere um die Industrie, dann sagt sie »WIR machen uns Sorgen um die Deutsche Wirtschaft …« Die Arbeiterklasse wird selbstverständlich als die abhängige Variable unterstellt, die sie gefälligst auch zu bleiben hat. Man höre sich die Stellungnahmen (ebenfalls auf breakthroughnews) von Parteifunktionärin Sevim Dağdelen einmal an. Wir, wir, wir in einem fort! Gemeint: wir Deutsche = identisch mit dem Wir unserer Partei. Da braucht man kaum noch zu erwähnen, geschweige denn sich zu wundern, daß jene links verortete Partei in die AfD-Hetze gegen Migranten einstimmt. Nationalismus ist ohne Rassismus eben nicht zu haben!

So frappant falsch also Wolffs Auffassung der BSW ist, so wenig hoffnungsvoll ist der Sache nach seine Interpretation der Partei Die Linke. Sie ist ja nicht mehr als die vehemente Vertretung eines Wohlfahrtsstaats, eines Sozialstaats, den sie seitens amtierender Regierungen stets stark vernachlässig sah und sieht. Sie hofft mit ihren sozialen Anklagen und Anträgen selbst in der Opposition Wirkung zu erzielen. So jedenfalls sieht ihr Aushängepolitiker Gregor Gysi die Sache: Die Linkspartei habe schon einen Mindestlohn gefordert, als der noch gar nicht auf der Tagesordnung der Regierung stand. Und nun fordere sie einen Mietdeckel solange, bis der beschlossen wird. Kurzum, sie sorgt sich um das existenzielle Reproduktionsminimum der Arbeiterklasse. Und das ganz ohne sich zu fragen, warum das immerzu und immer drängender notwendig ist. Daß man mit solch grundlegender Ignoranz Wählerstimmen einfangen kann und dabei noch nicht einmal als Kritiker des Nationalismus in Erscheinung treten muß, mag zugegebenermaßen schon eine politische Kunst sein, vor allem darin, das als irgendwie links zu verkaufen.
Hier stellt sich die Frage, wie das einen (Wahl-)Erfolg ermöglicht. Wie denken Wähler der Partei Die Linke? Zunächst denken sie wie alle, die sich zum Wählen entschlossen haben: Sie denken an das große Ganze, die Kluft zwischen Arm und Reich, die eben dies große Ganze bedroht, das sie freilich weder als nationale Schicksalsgemeinschaft titulieren wollen wie die Rechten noch wollen sie den nationalen Zusammenhalt beschwören, wie eine reaktionäre Partei à la SPD dies tut. Mit dieser gedanklichen Grundlage geben sie ihre unglaubliche Bescheidenheit zu erkennen, mit der sie den ganzen Zumutungen, die der Staat und seine Wirtschaft tagaus tagein ihnen aufbürden, aus- und durchzuhalten bereit sind. Ja, mit einem Mindestlohn und einem Mietdeckel ließe sich das Leben ja doch wenigstens irgendwie aushalten. Auch hier ist schön zu sehen, wie die Abhängigkeit von Staat und Wirtschaft bestätigt, also erst gar nicht versucht wird, diese zumindest gedanklich einmal anzutasten.
Ebensowenig kontert die Partei Die Linke die unverschämten, kapitalgerechten Ansprüche von Wirtschaftsmagnaten nach staatlichem Entgegenkommen vielerlei Art damit, eine gewaltige Umverteilung von Oben nach Unten zu fordern²: Denn sie weiß ganz genau, daß das nicht in den Rahmen paßt, in dem Deutschland und seine Firmen mit dem Ausland und dessen Kapital in Konkurrenz stehen. Zum Bestehen in dieser Konkurrenz und zu seinem Erfolg ist Wirtschaftswachstum nötig, zu dem eben nur Löhne passen, die so niedrig sind, daß sie sich am Existenzminimum der Klasse orientieren müssen, die lebensnotwendigerweise ihre Arbeitskraft feilbieten muß³. Und die sich selbstverständlich gefallen lassen muß, daß selbst aus ihrem zunehmend knapper bemessenem Wohnraum sich ein Geschäft machen läßt, dessen Renditen sich mit den Kapitalanlagemöglichkeiten in anderen Bereichen messen lassen können muß.

