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Eine leider immer wiederkehrende Frage

Gibt es neben einem schlechten auch einen guten Nationalismus? 

gerade zu Zeiten einer Fußball-Weltmeisterschaft und noch dazu, wenn sie im Staate Katar stattfindet, von dem man 1. weiß, daß nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung einheimisch ist, daß 2. der dortige Emir die einheimisch mehrheitlich schiitische Bevölkerung unterdrückt und 3. mit dem der deutsche Wirtschaftsminister, der der grünen Obermoralistenpartei angehört, im deutsch-nationalen Interesse verhandelt.

Kann bei der Klärung dieser Frage ein bulgarischer Altkommunist weiterhelfen oder die deutsche »Bundeszentrale für politische Bildung«? Oder muß gar Zeus mit Blitz und Donner dreinschlagen?

Der bürgerlich-demokratische Sachverstand gibt darüber folgende Auskunft: Nationalismus der schlechten Sorte ist einer des übersteigerten Nationalbewußtseins. Vernünftiger Nationalismus ist ein vernünftiges Nationalbewußtsein, das man besser als Patriotismus bezeichnet [1]. Gegen einen solchen gemäßigten Nationalismus könne insofern niemand etwas einwenden, da der gleichsam naturwüchsig sei. Mit dieser Definition soll eine strikte Trennung zwischen dem Faschismus, der auf übersteigertem Nationalbewußtsein fuße, und der Demokratie gezogen sein. So strikt, daß sich der Staat vorbehält, allerhand nationalistische Umtriebe für mal mehr und mal weniger patriotisch verständlich und damit für mehr oder minder zulässig zu halten! [2]
 
Entscheidend ist dann und dabei die Frage, was die Nation in der dauernden Konkurrenz mit anderen Nationen voranbringt und was nicht – und wie sie das tut. Der Faschismus hat dabei einen klaren Nachteil: Er hat mit seiner Endniederlage im Zweiten Weltkrieg seine Minderwertigkeit unter Beweis gestellt. Der demokratische Nationalismus hingegen hat sich weltweit durchgesetzt und zuletzt auch seinen großen Gegenspieler, die Sowjetunion samt ihrer Trabanten, von seinem nationalen Erfolgsrezept überzeugen können. 
Nichtsdestotrotz, das sei nicht unerwähnt, beweisen faschistische Nationalisten heutzutage ihren ungemeinen Nutzen für die demokratischen: In der Ukraine lassen sich dortige Faschisten, angereichert durch im Ausland angeheuerte, gegen die bösen Russen prima verheizen. Und nicht zuletzt sorgen faschistische Parteien bei so gut wie allen Wahlen in Europa für eine höhere Wahlbeteiligung, eine lebendige Demokratie also; jedenfalls solange sie nicht die Regierung übernehmen und dort etwas ganz anderes durchsetzen als die deutsch-europäische Oberaufsicht verlangt.

Damals, vor nahezu 100 Jahren warfen die Faschisten den Nationen, deren Regierung sie schließlich übernommen hatten, erfolgreich Mißerfolg vor. Also genau dasselbe, wofür sie sich nach dem Zweiten Weltkrieg die Retourkutsche eingefangen haben und was ihre Nachkriegsmarginalisierung bewirkt hat. Doch genau dieser kausale Zusammenhang wird bei der bloßen Gegenüberstellung, einem Vergleich der beiden Arten von Staatsräson ignoriert und somit geleugnet. Und in ihrer Rechtfertigung nehmen sie sich nichts, da mokiert sich die eine über die andere höchst moralisch. Die demokraischen Vergangenheitsbewältigung strotzt aufgrund ihrer sachlichen Ignoranz nur so von moralischer Überheblichkeit gegen die, die die Faschisten an den Tag gelegt haben, geradezu notwendigerweise. [3]

Ein guter Kommunist hat sich ab 1933 natürlich die Frage gestellt, wie der Faschismus so erfolgreich sein konnte. In Italien und Deutschland (etwas später auch in Spanien und Griechenland) war er zur Macht gelangt, in anderen Ländern gab es zum Teil starke faschistische Strömungen.
Ein besonders kämpferischer Kommunist hat dann auf der Tagung der II. Kommunistischen Internationale am 2. August 1935 in Moskau eine Leitlinie erstellt, die es in sich hatte. Er unterzog die kommunistischen Parteien einer schonungslosen Selbstkritik. Diese machte er am »Nationalismus« fest und zwar so [4]:

Wir Kommunisten sind unversöhnliche grundsätzliche Gegner des bürgerlichen Nationalismus in allen seinen Spielarten. 

