koka
Die Abrechnung mit Stalin
Die Abrechnung, die Chrustschow seinerzeit vorgenommen hat, sollte, so hatte es KoKa vor Jahren schon angekündigt, einer genaueren Untersuchung unterzogen werden. Dieses Projekt ist nicht etwa in Vergessenheit geraten, doch hat es sich als umfänglicher erwiesen als zunächst angenommen. Eine Abrechnung mit den beiden Führern der KPdSU unter einem Marx würdigen Standpunkt wäre nämlich unzureichend, wenn nicht die Entstehung der Sowjetunion selber in Betracht gezogen würde. Das heißt, dieses Prpjekt ist nicht minder eine Abrechnung mit Lenin, Sinowjew und anderen, ihren Vorstellung einer »Revolution«, die sie auf die Machtfrage reduziert hatten. Die Arbeiterklasse sollte zwar die Revolution machen, doch sich dazu und darüber keineswegs selber emanzipieren. Eine solche Emanzipation würde die Revolution geradezu verhindern, zumindest jedoch auf unabsehbare Zeit aufschieben. Und das, wo sie angesichts des Elends der Massen unaufschiebbarer war [und heute noch ist!] als je zuvor. Diese verständliche Eile, die gesellschaftlichen Verhältnisse umzustürzen, fiel den Revolutionsführern freilich nach der in Rußland geglückten Revolution dann gehörig auf die Füße. Worum es seitdem geht, ist nichts anderes als die Räson eines Gewaltmonopols schlechthin: Etablierung einer Staatsgewalt und Schaffung von »Stabilität«, Anerkennung durch andere Gewaltmonopole, konsequenterweise unter ganz praktischem Verzicht auf eine Weltrevolution [Lenin selbst riet z.B. den italienischen Sozialisten davon ab, eine Revolution zu machen]. Wie unter einem solch neuen Gewaltmonopol das verehrte Proletariat vorkommt, ist keine Frage: Es bleibt Manövriermasse. Dann zwar nicht mehr eine des Kapitals, sondern als eine der Macht unmittelbare. —
Kurzum, das Projekt ist nicht vergessen, angesichts der uns viel mehr bewegenden Tagesereignisse weiterhin zurückgestellt. Schließlich muß für dieses Projekt auch jede Menge Literatur studiert werden, was einen gehörigen Zeitaufwand erfordert. All die Protagonisten der UdSSR haben je nicht gerade wenig gesagt und geschrieben, und über sie gibt es nicht weniger interessante und aufschlußreiche Literatur, man denke nur an Angelica Balabanoffs Buch über Lenin oder an die Biografien, die Isaac Deutscher über Stalin und Trotzki geschrieben hat. (30.12.13)

 

