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Nationalismus 2018

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Um die Nation, für die Nation:
Demokraten und Faschisten im Wettstreit

So langweilig war die Demokratie in der BRD bislang: Ein paar Parteien rangelten um Posten für ihr Personal. Jenseits dessen standen die Staatsinteressen, stand die Staatsräson für alle fest. Eine lebendige Demokratie, wie sie stets postuliert wurde, gab es nur zeitweilig: Solange sich die GRÜNEN noch nicht von ihren prinzipiellen, wenngleich idealistischen Standpunkten verabschiedet hatten. Eine irgendwie linke Kritik – ökologisch, sozial, basisdemokratisch, gewaltfrei -, das sahen sie ein, verträgt sich nicht mit einem Staat, der Weltmachtansprüche hat und der es auf diesem seinem Weg – einmal mehr – weit gebracht hatte. (Dieser Übergang ging freilich nicht ohne die spektakuläre Leiche ihrer Hauptvorkämpferin ab, mit der sich ein anderer Grüner den Weg bis ins deutsche Außenministerium bahnte. Was die Demokratie seinerzeit ungeheuer belebte!)

Jetzt, im Jahre 2018, ist die Demokratie erst richtig lebendig geworden. Ausgerechnet durch diejenigen, die die Zeit für reif hielten, unter dem Deckmantel der demokratischen Parteien sich bislang verdrückend (das gilt für die großen Volksparteien im Westen ebenso wie für die SED im Osten), sich hervorzuwagen: Nationalisten besonderer Sorte, welche, die einem halbwegs bis völlig geschlossenem faschistischem Weltbild anhängen. Wie das?

Es ist ja nicht nur so, daß sich faschistisches Gedankengut in und unter den etablierten Parteien erhalten hat, wo es nie einer angemessen-fundamentalen Kritik* anheimgefallen war. Wie auch? Als Nationalist, also einer, der den Staat als den seinen dermaßen distanzlos auffaßt, daß er sich dessen Sorgen und Ambitionen als die eigenen zu eigen macht, war man allenthalben wohl gelitten und ist es nach wie vor. Nun freilich verhält es sich so, daß einige neu entdeckt zu haben glauben, der Staat und seine Räson würde dem Anspruch seiner national gesonnenen Bürger, also seinen eigenen nicht länger gerecht. Wie bloß kommen sie denn da drauf?

Das ist insofern bemerkenswert, als der Staat saumäßig erfolgreich ist, ökonomisch Exportweltmeister, politisch Mit- und Einmischer bis in den hintersten Weltwinkel. Er hat sich mit seinem Erfolg als herausragendes Staatsmodell und so als Vorbild für andere Staaten etabliert. Er hat sich mit EU und Euro veritable Projekte vorgenommen, die darauf berechnet sind, die USA mitsamt ihrem Dollar herauszufordern. Wie kommen jetzt also jene Leute darauf, dem deutschen Staat Versäumnisse, oder, personalisiert ausgedrückt, seinem amtierenden Personal ein Vergehen an Staatsinteressen vorzuwerfen? Kurzum, sie entdecken einen Widerspruch zwischen Staatsinteresse und Staatsräson. Wie das?

Das hat einzig damit zu tun, daß sie bemerken, wie verdammt abhängig sie vom Staat sind – als dessen Manövriermasse und als Verwertungsmasse seiner vermittels Privateigentum freigesetzten Ökonomie. Diese Abhängigkeit, die an sich ja etwas völlig Negatives ist, wollen sie partout positiv sehen. Entschieden halten sie daran fest, diese weiterhin positiv sehen zu wollen, obschon die Zumutungen des Staates an sie gehörig sind und weiterhin wachsen. Sie tun so, als ob ausgerechnet sie, die in ihrer Abhängigkeit ausgenutzt werden, vor allem darin, ihre Arbeitskraft unter Wert zum Profit anderer zu Markte tragen müssen, als ob ausgerechnet sie ein Anrecht haben, eben auf diesen Verkauf und die Vernutzung ihrer Ware, ihrer Arbeitskraft. Dieser Verkauf soll für sie lukrativ sein! Und zwar so, daß sie mit geschwellter Brust sich Wunder was einbilden können auf ihre Zugehörigkeit nicht nur zu einer mehr (etwa einem deutschen "global player") oder weniger bedeutenden Firma, sondern vor allem und ganz umstandslos zum deutschen Staat. Verächtlich schauen sie so auf andere Nationen und deren Staatsangehörige herab. Sie, die bemerken, wie wenig wert sie "ihrem" Staat sind, beteuern gleichwohl felsenfest, viel wert zu sein, weil deutsch! Diese Selbsttäuschung blasen nun Neonationalisten täglich in den Wind, in den sie ihr opportunistisches Mäntelchen hängen. Gemeinhin nennt sich das "Populismus".