Das bräuchte man ja nicht extra zu erwähnen. Man könnte vielleicht hinzufügen, daß der Kapitalismus in Form nationaler Konkurrenz global die Arbeiterklasse ausnützt und deshalb – man kann es mit einem geflügelten Wort sagen – die Arbeiterklasse aller Länder gut beraten ist, sich zu vereinigen. Auffällig ist jedoch das Adjektiv, das der Redner dem Begriff Nationalismus hinzufügt. Gibt es denn einen anderen, unbürgerlichen Nationalismus? Offenbar, denn der Aufkärer fährt folgendermaßen fort:

Wir sind aber keine Anhänger des nationalen Nihilismus und dürfen niemals als solche auftreten. Die Aufgabe der Erziehung der Arbeiter und aller Werktätigen im Geiste des proletarischen Internationalismus ist eine der grundlegenden Aufgaben jeder kommunistischen Partei. Aber derjenige, der glaubt, daß ihm dies gestatte oder ihn gar veranlasse, alle nationalen Gefühle der breiten werktätigen Massen zu mißachten, der ist vom wirklichen Bolschewismus weit entfernt, hat von der Lehre Lenins und Stalins über die nationale Frage nichts verstanden.

Nationale Gefühle bei der verehrten Klasse? Erzbürgerliche Gefühle bei der verehrten Klasse? Da könnte man sich doch fragen, wie ist das möglich? Woher kommen die? [5] Ja, was hat es mit dem Nationalismus überhaupt auf sich? Das freilich unterstellt er als nicht weiter einer Erörterung nötig. Er will offenkundig vermeiden, den Zusammenhang zwischen Staat und Staatsvolk anzusprechen und das Hoch, das ein Volksgenosse seinem Staat zuspricht, wenn er sich dem zugehörig wertschätzt. [6]

Er umgeht zielstrebig die Frage: Was kann man tun, wenn schon die Aufgabe lautet, die Arbeiter im Geiste des proletarischen Internationalismus zu führen, sie also zu solcher Gesinnung zu bringen, wenn sie der offenbar entbehren, obwohl sie ihrer bedürfen? Oder soll dieser internationalistische Geist doch schon irgendwie vorhanden sein? Jedenfalls soll er sich offenkundig mit der anderen vorzufindenden Gesinnung der Arbeiter vertragen: Der Agitator beteuert schichtweg, daß, wenn nationale Gefühle in der Arbeiterklasse vorherrschen, die unmöglich bürgerliche Gefühle sein können und eben deshalb auch ihre Berechtigung haben und die Anerkennung durch Kommunisten genießen müssen. 
Und er beruft sich dabei auf eine historische Abhandlung Lenins:

Ist denn uns großrussischen klassenbewußten Proletariern das Gefühl des nationalen Stolzes fremd? Gewiß nicht!

Doch es ist eben sehr die Frage, ob jene damals ihre Aufstände gegen die zaristische Unterdrückung klassenbewußt geführt haben oder eben so, daß sie ihr Klassen-Bewußtsein in ein nationales übersetzt haben. Ja, wenn man im nationalen Sinne agiert, so glaubt man ja heute noch und nicht nur in Rußland, dann gebührt einem allenthalben Anerkennung und man erheischt sie auch ganz jenseits seiner Klassenzugehörigkeit von allen anderen, insbesondere von Einflußreichen und Mächtigen. Jedenfalls hat den nationalen Revolutionsversuchen damals schon der bolschewistische Gütestempel aufgedrückt werden müssen. 
Auf diese Weise verblieb selbst die Oktoberrevolution den Russen vor allem als eine nationale Errungenschaft im Gedächtnis. So sehr, daß selbst die Führung letztendlich ganz nonchalant die soziale Komponente – das staatlich verwaltete Proletariat hing ihr wie ein Klotz am Bein – über Bord warf (1991) und allein national sich fortan gefordert fühlt. Grund dafür sind insbesondere die internationalen Herausforderungen, welche die Sicherheitsinteressen Rußlands erheblich tangieren. 
Dies schlägt selbstverständlich nach innen durch — eben in der Beanspruchung und in einer nationalen Agitation des Staatsvolks. Anschaulich zum Beispiel am Sender Russia Today [RT deutsch], der — allen geschichtlichen Erfahrungen zum Trotz — auch nach außen eine Propaganda betreibt, die hierzulande offenbar Positionen eines alternativen Nationalismus für hofierungswürdig erachtet. Und zwar deshalb, weil der Sender dem deutschen Publikum einen wahren Nationalismus anempfehlen möchte, einen, der sich von dem unversöhnlichen der deutschen Regierung in jeder Hinsicht unterscheiden soll.[7]