Arabische Weltjemen_al-ahram_20-09-11
In der neuen Ausgabe in der Reihe EDITION LE MONDE diplomatique (#11, 2012) geht es um die Arabische Welt. Darin liest man zum Beispiel über Syrien: "… Er [Assad] ermutigte zwar ausländische Investitionen, erlaubte private Banken und eine Börse, stärkte die Provatwirtschaft gegenüber dem Staatssektor, trieb den Ausbau des Internets voran und erleichterte Handel und Kommunikation mit dem Ausland. Die syrische Wirtschaft wuchs infolgedessen für einige Jahre deutlich, und das Pro-Kopf-Einkommen nahm nach Jahren der Stagnation wieder zu. Assad erneuerte auch die personelle Basis des Regimes. … Was ausblieb waren politische Reformen. …" Ein syrischer Gorbatschow, der vergessen hat, das Licht, sein Licht auszumachen. Da braucht er also Nachhilfe.
In einem Artikel über den »al-Jazeera-Effekt« ist folgendes zu entnehmen: "…Nach dem Sturz des Mubarak-Regimes beklagte sich der Journalist [Hafez al Mirazi] vor laufender Kamera, daß sein Sender [al Arabia] »es nicht wagt ein Wort über König Abdullah oder das saudische Regime zu verlieren«. Am Ende seiner Ansprache stellte er ein regelrechtes Ultimatum auf: »Wenn wir unsere Meinung nicht sagen dürfen, sollten wir Schluß machen. In der nächsten Sendung machen wir ein Experiment. Wir werden über die Auswirkungen [der ägyptischen Revolution] auf Saudi-Arabien berichten. Wenn das klappt, dann ist al Arabia ein unbahängiger Sender; wenn nicht, dann nehme ich dankend meinen Hut.« Es wurde tatsächlich al Mirazis letzter Auftritt bei al Arabia. …"
Über den Jemen: "…Nabila al Mofti, die Anwältin, bereitet jetzt eine Kampagne vor. für die politischen Rechte von Frauen. Wenn es nach dem Ende der Saleh-Ära auch [?] für die Frauen einen neuen Jemen geben soll, müssen sie dafür gewaltigen Druck machen. Das Auftreten der schwarzen Ninjas während der Revolution auf der Straße war für viele im Land ein Schock. Doch aus der Beteiligung auf der Straße wird nirgendwo automatisch Teilhabe in den Institutionen. …." Naja, vielleicht ist die Abschaffung von Diktatoren nicht ausreichend, die Institutionen sind ja auch nicht bloß Institutionen ohne Sinn & Zweck…
Anderes Thema, Fußball: "…Daß die Ultras [Fan-Gruppe, auch in Augsburg gibt es – wie in vielen Städten – eine solche Fangruppe] für die ägyptische politische Führung ein ernstzunehmender Gegner sind, zeigte sich auch an den Reaktionen auf die blutigen Fanzusammenstöße beim Spiel Al Masry gegen Al Ahlyam am 1. Februar 2012 in Port Said, bei dem 74 Menschen starben. Viele Beobachter vermuteten als Auslöser der Gewalt eine gezielte Provokation der Sicherheitskräfte. In den folgenden Tagen versuchten aufgebrachte Fans wiederholt das Innenministerium in Kairo zu stürmen – und wieder standen dabei die Ultras von Al Ahly und Zamalek Seite an Seite. … schlossen sich nun viele Ägypter ihrem Protest an. …In den letzten Jahrzehnten war Fußball in der ganzen Region stets mehr als nur ein Spiel. …"
Weitere lesenswerte Artikel behandeln die Arbeiterbewegung in der ägyptischen Revolution (»Die Weber von Mahalla«), die Fronten zwischen den islamischen Konfessionen (»Sunna gegen Schia«), die Kopten in Ägypten, Tunesiens demokratische Aussichten, die Frage, warum in Algerien eine Revolution ausgeblieben ist, die Despoten am Golf  [Bahrein, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate] (»Beihilfe zur Repression), das Verwaltungssystem im Westjordanland, Marokkos Politik der Einverleibung der Westsahara, einen Rückblick auf den Irak-Krieg, den aktuellen Kampf um die Macht in Libyen, eine Geschichte des libyschen Öls, China als eine Alternative für die US-Abhängigkeit Saudi-Arabiens, das Ende des saudischen Ölreichtums. [Abbildung: Ein Junge ruft Slogans neben einer Gruppe von Frauen, die mit jeminitschen Flaggen und einem Che-Guevara-Plakat gegen die Regierung von Präsident Ali Abdullah Saleh in Sanaa protestieren. Al Ahram, internat. Ausg. v. 29.09.11]
(30.05.12)