Und was fällt ihnen ein, womit reichern sie die demokratische Debatte an? Mit dem Geschimpfe auf die, die dem Staat als nicht verwertbare Personen ohnehin eine ziemliche Last sind, auf Ausländer, insbesondere asylsuchende. Damit rennen sie offene Türen ein: Der Staat gibt ihnen vermittels amtierenden Personal recht und behandelt die Flüchtlinge immer übler, doch nach Ansicht der nationalen Opposition nie dreckig genug.
Wiewohl der deutsche Staat sich seiner humanitären Legitimation, die er sich einst infolge seiner Niederlage in die Verfassung geschrieben hatte, in der Praxis gründlich entledigt hat – "Die Menschenwürde ist unantastbar." (Grundgesetz Art.1: Wem sagt er das?) – geht er nicht dazu über, sich auch formell von dieser Legitimation zu trennen. Genau das aber fordern die superdeutschen Nationalisten und erbosen sich darob: Weniger Heuchelei in Sachen Ausländerfeindschaft!

Kurz und gut, die Debatte belebt sich ungemein, sie wird hitzig. Wenn demokratische und faschistische Nationalisten sich streiten, ist ja auch keine Sachlichkeit gefragt. Schließlich geht es ja um nicht weniger als um einen Glauben, einen zivilen, um den Glauben an die Nation. An dem halten sie beide unverdrossen fest, werden an ihm gar irre. Sie streiten darüber, wer denn nun der Rechtgläubige sei. Den Hinweis der Demokraten auf den Erfolg ihres Staats und seiner weltmachtambitioierten Projekte lassen die anderen nicht gelten. Sie sind der Meinung, von einem nationalen Erfolg könne nicht gesprochen werden, wenn der nicht "unten", bei der nationalen Manövriermasse, ankomme. Auch in dieser Hinsicht rennen sie offene Türen ein. Demokraten liegt es nämlich nur allzu fern, einen Gegensatz (nicht nur gewisse, vielleicht sogar als lediglich vorübergehend deklarierte Unterschiede) in ihrer nationalen Gemeinde festzustellen. Von einem Klassenstaat, von einer Klassengesellschaft wollen sie nicht reden. Deshalb wollen sie eine solche, aus ihrer Sicht künstliche, rein ideologische "Spaltung" ebenso wenig zulassen wie die wirklich ideologische in gute und bessere Nationalisten. Deshalb sind sie so arrogant und wünschen die Neonationalisten "auf den Müllhaufen der Geschichte" (so der nationale Vordenker Schulz, SPD). Eine Spaltung der Nation kommt für Demokraten gerade in der ihnen eröffneten nationalen Frage eben nicht in Frage. Sollte solche Ansprache nichts nützen, drohen Demokraten mit dem staatlichen Gewaltapparat, zunächst mit der Überwachung durch ihre Staatssicherheitsdienste.

Für Nationalisten – das haben Demokraten und Faschisten gemeinsam – gehört es sich schlichtweg nicht, die zugrundeliegende soziale Frage, die die als marktwirtschaftlich verharmloste Klassengesellschaft gebiert, als solche aufzuwerfen. Die Nation verlangt Opfer. Die Kosten ihrer äußerst anspruchsvollen Projekte haben die zu tragen, auf denen sie beruhen, die dafür in die Pflicht genommen werden. Daraus geht hervor, wie wenig zuträglich der Nation soziale "Leistungen" erscheinen müssen. Das Faß läuft dann über, wenn andere in diese Pflicht genommen werden und dafür "Leistungen" erhalten. Dagegen gibt es dann übereinstimmend erhebliche Bedenken. Andere? Das sind ganze Staaten samt Bevölkerungsinventar. Vorreiter in dieser Hinsicht sind nicht nur die, welche als Rechtsradikale apostrofiert werden: Man denke beispielsweise an die antigriechischen Hetzkampagnen der seriösen demokratischen Qualitätspresse. Und mittlerweile steht Italien auf der Abschußliste. Usw. usf.

Bei den Asylsuchenden scheiden sich allerdings die nationalen Geister: Sie wetteifern über jene auf die denkbar zynischste Art: Während die einen sie nach nationaler Nützlichkeit – zum Beispiel gelten Islamisten aus der chinesischen Provinz Xinjiang als Vorzugsasylanten, sie stehen für einen grundsätzlichen Vorbehalt der Gernegroß-Weltmacht Deutschland gegen China – und ökonomischer Verwertbarkeit beurteilt sehen wollen, sehen die anderen ihre bloße Existenz als eine an, welche die Existenz der deutschen Nation selber untergrabe, also bedrohe.