Kurzum, allüberall wird die soziale und die nationale Frage nicht als der Gegensatz schlechthin gesehen, immerzu wird die soziale Frage der nationalen untergeordnet, zur Disposition gestellt. Eine Erkenntnis, auf die Marx eben schon sehr früh gestoßen war, als er zusammen mit einigen Freunden die Proletarier aller Länder zur Vereinigung aufrief. Später, in seiner Kritik an Lasalle, betont Marx, dieser habe die Arbeiterbewegung vom engsten nationalen Standpunkt gefaßt.[8] Und Marx stellt klar, daß der Kampf der Arbeiterklasse »nicht dem Inhalt nur der Form nach« national ist, wobei die Form nichts mit dem Bewußtsein zu tun hat. Der Agitator des linken Nationalismus hingegen sieht sich selbstredend gezwungen, sich in seiner Marx revidierenden Haltung zu rechtfertigen: Er dementiert einfach den Widerspruch, indem er die Formen anders faßt:

Der proletarische Internationalismus muß sich in jedem Lande sozusagen »akklimatisieren«, um auf heimatlichem Boden tiefe Wurzeln zu fassen. Die nationalen Formen des proletarischen Klassenkampfes und der Arbeiterbewegung der einzelnen Länder widersprechen nicht dem proletarischen Internationalismus, im Gegenteil, gerade in diesen Formen kann man auch die internationalen Interessen des Proletariats erfolgreich verteidigen. …
Man muß … durch den Kampf der Arbeiterklasse und durch Aktionen der kommunistischen Parteien zeigen, daß das Proletariat, das sich gegen jede Knechtschaft und gegen jede nationale Unterdrückung auflehnt, der einzige wirkliche Kämpfer für die nationale Freiheit und Unabhängigkeit des Volkes ist.

Diesen Fehler, vorherrschende nationale Borniertheit nicht anzutasten, kann man auch an einem westeuropäischen Beispiel jüngeren Datums – ganz jenseits eines kommunistischen Anspruchs – studieren: An der britischen Labour Party. Ihr Chef Jeremy Corbyn führte die Partei mit einem sozial sehr anspruchsvollen, für eine sozialdemokratische Partei wirklich außerordentlichen Programm [9] in den Wahlkampf 2019 und fuhr eine deutliche Niederlage ein, verlor sogar in Arbeiterhochburgen deutlich. Warum? Die gegnerische Konservative Partei setzte mit ihrem EU-Ausstiegsprogramm voll auf den Nationalismus der Wähler. Nur so, als nationales Vehikel, versprachen sich die Allermeisten eine wesentliche Verbesserung ihrer materiellen Lage. Die Labour Party hatte sich zwar sozial aufgestellt, war aber dem Ausstiegsprogramm ihrer Gegner nicht, schon gleich nicht offensiv entgegengetreten, weil sie dem nationalen Bewußtsein ihrer Wähler nicht zu nahe zu treten gedachte. So kam es, wie es kommen mußte: Die Arbeiter sind bestens bedient worden und die Labour Party hat wieder einen anständigen, national abgeklärt denkenden Blair, äh Chef!