Amerikas geheimer Krieg in Laoshmong_laos
1962 begann der us-amerikanische Geheimdienst CIA ein geheimes Hauptquartier samt Militärflughafen in Laos aufzubauen, das er für den Krieg gegen das kommunistische Vietnam zu nutzen gedachte. Von Long Chong aus sollte dessen Nachschub- und Unterstützungsverbindung über den Ho-Chi-Minh-Pfad gekappt werden. Für ihr Vorhaben rekrutierte die CIA ein laotisches Bergvolk, die Hmong, das natürlich in seiner, den USA zupaß kommenden Unwissenheit über die politischen Verhältnisse belassen wurde. Das führte so weit, daß die Hmong auch dann noch weitergekämpft haben, als der Vietnamkrieg längst vorbei war und sich in Laos die ebenfalls kommunistische Pathet Lao durchgesetzt hatte.
Nun, sind die USA jemals vor einer Schweinerei zurückgeschreckt? Länder in die Steinzeit zurückbombardieren, das können die USA ausgezeichnet, wie wir wissen. Wer sich den Fall Laos, den es gelang, bis heute weitgehend geheimzuhalten, zu Gemüte führen will, dem sei die bei Zweitausendeins die als DVD erschienene, ausführliche Dokumentation von Marc Eberle empfohlen. [Abb.: Ausgenutzte Unwissenheit: Hmong-Kämpfer]
Wer sich eine Dokumentation zu Vietnam selber anschauen will, dem seien die beiden DVDs »Apokalypse Vietnam« (Ottonia Media) empfohlen, auf denen in fünf Teilen der Krieg und die jeweils aktuellen politischen Berechnungen nachgezeichnet werden: Ausgehend von der französischen Niederlage in Dien Bien Phu 1954 über den Kreuzzug der USA bis hin zum ihrem Abzug sowie ihren Hinterlassenschaften an menschlicher und sonstiger Zerstörung. Für die Durchsetzung der Ideologie von Freiheit & Demokratie sind diese Kosten als notwendig betrachtet worden. Vom heutigen Standpunkt aus erscheinen sie den gleichen Imperialisten für kropfüberflüssig. Was jedoch keineswegs einen Einfluß auf aktuelle Kriegsentscheidungen hat!
(25.02.12)

Japan und seine »Großraumwirtschaft« 
Japan hat für ein Empire gegen den Westen Politik gemacht, bis 1945. Von dieser Linie ist es – ähnlich Deutschland – nur ungewollt und sehr bedingt abgewichen, nachdem ihm nichts anderes übrigblieb, als sich mit den USA ins Benehmen zu setzen, wollte es denn wieder auf die Beine kommen. Und es kam auf die Beine. Den eklatantesten Beweis für diese Haltung liefert die japanische Atompolitik, die sich über »Hiroshima« und »Nagasaki« sehr ignorant hinweggesetzt hat; nicht minder beweiskräftig ist die raumgreifende Wirtschaftspolitik, die vor einer hohen Staatsverschuldung bis heute nicht zurückschreckt. Es scheint fast so, daß Japan die erste Nation ist, die begriffen und danach gehandelt hat, daß der auf Gewalt fußende Nationalkredit die Grundlage der Wirtschaft und ihres Wachstums ist, und nicht umgekehrt, ein Wirtschaftswachstum Voraussetzung für staatlich-imperiale Ambitionen größeren Kalibers, ein Wirtschaftswachstum, welches ja gleichsam automatisch erfolgt, wenn es nur entsprechend angeschoben wird. »Vernunft« in Sachen nationalen Haushaltens wird bekanntlich anderen Staaten empfohlen.
Mit der japanischen Politik in der Zeit des II. Weltkriegs setzt sich Janis Mimura auseinander in dem Artikel »Japan's New Order and Greater East Asia Co-Prosperity Sphere: Planning for Empire«; den Begriff »Großraumwirtschaft« verwendet er im Original-Deutsch. Mit der Atompolitik Japans seither befaßt sich Satoko Oka Norimatsu in dem Beitrag »Fukushima and Okinawa«.
(09.12.11)

