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Die Knackpunkte des US-Imperialismus
 

Es ist wahrlich keine spezielle Sache, die am Führungspersonal der USA, also derzeit an Präsident Trump und seiner Regierungsmannschaft, liegt. Es liegt an den unverrückbaren Interessen dieses Staates und seiner kapitalistischen Staatsräson. Die besteht in der Weltordnung, welche die USA nach dem Zweiten Weltkrieg etabliert haben, und in deren Vervollständigung, die eine dauerhafte Aufgabe ist. Gerade deshalb müssen dauernd Wirtschafts- und sonstige Kriege geführt werden. Für diesen Zweck gibt es regierungsunabhängige Thinktanks, die eruieren, wo und wodurch die als Gegner feststehenden Staaten am besten herausgefordert werden können. Zu diesen zählt das bekannte Trio Rußland, China und der Iran.

Die Lage heute, 2026, macht deutlich welche Drehpunkte für die USA entscheidend sind. Darunter ist das schwarze Gold das Entscheidende, an das auch die anderen Punkte gekoppelt sind: Zum einen mit dem Petrodollar der Dollar als Weltgeld schlechthin und zum anderen die Schiffahrts- und sonstigen Handelswege über die das Öl der Kontrolle der USA unterliegt beziehungsweise unterliegen soll.
 
Überall da, wo die USA direkten oder mittels eines Vasallen Zugriff auf die Reichtümer eines Landes haben, greifen sie sich diese. Das Öl ist ihnen ein wichtiger Rohstoff, Motor ihrer Wirtschaftsordnung schlechthin. Insofern die USA es nicht für eigene Zwecke verwerten können, so verkaufen sie es wieder und machen damit ein Geschäft. Das war auch der Grund, das abspenstige Venezuela unter Kontrolle zu bringen. Nach der Verhaftung von Präsident Maduro ließ sich die neue Regierung darauf ein, um wenigstens weiteres Blutvergießen zu vermeiden. Jetzt kann Venezuela nicht einmal über die Öleinnahmen für die Bewältigung der Erdbebenkatastrofe verfügen.
 
Das Gleiche geschah schon Jahre zuvor mit dem Irak, dessen Präsident unlängst wieder in Washington war, um sich auf Geschäfte mit den USA einzulassen. Er möchte sicherlich nicht den Saddam spielen und einen neuen Krieg mit den USA riskieren. Allerdings bekam er dafür die Anweisung mit, den Iran dazu zu veranlassen, die Straße von Hormus wieder zu öffnen, und überhaupt, möge er sich gegen jenen US-Feind wappnen.
 
Der Iran ist das größte Problem für die USA, weil der nicht daran denkt, ihnen willfährig zu sein. Die Straße von Hormus bleibt geschlossen und, so sie wieder geöffnet wird, unter Kontrolle des Iran.¹
 
Daran hängt das weitere Problem, daß die Golfstaaten keine Möglichkeit haben, ihr Öl und Gas zu verschiffen – es sei denn, sie lassen sich auf die Konditionen des Iran ein –, zumal die USA offenbar nicht in der Lage sind, die Blockade zu brechen. Dazu kommt, daß die jemenitische Huthi-Regierung in Sanaa die Straße von Bab al Mandab und das Rote Meer kontrolliert. Da nützt es den USA wenig, ihren jemenitischen Vasallen (der gleichzeitig einer Saudi Arabiens ist) in Aden nach wie vor als offizielle Regierung anzuerkennen, obgleich deren Territorium nicht weit reicht – im Westen und Norden sind die Huthis und im wenig besiedeltem Osten sind unter anderem al Qaida-Ableger zugange – und ihre Waffen nur allzu wenig ausrichten können. Dem kriegerischen Eingriff Saudi-Arabiens zugunsten dieser Pseudoregierung  haben die Huthis nun den auf Entscheidung drängenden Kampf angesagt.
 
Kurzum, für die Golfstaaten – Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sowie Oman – steht die Frage an, für wen sie sich entscheiden: weiterhin ein Vasall der USA zu bleiben oder aber aus diesem Status herauszutreten, mit dem Iran unausgesprochen gemeinsame Sache zu machen. Dabei haben die USA, wenn schon nicht länger die gewollte Handhabe eines militärischen Hebels, sie dazu zu zwingen, so doch den finanziellen. Denn die Erträge wurden (und werden weiterhin) in US-Dollar gemacht, die recycelt zum allergrößten Teil in den USA angelegt sind. Das war ein Grund dafür, daß Saudi Arabien das Angebot, BRICS-Mitglied zu werden, 2024/5 (noch) nicht angenommen hat. Jüngst, kurz vor dem us-amerikanischen Überfall auf den Iran wurde unter chinesischer Vermittlung eine Annäherung mit dem Iran in die Wege geleitet. Saudi Arabien war bereits dazu übergeganen, seinen Außenhandel zu diversifizieren, also (Öl-)Geschäfte ohne den US-Dollar, sondern vorzugsweise in Yuan abzuwickeln. Die USA in Bange, ihren Partner zu verlieren, haben nun den Saudis das Angebot gemacht, sie beim Aufbau friedlicher Nutzung von Atomkraft zu unterstützen. Außerdem steht im Raume, US-Datenzentren in diesem energiereichen Lande zu errichten. Freilich alles nicht bedingungslos, schließlich wissen sich die USA noch immer am längeren Hebel. Die Saudis sollen nicht nur einen BRICS-Mitgliedschaft ablehnen und sie sollen – das vermeinen die USA ihrem Günstling Israel schuldig zu sein –, die Abraham's Accord unterschreiben, also das israelische Terrorregime als Staat anerkennen, was bis dato nur die VAE und Bahrain getan haben. Das Saudi-Regime windet sich (noch) zwischen allen Fronten, wie das Verteidigungsabkommen mit Pakistan und der Türkei unterstreicht.
 