Nun wähnt sich der Redner von 1935 schuldig, aufzuzeigen, wie der Faschismus verhindert hätte werden können bzw. — dort wo er noch nicht an der Macht war — verhindert werden kann. Und eine gewisse Konsequenz läßt sich seinem Denken nicht abstreiten: Wenn er schon den Nationalismus nicht grundsätzlich kritisieren will, bleibt nur eine Möglichkeit: Ihn aufzuspalten, und zwar in einen guten, der Verständnis erheischt, und einen schlechten, dem man vom guten unter- und abscheiden muß. So einfach das theoretisch klingt, so schwierig ist die praktische Umsetzung. Der Meisterdenker verkopft sich in Bündnisse mit denen, bei denen man die nationale Haltung entschuldigen kann und muß, sofern sie nämlich ihre politische Manövriermasse in der Arbeiterklasse haben. Auf ökonomischer Ebene plädiert er für eine Einheitsgewerkschaft. Er empfiehlt allen KP-Mitgliedern sich in einer solchen einzufinden, um diese, auch wenn sie jene nicht dominieren können, zu stärken – wofür ist dabei schon ziemlich einerlei. Auf politischer Ebene empfiehlt er eine Einheitsfront mit der seit Jahr und Tag ausschließlich national denkenden Sozialdemokratie, einer Partei, deren Sozialität sich neben einer Notverwaltung der kapitalistischen Verwertungsmasse in warmen Worten erging (und bekanntlich noch heute ergeht). Darüber müsse man als Kommunist angesichts des höheren Zwecks, der Verhinderung des Faschismus, hinwegsehen. Und wenn man nicht so genau hinsieht – insbesondere keinen Zusammenhang zwischen dem herkömmlichen und dem faschistischen Nationalismus wahrhaben möchte, den die KPs übrigens bis dato durchaus wahrgenommen hatten –, dann fällt das auch nicht allzu schwer. Selbstverständlich vergißt er weder die Jugend noch das weibliche Geschlecht: 

Das Vorurteil, daß es notwendig sei, die unter der Führung der kommunistischen Partei stehenden Frauenorganisationen in den kapitalistischen Ländern im Interesse des Kampfes gegen den »Frauenseparatismus« in der Arbeiterbewegung aufzulösen, dieses Vorurteil brachte oft großen Schaden.

Die Frauen sollen sich, so führt er weiter aus, mit ihren eigenen separaten Organisationen in die antifaschistische Einheitsfront einreihen. Das erspart sicher so manche harte Überzeugungsarbeit: Zumal, wie die Erfahrung zeigt, Frauen durch Äußerlichkeiten – man kennt ihr Aufschauen zu einem starken Führer, einem geschniegelten Mann – im allgemeinen viel leichter zu gewinnen sind als mit der theoretischen Darlegung einer Sache.[10] Ebenso müßten die kommunistischen Jugendverbände »antifaschistische Assoziationen« bilden.

Nun wußte der begnadete Agitator nur zu gut, daß es kritische Geister unter den Kommunisten gab, die seine Ausführungen ungeachtet all seiner Anrufe sowjetischer Autoritäten, nicht einfach so durchgehen lassen wollten. Diesen widmete er denn auch folgende Worte: 

Die Ultralinken dagegen [den Rechten gegenübergestellt] schrien: »Keinerlei Koalitionen mit der konterrevolutionären Sozialdemokratie!« und betrachteten im Grunde alle Sozialdemokraten als Konterrevolutionäre.  …  Vor fünfzehn Jahren hat uns Lenin aufgefordert, unsere ganze Aufmerksamkeit darauf zu konzentrieren, »Formen des Übergangs oder des Herankommens an die proletarische Revolution ausfindig zu machen«. Möglicherweise wird die Einheitsfrontregierung in einer Reihe von Ländern sich als eine der wichtigsten Übergangsformen erweisen. Die »linken« Doktrinäre haben sich stets über diesen Hinweis Lenins hinweggesetzt, als beschränkte Propagandisten haben sie immer nur vom »Ziel« gesprochen, ohne sich je um die »Übergangsformen« zu kümmern.

Die Sozialdemokraten allesamt als konterrevolutionär zu betrachten, hält er sowohl angesichts der blutigen Niederschlagung der Revolution an Seiten der anderen Nationalisten wie auch angesichts des nationalen, betont antikommunistischen Programms jener Partei inklusive ihrer praktischen Weiterungen, für untauglich, den Faschismus zu verhindern. Deshalb empfiehlt er die verbissene Suche nach nichtreaktionären Typen in der Sozialdemokratie! Ein Unterfangen zum Verzweifeln! [11]
Mit dem Vorwurf, die Linken hätten sich nicht um die »Übergangsformen« gekümmert, erschlägt er die Kritik und die bisherige Haltung der KI mit seinem Vorschlag der Einheitsfrontregierung, für die er zu seinem Leidwesen keinerlei Beweis einer revolutionären Erfolgsträchtigkeit anführen kann. Im Falle der Koalitionsregierungen in Sachsen und Thüringen, in die sich die KPD hineinziehen ließ (1923), möchte er das gerne, doch sprechen selbst ihm dann blöderweise die Resultate dagegen…