INDIEN und andere Staaten
Anknüpfend an die Indien-Spezialausgabe der le monde diplomatique ist ergänzend einiges zum Bewußtseinsstand erwähnenswert. Wie ein indischer Intellektueller, der in den Augsburger Neuesten Nachrichten zu Wort gekommen ist, sich doch vor 100 Jahren darüber täuscht, was mit der politischen Befreiung aus dem Kolonialzustand erreicht werden kann und wird, ist deshalb interessant, weil man mittlerweile in Indien wie in China und anderen aufstrebenden Staaten der »Dritten Welt« zu der Erkenntnis gelangt ist, daß eine ökonomische Emanzipation von den imperialistischen Mächten mindestens genauso erforderlich ist und weil in anderen, in den arabischen Staaten die Lüge aufgeflogen ist, die Statthalter des Imperialismus würden die politische Unabhängigkeit verkörpern und ihr gerecht werden; also von wegen, daß eine »nationale Bürokratie«, wie der Inder schreibt, leichter zu ertragen wäre. Auf der anderen Seite der nationalen Berechnungen stehen allemal die sozialen Kosten. Man erinnert sich, daß Indiens Unabhängigkeit 1947 einen gewaltigen Blutzoll forderte, hauptsächlich auf die Sortierung nach Religionsgemeinschaften zurückzuführen, die Muslime erhielten ihren Staat Pakistan, während Rest-Indien Hindustaat wurde. Die Minderheiten in beiden Staaten haben es heute noch schwer, sich zu behaupten; von den zwischenstaatlichen Streitigkeiten – wie vor allem Kaschmir – gar nicht zu reden. Der ökonomische Zoll ist ebenfalls nicht gering, die Anzahl der Hungerleidenden ist bis heute gestiegen und steigt weiter, gerade mit dem nationalen Programm sich ökonomisch zu emanzipieren. Die erdrückende Last ökonomischer Abhängigkeit von den imperialistischen Staaten bei gleichzeitigem Kampf um die Bewahrung politischer Souveränität ist einzig ein Argument dafür, hier in einem Zentrum des Kapitalismus für Entlastung zu sorgen, will man nicht, daß es dort so weitergeht wie bisher. Auch die arabischen Staaten haben bei allen Aufständen keine Chance. Der westliche Luftkrieg in Libyen kann der dortigen Befreiungsbewegung zwar zum Erfolg verhelfen, daß die westliche Hilfe aber in nichts anderem besteht als geheuchelter Humanität, ist nicht zu übersehen; die Berechnung zielt auf ein neues willfähriges Regime an den Gestaden des Mittelmeers. Anderswo steht der Westen in all seiner Freiheit bedingungslos hinter seinen blutrünstigen diktatorischen Vasallen (Jemen, Jordanien, Saudi-Arabien, Bahrein, Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait, Katar, Marokko und nicht zu vergessen: Israel).
Zurückzukommen auf Indien: Auch heute gärt es wieder auf dem indischen Subkontinent. Je freier sich diese Gärung von religiösen und nationalen Vorstellungen macht, desto besser. Allein den Imperialismus zurückzuschlagen, obliegt ihr freilich kaum. (16.04.11)

INDIEN – Sonderausgabe der le monde diplomatiqueIndien_2010

Wer an der Betrachtung des heutigen Indiens und sein Werden seit der Kolonialisierung Interesse hat, kommt an dieser Ausgabe nicht vorbei.
Nur ein Beispiel aus dem umfassenden Inhalt: Die Freihandelswünsche der EU mit Indien – die EU möchte Zollsenkungen auf 0 Prozent durchsetzen, was die Massenverelendung im landwirtschaftlichen Sektor erheblich vorantreiben würde, wo z.B. heute noch 12,4 Millionen Bauern täglich 21,5 Millionen Liter Milch an die dörflichen Produktionsgenossenschaften abliefern. Die hochsubventionierte EU-Milch einmal zugelassen würde ein Massenelend erzeugen – zusätzlich zum Bestehenden; Beispiele dafür in Kolumbien und Süd-Korea gibt es ja schon, wenn auch in quantitativ nur ein Bruchteil davon. Und hierzulande führt sich die Lobby der Milcherzeuger auf – nach eigenen Angaben noch rund 93500 Betriebe, die nun wirklich keine Bauern mit 2 bis 4 Milchkühen im Stall (die wurden dank CSU- und EU-Politik gründlich gelegt), sondern allesamt Großagrarkonzerne sind -, wenn sie selber mehr denn je der Konkurrenz ausgesetzt sind. Was sie nicht so gern erwähnen, ist, daß sie von Staat und EU Millionen in den Arsch gestopft bekommen, womit sie fähig sind, mit ihrer Dumpingmilch für jede Menge Elend auch in deutschen Nachbarstaaten wie Polen zu sorgen.
Hier das Inhaltsverzeichnis (pdf) [Abbildung aus dem Inhalt]