Nach Meinung der USA hat der Iran sein Öl den USA, denen es eigentlich gehören sollte, seit 1979 vorenthalten und es sei jetzt höchste Zeit, endlich eine Lösung anzustreben. Das also war der Beschluß zur Er- und Endlösung mittels Krieg: Die Befürchtung, der Iran könnte mit einer Atombombe sich endgültig unabhängig machen, sollte aus der Welt geschafft werden, denn damit wären ja auch Erdöl und Erdgas außer Reichweite. Auf keinen Fall sei es zuzulassen, daß der Reichtum Irans den konkurrierenden Mächten zufällt. Nötigenfalls müsse, so Trump, das ganze Land plattgemacht werden, ganz wie es der genannte, von den USA hochgerüstete Terrorstaat mit dem Gaza-Streifen und dem südlichen Libanon gemacht hat und das bekanntlich nicht nur einmal.
Die USA wollen beweisen, daß sie zu einer solchen Vernichtung die Durchsetzungskraft haben, weil sie die ihrer Weltanschauung nach haben müssen. Deshalb halten sie auch herzlich wenig von Diplomatie. Beziehungsweise was sie unter Diplomatie verstehen, ist reine Erpressung ihrer »Verhandlungspartner«.  Aus Erfahrung wissen sie, daß diese in aller Regel zu schwach sind, um sich wehren zu können. Dummerweise ist das im Falle des Iran nicht der vorgesehene Fall. Umso mehr sehen sich die USA verpflichtet, an diesem Staat ein Exempel zu statuieren. Jedes Einknicken müßten sich die USA als Versagen selber anrechnen.² Das ist der ganze Grund, daß der Krieg ums Öl weitergeht.

Nimmt man einmal an, Kuba wäre ein Ölstaat, die USA hätten nie gezögert, es im Handumdrehen zu überfallen und zu besetzen. Bei aller Blockade können die Kubaner noch froh sein, daß ihre Insel ökonomisch herzlich wenig zu bieten hat. Nichtsdestotrotz sind die US-Hardliner nun gewillt, die vorrevolutionären  Verhältnisse wieder zu installieren. Sicherlich böte sich damit die Insel aufgrund ihrer Größe prima als Ersatz für das Epstein-Eiland an. Das privilegierte bourgeoise Klientel der Superreichen, die Oligarchen wollen ja – möglichst unbehelligt – auf ihre Kosten kommen.

Unübersehbar ist, daß sich die USA mit ihrer stets aggressiven Politik selber – im wesentlichen ökonomische -– Sachzwänge geschaffen haben, die sie zur Neusortierung ihrer Positionen veranlaßt haben, wie der Diesel-Deal mit Rußland zeigt; plötzlich steht gar ihr Kiewer Lakai zur Disposition! So ändern sich zwar nicht die imperialen Zielsetzungen – Rußland bleibt nach wie vor eine zu erledigende Aufgabe –, sondern die aktuellen Prioritäten. Im übrigen kann man dabei zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Rußland soll gefälligst von den Europäern bekämpft werden, damit sich die USA auf den Iran und überhaupt auf Asien konzentrieren können. Gleichzeitig verbleibt auch Europa, abgeschnitten von billigen russischen Energieträgern, in der Abhängigkeit der USA; die europäisch-imperialistischen Ambitionen, den USA und dem Dollar Paroli bieten zu können, sind damit erledigt.
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¹ Es ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, daß die USA ihre ureigenen Zielsetzungen und ihre eigenen Berechnungen haben, die sich wahrlich nicht mit dem Beginn eines neuen Präsidentschafts-Zyklus ändern: Es ist also entgegen allen Gerüchten nicht so, daß Israel diese bestimmt, wenngleich es sie, im eigenen Größenwahn befangen, zu beeinflussen sucht. Es ist auch nicht so, daß zur Verschleierung der Epstein-Affäre der Krieg begonnen wurde, wenngleich er gelegen kommt, von diesem Skandal weiterhin abzulenken. Die Aktion »epic fury« ist keine »Epstein fury«.
² Die innenpolitische Opposition, die Demokratische Partei, macht sich das zu ihrer Sache und kritisiert am Krieg dessen Erfolglosigkeit. Und der liege am amtierenden Personal. Hinzu kommt der Verwurf, das Ukraine-Projekt zu vernachlässigen bzw. ganz zu verraten. Das ist nicht nur der Standpunkt der – von den Republikaner als links und fake news verachteten – Mainstream-Medien, auch der von Influencern wie zum Beispiel von Meidas Touch, ein YouTube-Portal, das fast 7 Millionen Abonnenten zählt.

 

23.10.2026 © Kommunikation & Kaffee Augsburg
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