So weit kommt es, wenn einer sich partout keinen Bruch mit der Akkommodierung nationaler Gedanken ausmalen möchte. Und gerade deshalb muß er nochmal auf den nationalen Nihilismus zu sprechen kommen:

Nur wenn wir in diesem Geiste auftreten werden, wenn wir in unserer ganzen Massenarbeit überzeugend beweisen werden, daß wir sowohl vom nationalen Nihilismus als auch vom bürgerlichen Nationalismus gleichermaßen frei sind, nur in diesem Falle werden wir einen wirklich erfolgreichen Kampf gegen die chauvinistische Demagogie der Faschisten führen können.

Es gibt also 4 Fälle von nationaler Haltung: Die faschistische, die ist ganz schlecht, die bürgerliche, die ist auch schlecht und ebenso schlecht ist eine nicht-vorhandene, eine nihilistische. Aber dann gibt es einen vierten Fall, einen einzig positiven, irgndwie sozialistischen, mit dem man den schlechten Sorten von Nationalismus entgegentreten kann, soll und muß. So etwa reimt sich das Gespann Lafontaine-Wagenknecht noch in heutiger Zeit ein Weltbild zusammen, um Opposition zu betreiben.[12] Allerdings ganz ohne eine kommunistische Partei als Lokomotive. Dafür mit ganz viel Zustimmung bei national gesonnenen Arbeitern und anderen Nationalisten. Und mit ganz wenig Zustimmung in der eigenen Partei DIE LINKE, die ja eigentlich alle fortschrittlich und sozial Gesonnenen in sich vereinigen möchte und damit das Programm einer Einheitsfront aller national Wohlwollenden bestens in sich aufgehoben sieht. Für diese Partei wird es ein Rätsel bleiben, warum sie so wenig Zuspruch erfährt. Sahra Wagenknechts Popularität hingegen ist kein Rätsel: Hier zeigt sich nationaler Geist in attraktiver Form. Das wird insbesondere von einer nationalistisch verdorbenen Arbeiterklasse honoriert. [13]

02.12.2022
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[1]  Die Bundeszentrale für politische Bildung zum Begriff Nationalismus:
»Übersteigertes Bewußtsein vom Wert und der Bedeutung der eigenen. Interner Link: Nation. Im Gegensatz zum Nationalbewußtsein und zum Patriotismus (Vaterlandsliebe) glorifiziert der Nationalismus die eigene Nation und setzt andere Nationen herab. Zugleich wird ein Sendungsbewußtsein entwickelt, möglichst die ganze Welt nach den eigenen Vorstellungen zu formen.*
Quelle: Thurich, Eckart: pocket politik. Demokratie in Deutschland. überarb. Neuaufl. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2011.«
* Ist dieses Sendungsbewußtsein der BRD etwa fremd?

[2] So ist es auch nicht verwunderlich, daß hartgesottene Nationalisten bis in die Offiziersränge der Bundeswehr aufsteigen können. Die Häufung der Faschismusfälle in so ziemlich allen bundesdeutschen Sicherheitsinstitutionen erwecken geradezu den Anschein, als würde der Staat hier ein Refugium für Faschisten geschaffen haben. Deshalb sieht er sich veranlaßt, die Fälle entgegen all ihrer Häufigkeit in schöner Regelmäßigkeit als Einzelfälle abzutun. Noch dazu wird nicht selten die Zurechnungsfähigkeit eines bei einer Straftat Ertappten angezweifelt. Wer nichts Besseres zu tun hat, kann die einschlägigen Zeitungsberichte im Internet zusammensuchen. Hier nur ein Beispiel eines vorgeführten Ex-Soldaten: »…Zunächst habe keiner versucht, ihm zu widersprechen oder ihn auszugrenzen. ›Das lag vielleicht einerseits daran, daß ich nicht plump von Rassen, sondern von Völkern und Traditionen gesprochen habe.‹ Andererseits hätten viele sicher verinnerlicht gehabt, daß man den Dialog mit Rechtsextremen nicht abreißen lassen dürfe. …« (Tagesspiegel, 24.08.2017) 