Filmtip:   BAARÌA  *******baaria_liliom
Erstaunlich wie es Giuseppe Tornatore gelungen ist, in zweieinhalb Stunden einen Film über die Geschichte Siziliens zu skizzieren, beginnend unter der Ära des Duce. Er zeigt die Welt aus der Perspektive des kleinen Ortes Baarìa, aus der Perspektive der "kleinen Leute" dort. Der Film ist eingewickelt in eine Liebesgeschichte, ist aber viel mehr, er ist ein Politikum, das keine Tabus vor Göttern kennt und sei es die Kommunistische Partei selber. Deren Opportunismus wird mit dem Einzug in die Parlamente überdeutlich; allein wieviel – von einem nicht-opportunistischen Standpunkt aus: nutzlose – Anstrengungen dafür in Wahlkämpfen aufgewendet werden… und dann werden die Kommunisten bloß wegen der Mafia gewählt, die sie als einzige bekämpfen – als Vertreter ordentlicher staatlicher Verhältnisse, die sie schon für geradezu sozialistisch halten und deren Illusionen sie nicht entlarven – können oder wollen. Als wacher Arbeiter kann man das gesellschaftliche Spiel, in der die PCI eine Rolle zu übernehmen beginnt, leicht durchschauen. Die Partei jedoch zieht es vor, sich in der Dummheit ihrer eingebildeten Größe und Alternativlosigkeit mit den ungebildeten Volksmassen zu verschmelzen, und zieht sich so letzten Endes nur den Unmut vieler zu.
Die sonstigen Schönheiten, die Lachnummern und gekonnten Darstellungen des Alltagslebens. (18.05.10)

bluete
Dokumentarfilme (1912-1988) von Joris Ivens jetzt auf 5 DVDs bei Absolut Medien erschienen:indonesia_ivens
Im Jahre 1988 fand auf den »Tagen des Unabhängigen Films in Augsburg« eine Werkschau statt, die so beeindruckend war, daß diese Filme für jeden nur empfohlen werden können:
Die Zeitung analyse & kritik widmet in ihrer November-Ausgabe anläßlich der DVD-Erscheinung einen Artikel. Hier ein Text aus der Programmbeilage des 1988-Filmtage über den Film:
Indonesia calling,  Erstaufführung: Sydney, 08.09.1946
Der erste antikolonialistische Film nach dem 2. Weltkrieg. Ivens filmt im Hafen von Sydney den Streik indonesischer Seeleute, die sich weigern, auf holländischen Kriegsschiffen zu arbeiten und gegen ihre junge Republik – ehemals Niederländisch-Indien-auszulaufen. Ohne jegliche Unterstützung und mit spärlichem Material, geschützt von Matrosen und Dockarbeitern, filmte Ivens die Streikaktionen, deren Bedrohung durch australische Polizei und holländische Agenten, die Solidarisierung von Seeleuten aus "aller Herren Länder". Von der Zensur in Australien und Holland verboten, gelangten dennoch Kopien des Films ins kämpfende Java, als wichtigstes Zeichen internationaler Aufmerksamkeit und niederländischer Propaganda zum Trotz.

Der erste antikolonialistische Film nach dem 2. Weltkrieg – die historische Situation
„Die Niederlande hatten eine große Anzahl Schiffe in den Häfen Australiens liegen, die Waffen und Munition an Bord hatten, um in Indonesien zu intervenieren. Die Schiffe waren mit indonesischen Seeleuten bemannt. Diese streikten und weigerten sich, die niederländischen Schiffe nach Java zu bringen.
Vierzehn australische Dockarbeiter-Gewerkschaften lehnten es ab, diese … Schiffe mit Kriegsmaterial zu beladen. Daraufhin schlossen sich die chinesischen, australischen, malaiischen und indischen Seeleute dem Streik an … Die gefilmten Aktionen bildeten den ersten antikolonialen Film nach dem Krieg: 'Indonesia Calling'.“ *

