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Was hat Augsburg mit Venezuela zu tun?
 

Der US-Präsident Donald J. Trump mischt sich militärisch in Venezuela ein.
Auch die Augsburger Kaufmannsfamilie der Welser wollte sich Venezuela als Kolonie einverleiben. 

Die Verbindung zwischen Augsburg und Venezuela ist historisch einmalig. Im Jahr 1528 schloß die Augsburger Bankiersfamilie Welser einen Vertrag mit Kaiser Karl V. ab [Die Abbildung zeigt den Boss Bartholomäus V. Welser 1484-1561]. Sie erhielten die Kolonie Klein-Venedig in Südamerika als Pfand für Schulden der Krone. Das Gebiet entspricht weiten Teilen dem heutigen Venezuela. Die Welser schickten Gouverneure und deutsche Siedler über den Ozean. Ihr Ziel war die Suche nach dem sagenumwobenen Goldland »El Dorado«. Die Verwaltung war jedoch von Konflikten und Gewalt geprägt. 

Nach knapp 30 Jahren endete dieses Kapitel deutscher Kolonialgeschichte. Die spanische Krone entzog den Augsburgern 1556 schließlich die Rechte an dem Territorium. Ein prominentes Mitglied der Familie Welser wurde in Venezuela getötet. Bartholomäus VI. Welser, auch bekannt als Bartholomäus Welser der Jüngere, fand dort ein gewaltsames Ende. ​Am 17. Mai 1546 wurde er zusammen mit dem Generalkapitän Philipp von Hutten hingerichtet. Ihr spanischer Rivale Juan de Carvajal ließ die beiden Männer heimtückisch gefangen nehmen und enthaupten. Die Tat ereignete sich in der Nähe des heutigen Quíbor, als sie von einer mehrjährigen Expedition ins Landesinnere zurückkehrten. Carvajal wurde später für diesen Mord selbst zum Tode verurteilt und hingerichtet.

​Die wirtschaftlichen Ziele und Tätigkeiten der Welser in Venezuela waren vielfältig, wobei viele Vorhaben letztlich an den harten Bedingungen vor Ort scheiterten. ​Geplante und getätigte Geschäfte:

  • Suche nach Edelmetallen: Das Hauptmotiv war die Suche nach Gold und dem legendären »El Dorado«. Die Welser schickten eigens etwa 150 deutsche Bergleute in die Kolonie, um Minen zu erschließen. Diese Expeditionen ins Landesinnere waren jedoch oft verlustreich und brachten nicht den erhofften Reichtum.

  • Sklavenhandel: Ein wesentlicher Bestandteil der Verträge (Asiento) war das Monopol auf die Verschleppung und den Verkauf von versklavten Menschen. Die Welser hatten die Erlaubnis, rund 4.000 afrikanische Menschen nach Venezuela zu bringen. Zudem wurden indigene Bewohner gefangen genommen und als Sklaven verkauft.

  • Landwirtschaft und Plantagen: Es gab Versuche, Zuckerrohrplantagen aufzubauen. Diese sollten durch die Arbeitskraft versklavter Menschen bewirtschaftet werden, um Erträge für den Export zu generieren.

  • Handelsmonopole und Steuervergünstigungen: Die Familie genoß weitreichende Privilegien, darunter Steuererleichterungen und das Recht, Beamte sowie Gouverneure einzusetzen. Sie gründeten Siedlungen wie »Neu-Augsburg« (heute Coro) und »Neu-Nürnberg« (heute Maracaibo) als Handelsstützpunkte.

​Die wirtschaftlichen Ziele der Welser konnten nur teilweise realisiert werden. Die hohen Kosten für die Expeditionen, tropische Krankheiten und Konflikte mit der indigenen Bevölkerung sowie spanischen Konkurrenten führten dazu, daß die Kolonie unrentabel blieb. 1556 endete die formale Herrschaft der Welser in diesem Gebiet endgültig.

06.01.2026
Ein Beitrag von Arno Löb, Augsburg
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