Das alles sehen also all die ein, die ihr Kreuz bei der Linkspartei gemalt haben. Doch es kommt noch etwas ganz Entscheidendes hinzu: Ohne einen Idealismus, ohne eine Verklärung der real existierenden Verhältnisse kommt das nicht aus. Im Prinzip wissen Idealisten es mit den herrschenden Verhältnissen prinzipiell ganz gut getroffen zu haben. Nur: Was macht die Politik daraus: Wo bleibt beispielsweise die Menschenwürde, die im Grundgesetz ganz vorne steht, wenn man Migranten behandelt wie es Rassisten eben tun — als Minderwertige, bestenfalls als ausbeutbare Personen und ansonsten als abschiebbaren Dreck? Flüchtlingsretterin Carola Rackete fand so den Weg in die Partei Die Linke. Doch diese Haltung hat durchaus eine schwerwiegende Konsequenz: Man entdeckt solch beklagenswerte Zustände nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland, speziell in den Staaten, die auf der offiziellen Feindschaftsliste Deutschlands stehen. Dabei stehen solche Staaten gar nicht deshalb auf solcher Liste, sondern aus ganz simplen staatsmaterialistischen Gründen — diese Staaten beschränken nämlich den Zugriff des deutschen Staats auf dessen Staatsgebiet und seine menschlichen und sonstigen Ressourcen. Und dieser Standpunkt wird vorgetragen mit einer verlogenen Heuchelei, nämlich daß jene Staaten sich nicht so demokratisch und menschenrechtlich einwandfrei aufführen würden wie die vorbildliche Bundesrepublik. Kurzum, Idealisten wie Carola Rackete halten ihren Idealismus und die Heuchelei eines imperialistischen Staates wie Deutschland nicht auseinander. Damit wäre es doch gar nicht so schwierig, wenn man sich mal überlegt, daß jedes Recht, das ein Staat mit seiner Verfassung gewährt, auf Gewalt beruht, auf seiner Gewalt; eben auch jedes Menschenrecht. Das beinhaltet selbstverständlich auch, daß der Staat und er alleine darüber wacht und es auch nach Belieben einschränken kann, so er Bedarf hat. Daß ein Staat, wenn er von anderen Staaten etwas will, ausgerechnet seine Rechte für jene zum Maßstab machen will, auch wenn jene Staaten diesen Rechten als solche gar nicht wiedersprechen und selber so gut wie ausnahmslos ebensolche in ihrer Verfassung stehen haben, ist ein Witz, den eine solch naive Politikerin wie die Bundesaußenministerin Baerbock unlängst in Beijing und zuvor schon anderswo erleben durfte⁴. An dieser Stelle sei bemerkt, daß die GRÜNEN längst allen wirklichen Idealismus, den sie einst unter Petra Kelly hatten, für ihre Politikfähigkeit an den Nagel gehängt haben. Mit einer gehörigen Portion Idealismus kann sich noch jeder Linker in die Front des deutschen Imperialismus gegen Putin, Xi Jinping und mittlerweile auch gegen Trump einreihen.
Bei der Partei Die Linke gibt es also einen Idealismus, der, verlangend nach politischer Einmischung, eben solche, billligst zu habende Vorschläge gebiert wie Mindestlohn und Mietpreisbremse; eine Art Klimaschutz, dessen Vorantreiben hauptsächlich dem arbeitenden Verbraucher anheimfällt (indem zum Beispiel das Flugbenzin für seinen alljährlichen Urlaubsflug verteuert wird), gehört dazu. Vorschläge, denen sich beim besten Willen weder Staat noch Wirtschaft zu verschließen bräuchten, so die Auffassung einer Partei, die mit ihrer parlamentarischen Existenz den Pluralismus der demokratischen Gesellschaftsordnung und damit deren Legitimität aufhübschen darf. So sehen es auch die deutschen selbsternannten »Qualitätsmedien« als begrüßenswert an, daß Die Linke wieder im Bundestag Platz nehmen darf. Wenn das einem nicht verdächtig vorkommen mag?

____________________
¹ Soll man den Niedergang als »Linker« überhaupt beklagen? Oder als Argument nehmen? Für was denn? Für den Fehler, gegen Rußland einen Krieg provoziert zu haben? Aber wenn das gar kein Fehler eines Staates ist, sondern die folgerichtige Konsequenz aus ihren globalen, um nicht zu sagen: imperialistischen  Ansprüchen? Die allenthalben gepaart sind mit dem Rassismus einer solchen Nation, die vor keiner auch noch so gewaltigen Aufgabe zurückschreckt und dafür die eigene Wirtschaft gehörig in die Pflicht nimmt — auch sie soll schließlich ihren Beitrag leisten, einen Beitrag der sich freilich nur vorübergehend negativ in ihrer Bilanz niederschlagen soll.
² Die von ihr geforderte Reichensteuer heißt ja noch lange nicht, daß, durchgesetzt, davon auch nur ein Euro »unten« ankommt.
³ Die Linkspartei ist ja weit davon entfernt, sich in PgW (Partei gegen Wirtschaftswachstum) umzubenennen!

⁴ Offenbar fehlt so manchem deutschen Politiker in seinem nationalen Hochmut mittlerweile jedes Gespür für Diplomatie. Nicht in Einsicht dessen jedenfalls, was Diplomatie ist und wofür sie gebraucht wird. Im Falle Rußland wird Diplomatie sogar ausdrücklich abgelehnt; da setzt man bekanntlich ausschließlich auf eine andere politische Methode, den Gegenüber weichzuklopfen, auf Krieg.

© KoKa Augsburg, 11.03.2025
Feedback: info@koka-augsburg.com

bluete