So wie es dem deutschen Staat und seinen Protagonisten recht und billig ist, seine menschliche Verfügungsmasse (heutzutage spricht man gerne amerikanisch von "human resources") unter dem stummen Zwang einer privat abgewickelten Ökonomie gegeneinander auszuspielen, so bestehen Faschisten auf einer gründlichen Korrektur: In- und Ausländer gehören viel grundsätzlicher auseinandersortiert, allein so könne eine nationale Verläßlichkeit sichergestellt werden, eine Verläßlichkeit, die für höhere nationale Ziele nötig, also dem deutschen Staat angemessen sei. Somit ist klar, warum sie die amtierenden Politiker nicht leiden können: Jene ließen es selber an nationaler Zuverlässigkeit fehlen, so sie diese Sortierung mißachteten. Klar, ökonomisches Denken im Umgang mit verfügbarem Material sind einem ziemlich fremd, der seine eigene Existenz ganz unvermittelt aus der staatlichen Gewalt ableitet. So fest inkarniert hat solcher seinen Nationalismus, daß ihn nicht einmal der Hinweis auf den grandiosen Untergang des "Dritten Reiches"  inklusive dessen Gründe demokratischer Interpretation berühren kann. Die Millionen Opfer des NS-Staats sind ihm sowieso egal, sie seien ja für eine gute Sache gestorben, für Deutschland, für das – ideologisch unterschiedslos zwar nicht, aber praktisch natürlich schon – jede Leiche in Ordnung gehe. (06.10.18)  

*  Wie eine fundamentale Kritik faschistischer Ideologie aussieht? Siehe das Buch "Der Faschismus und seine demokratische Bewältigung" 
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Sammeln und Bewegen, Bewegen und Sammeln – ein Sturm im nationalen Fahrwasser

Wen will Sahra Wagenknecht denn sammeln? Wen bewegen? All jene, die sich ihrer Meinung nach versehentlich verirrt haben: Deren eigentliche Heimat irgendwie doch "links" ist. Was haben jene also nicht verstanden? Sie haben nicht kapiert, daß es "Linke"  sind, die soziale Fragen zu einer Staatsangelegenheit machen. Die schon immer gesagt haben, der Staat müsse sozialer gestaltet werden, insbesondere dessen kapitalistische Wirtschaftsordnung. Solange das nicht angegangen werden würde, seien die Ausfälligkeiten gegen Ausländer, insbesondere Asylanten gewissermaßen verständlich. Richtig verstanden seien solche ja nichts anderes als ein Aufschrei für eine andere, nämlich linke, d.h. soziale(re) Politik, mithin eben ein veritabler Staatsauftrag.

Daß Politik eine Frage der Gewaltausübung ist, man also das Kommando übernehmen, also ermächtigt, d.h. gewählt werden muß, ist für Wagenknecht & Co. keinerlei fragwürdige Angelegenheit: Unmittelbar Gewalt auszuüben, davon möchten die Sammler und Beweger eben so die vehement national bewegten Leute abhalten; und zwar mit dem Versprechen all den Anliegen, die jene haben, wirklich gerecht zu werden, ihnen Genüge zu tun. Dazu gehört selbstredend die Ausländerfrage, also der privilegierten Stellung der deutschen Staatsbürger das Gewicht zu verleihen, das ihr gebührt.
Nicht die Spaltung in In- und Ausländer ist der Sammlungsbewegung (SB) eine zu überwindende Spaltung, vielmehr die Spaltung der Nation selber! So brutal manifestiert sich der nationale Standpunkt der SB, die man nicht nationalistisch nennen soll. Jedenfalls steht sie der Notwendigkeit der Vereinigung aller Proletarier diametral entgegen.

Daß es sich beim Staat, ökonomisch betrachtet, um einen Klassenstaat handelt, also einen, der aus der klassengerechten Spaltung seiner Gesellschaft Profit für die Mehrung seiner Gewalt zieht, ist für diese "Linken" ein Buch mit sieben Siegeln. Darüber soll ja gerade das nationale Band einigend hinwegtäuschen: Gegen die erklärten Feinde und Schädiger des Bundes, gegen andere Staaten und deren Angehörige, versucht die SB das Band fester zu zurren. Die soziale Frage wird so notwendigerweise allenthalben in eine nationale überführt, ihr untergeordnet.

Ob diese SB der deutschen Nation gerade noch gefehlt hat? Jedenfalls ist sie ein geistiger Zusatz, ein verklärender Überbau, den sich die Nation angesichts fortgeschrittener geistiger Verwahrlosung seiner Untertanen, pardon: seiner "mündigen Bürger" leisten kann, der also nicht weiter ins Gewicht fällt.