[3] Näheres dazu im Buch: »Der Faschismus und seine demokratische Bewältigung«, erschienen im GegenStandpunkt-Verlag, 1996

[4] Alle Zitate (fettgedruckt) auszugsweise aus dem Bericht, erstattet am 2. August 1935 zum 2. Punkt der Tagesordnung des Kongresses: Die Offensive des Faschismus und die Aufgabe der Kommunistischen Internationale im Kampfe für die Einheit der Arbeiterklasse gegen Faschismus – von Georgi Dimitroff (Dimitrov):
www.marxists.org/deutsch/referenz/dimitroff/1935/bericht/

[5] Es ist nun nicht so, daß diese Fragen nicht schon Antworten gefunden hätten. Freilich scheinen sie nicht in die Köpfe der richtungsweisenden Köpfe der KI gelangt zu sein. Hendrik de Man schrieb 1931: »… Der Nationalismus ist das seelische Sicherheitsventil für ein soziales Minderwertigkeitsgefühl, die Ausgleichsform par excellence für die bedrohte kollektive Selbstschätzung, das ideologische Mittel der Ablenkung eines wirtschaftlich-sozial bedingten Grolls auf einen Gegenstand, der … den schroffsten Gegensatz zum proletarisch-sozialistischen Klassenbewußtsein symbolisiert.« (Sozialismus und Nationalfascismus, S. 16f) »Die kompensatorische Wirkung des Nationalstolzes tritt schon in der italienischen Urform des Fascismus zutage. … Die Verlockung ist besonders groß bei einem Volk wie dem italienischen, dessen materielle Bedürfnisse gering, dessen Geltungsbedürfnis dafür umso stärker entwickelt ist. … Man findet sich eher mit niedrigen Löhnen und schlechten Wohnungen ab, wenn man ›Civis romanus sum‹ sagen kann. Das venezianische Proletariat, dessen elende und ungesunde Lebensverhältnisse jedem nicht völlig abgestumpften Reisenden auffallen, ist zu einem großen Teil auf die parasitären Nebenverdienste des Fremdenverkehrs angewiesen. Aber es darf ›Mare nostrum‹ sagen – obwohl ihm die Monopolisierung des Lidostrandes durch die Luxushotels nicht einmal gestattet, in diesem Meer zu baden. So erscheint die psychologische Funktion des italienischen Faschismus in seiner Beziehung zum Proletariat vor allem dadurch sozial konservativ, daß er einen ungeheuren Prozeß der Energieverwandlung organisiert hat, bei dem Klassengefühl in Nationalgefühl umgesetzt worden ist.« (ebenda, S. 23ff)

[6] siehe hierzu den Gegenstandpunkt in MSZ – Gegen die Kosten der Freiheit  6/1985: »Die Nation und ihre ›Sache‹«

[7] Die auf RT täglich abrufbaren Meinungsumfragen bieten 5 Antworten an, die sich lesen, als wären sie von deutschen Faschisten ersonnen. Wirft man dann noch einen Blick auf die Antwortzahlen, werden die Fragen so verstanden, wie sie gemeint sind.

[8] Marx-Engels Werke, MEW Band 19, S. 23f

[9] https://labour.org.uk/manifesto-2019/

[10] Die SPD hatte sich schwer getäuscht, als sie glaubte, mit der von ihr geforderten Einführung des Frauenwahlrechts flögen ihr die weiblichen Stimmen in einer Größenordnung zu, die ihr die absolute Parlamentsmehrheit lässig verschaffen würde.

[11] zum SPD-Nationalismus heute siehe einen Artikel aus 2019:  
www.koka-augsburg.net/der-nationalismus-der-spd/

[12] zu Wagenknechts sozial-nationalem Weltbild im einzelnen siehe GegenStandpunkt 3/2022

[13] siehe hierzu das Kapitel: »Der subjektive Faktor – Vom freiheitlichen Selbstbewußtseins des modernen Proletariats« in »Das Proletariat – Die große Karriere der lohnarbeitenden Klasse kommt an ihr gerechtes Ende«, GegenStandpunkt-Verlag, 2002

 

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