Spontane Anteilnahme und Unterstützung mit dem Dokumentarfilm
„Die Indonesier weigerten sich, als Besatzung auf holländischen Kriegsschiffen zu dienen, die gegen ihre junge Republik eingesetzt werden sollten. Etwas, das laut danach schrie, gefilmt zu werden.
Aber wie soll man das machen, ohne Geld, ohne Mannschaft, ohne Kamera? Wieder einmal fand Joris Ivens einen Ausweg. Man warf mir eine alte Kynamo in die Hände, die irgendwo aufgetaucht war, zusätzlich einige Filmspulen aus Kriegsbeständen … und von seinem, im Haus der Gewerkschaft der Seeleute eingerichteten Hauptquartier aus leitete Joris Ivens die Dreharbeiten; das Szenarium lieferten uns die täglichen Ereignisse…
… die Ereignisse waren genauso eindrucksvoll wie eine Schlacht, und wir mußten uns immer mit der Kamera an der Backe an einer Front befinden. Zuguterletzt, als alle bespielten Filmspulen zusammengetragen waren, spannend, zerrissen und unbleich, machte sich Joris mit Ruhe und Beflissenheit an die Montage des Films, Er setzte aus Einzelteilen und kleinen Stücken die Geschichte zusammen, als ob es darum ginge, zwischen sagenhaften Reichtümern zu wählen. Um ihn und den Film versammelten sich Freiwillige, die zu den talentiertesten kreativen Menschen Australiens zählten: Catherine Duncan machte den Begleittext, den Peter Finch sprach, und alle arbeiteten sie ohne Ruhm, ohne Entgelt, aber gemeinsam mit Joris Ivens und im Einlang mit dem Gang der Geschichte.“**

„Der Film wurde aus dem Nichts geschaffen. Kodak wollte der Gewerkschaft keinen Negativfilm liefern, die direkten Produktionskosten wurden von der Waterfront Union of Australia bezahlt. Wir hatten eine kleine Kinamo-Kamera (vom selben Typ wie die, mit der ich 1928 'Die Brücke' aufgenommen hatte). Der Kameramann, oder besser die 'Kamerafrau', Marion Michelle, konnte mit dem Federwerk ihrer Kinamo nur Aufnahmen von einer Maximumlänge von sechs bis sieben Meter machen, das heißt zwölf bis vierzehn Sekunden, und sie hatte wenig Filmmaterial zur Verfügung. Wir mußten also kolossal aufpassen und sparsam mit dem Film umgehen. Mit Hilfe der Dockarbeiter und Matrosen filmten wir die Streikaktionen, bedroht von der australischen Polizei und niederländischen Wichtigtuern. Mit technischen Tricks, viel Mühe und Not haben wir den Film zustandegebracht, der gerade dadurch etwas Ergreifendes hat; er ist kämpferisch und umspektakulär, und dennoch fühlt man, daß sich dahinter große Dinge abspielen.“*

Sowohl in den Niederlanden als auch in Australien wurde der Film verboten. Dennoch gelangten Kopien des Films ins kämpfende Java, als wichtiges Zeichen internationaler Aufmerksamkeit und Solidarität, niederländischer Propaganda zum Trotz:
„In Sidney stellten wir mit der Hilfe indonesischer Matrosen eine malaiische Version auf 16-mm-Schmalfilm her. Zwei Kopien dieses Films kamen über Singapur mit einem kleinen Segelschiff, das die niederländische Blockade durch brach, nach Java. Abend für Abend wurde der Film, manchmal heimlich im Freien, der Bevölkerung, Tausenden von Menschen in den Städten und Dörfern, vorgeführt. Der Film zeigte die internationale Solidarität mit der jungen Republik und widersprach in überzeugender Weise den Erzählungen niederländischer Propagandisten, die behaupteten, niemand in der Welt kümmere sich um das indonesische Volk und seine Unabhängigkeit. Der Film ist ein gutes Beispiel für einen einfachen, kurzen, militanten Dokumentarstreifen, der eine scharfe und nützliche Waffe im Freiheitskampf eines Volkes werden kann.“*

Joris Ivens – persona non grata
Für Joris Ivens hatte der Film zur Folge, daß sein Pass von der niederländischen Regierung eingezogen und er selbst zur "persona non grata" erklärt wurde. Erst im Jahre 1956 – zehn Jahre nach den Ereignissen in Sydney – wurden seine vollen Bürgerrechte wiederhergestellt.
______
* aus: Joris Ivens, Die Kamera und ich
** aus: Marion Michelle, Paris 1965


Zur politischen Ökonomie des Iran des Jahres 2000 (GegenStandpunkt-Artikel; pdf)

Überblick über die US-Kriege und -Militärinterventionen seit 1945

Interview zur (außenpolitischen) Geschichte Jugoslawiens (mp3)

A Letter from Miami

Iran_stamp_US_attackSudan

Vor 20 Jahren: Als die USA ein iranisches Zivilflugzeug abschossen

Ein Beitrag zur Geschichte Mexikos zwischen den rivalisierenden Imperialisten

Die Zerschlagung Jugoslawiens 1992 – heute

Die Geschichte Zyperns

Epidemie des Jahres 2006: Die Vogelgrippe

2005: 25 Jahre Gewerkschaft Solidarność
hierzu das vergriffene Standardwerk:
Karl Held: Abweichende Meinungen zu Polen · Resultate Verlag 1982
(Restexemplare antiquarisch unter www.eurobuch.com)

Der Staatsbankrott Argentiniens 2001:
Vom reichsten Staat Lateinamerikas zum Armenhaus

1998: 150 Jahre Kommunistisches Manifest

Anmerkungen zu Kambodscha 1966 bis 1975

Italien ab 1967 – Geschichte der potere operaio

Das US-Interesse in & an Indonesien 1965

Die 50er Jahre: Die Lüge vom deutschen Wirtschaftswunder


Linke Vergangenheit und ihre Bewältigung in der BRD Beiträge über Joschka Fischer (22.12.07), Kurt Beck (08.12.07), Wal Buchenberg, Günter Ackermann (beide 31.10.07) Irgendwem ist aufgefallen, daß bei KoKa eine Rubrik fehlt: Die des Anarchismus. Aber warum für diesen Käse auch noch eine Rubrik aufmachen, schreibt doch ihr Vordenker Michail Bakunin selbst dagegen an: "Das Volk unterrichten? Das wäre dumm. Das Volk weiß selbst und besser als wir, was ihm not tut. Wir müssen das Volk nicht unterrichten, sondern es empören." (Постановка революционнаго вonpoca, Mai 1869) Mögen die Anarchisten also so dumm bleiben wie ihr geliebtes Volk! [Zum Begriff „Volk“ siehe: GegenStandpunkt 1/2006: Das Volk – eine furchtbare Abstraktion. Der Artikel enthält u.a. einen Exkurs über „kommunistische“ „Volksdemokratie“ und linke „Volksbefreiungsbewegungen“.]


polen_israel_falklands Falkland-Krieg — Israel — Polen:
3 Fälle imperialistischer »Verantwortung«


Chrustschows historische Rede 1956:
Eine rein moralische Abrechnung mit Stalin  — also alles andere als eine marxistische Kritik des Stalinismus (in Arbeit)


Von der Besatzung durch den Faschismus zum Vasallen des Imperialismus:
Griechenland in den Jahren 1944 bis 1949 (in Arbeit)


Revolution in Brasilien 1935 — war da was?

1932: Die KPD in den Zeiten der Wirtschaftskrise

Ben Hecht: Die Revolution in Bayern 1919


politiker_spdZiel: Deutsche Weltherrschaft
Ihre Taten für Deutschland und ihre nationale Scharfmacherei sind ihnen ins Gesicht geschrieben:
Infam, menschenverachtend, staatsgeil, rassistisch. Wer stopt sie? Hier ein paar Originalzitate der SPD-Obernationalisten:
Clement: "Wir haben bisher höchstens ein Drittel des Weges zurückgelegt, den Deutschland insgesamt zurücklegen muß."— Verheugen: "Europa muß Weltmacht werden." — Steinbrück: "Deutschland muß in die Champions League." — Steinmeier (zur Außenpolitik): "Deutschland muß noch viel internationaler werden." — Struck (nicht im Bild): "Deutschland wird am Hindukusch verteidigt." [heißt doch eigentlich so: „Deutschland muß natürlich auch in Afghanistan für Recht und Ordnung sorgen.“ – Wenn man die richtige Sprachregelung nicht drauf hat, kann man nie Kanzlerkandidat werden!]

bluete