Noch was:
Ein besonderer Witz ist dabei gerade, daß die SB in der Ostzone auf eine Bevölkerung trifft, die seinerzeit der damaligen Staatspartei und deren ihr erfolglos erscheinenden Politik eine Absage erteilt hat. Mit der nationalistischen Parole "Wir sind das Volk!" wollten diese mündigen Bürger sich schon damals von sozialen "Reglementierungen" befreien. Sie waren es, die die Freiheit einer starken Währung dank eines starken Staates genießen wollten. Das haben sie verabreicht bekommen und jetzt sind sie einmal mehr unzufrieden. Zu logischen Schlußfolgerungen wurden sie in der DDR genauso wenig erzogen wie in der BRD, im heutigen Großdeutschland. Und sie werden das ebenso wenig durch jene Wagenknechtsche SB, die die Leute "dort abholen will, wo sie stehen" (eine moderne klischeehafte Frase von Leuten, deren Sache Kritik nicht ist, ja die einem gar Einwände gegen die bestehenden Verhältnissen ausreden will).

Und noch was:
Leute wie Wagenknecht müssen nicht gekauft werden, ihnen ist der nationale Ausgangspunkt ihres Standpunkts so selbstverständlich, daß sie umstandslos kompatibel sind mit den gesellschaftlichen Verhältnissen. Sie verbrämen auch keineswegs ihre nationale Gesinnung so wie manch kommunistische oder sozialistische Partei, die lieber die Zugehörigkeit ihres Staats zu EU und NATO in Frage stellt, als dem Nationalismus zu nahe zu treten, die also lieber auf einen alternativen Nationalismus spekuliert (beispielsweise die KP Griechenlands in der Makedonien-Frage). Dem Nationalismus eine alternative Richtung zu geben, ist eben das Gegenteil zu einer Kritik des Nationalismus. Es ist eine Frage, welche nationale Ausrichtung der Nation "wirklich" opportun ist. Nationaler Erfolg gehört eben endlich verbrieft!

(07.10.18)

bluete

http://koka-augsburg.net/literatur-max-von-der-gruen/

koka

Max von der Grün

"…
Als er im Jahre 1964 in einer sich christlich gebenden Wochen­zeitung eine Rezension über seinen Roman »Irrlicht und Feuer« las, wo es hieß, daß dieses Buch doch ein eminent marxistischer Roman sei, und er einige Wochen später in einer kommunisti­schen Wochenzeitung eine Rezension las, daß eben besagter Ro­man ein eminent christliches Buch sei, da verlor er das letzte Quentchen Naivität, mit der er in das, was wir Literatur nennen, hineingeschlittert war.
Und er schlitterte weiter.
Als ihm zwei Jahre später im Verlauf einer Diskussion ein ewig Gestriger sagte, daß er doch im Grunde genommen ein fieser Kommunist sei, und ihn Wochen später ein SDS-Mitglied Reak­tionär schimpfte, begann er wieder darüber nachzudenken, ob es überhaupt Zweck hatte, Bücher oder sonstiges Zeug, das mit Li­teratur zu tun hatte oder unter dieser Firmierung lief, zu produ­zieren.
Aber er produzierte weiter.

Da er selbst 17 Jahre Arbeiter war, davon 13 Jahre 800 Meter unter Tage schwere und schwerste Arbeit verrichtete, um sein Geld zu verdienen, glaubte er, die Situation der Arbeiterschaft an­nähernd zu kennen, und er war der Überzeugung, daß es nicht damit genug sein kann, Bücher oder Fernsehspiele oder Stücke zu schreiben, sondern vielmehr mit den Leuten selbst zu sprechen; so las er vor Arbeitern, diskutierte mit ihnen über ihre soziale Situation, und auch darüber, daß sich an ihrer Lage, trotz Auto und Kühlschrank, seit hundert Jahren nichts geändert hat, sie nach wie vor die Ausgebeuteten sind, weil er glaubte, nur so könne er beitragen, daß sie ihre Lage erkennen, ihren Standort fixieren, und damit vielleicht ihre Abhängigkeiten abbauen könn­ten. Aber er erlebte immer stärker, daß er nicht nur auf Unver­ständnis stieß, daß er auch ausgepfiffen wurde, oft sogar verjagt wurde und sie Spottverse hinter ihm hersangen.
Aber er versuchte es weiter.

Und weil er selbst, als er noch arbeitete, erfahren mußte, daß die Gewerkschaften nicht daran dachten, die bestehenden kapita­listischen Herrschaftsverhältnisse abzuschaffen und die Selbstbe­stimmung der Arbeitenden herbeizuführen, daß sie lediglich dar­auf aus sind, die bestehenden Herrschaftsverhältnisse nur zu ra­tionalisieren, begann er, die Gewerkschaften zu attackieren als die eigentlich Schuldigen an der Situation der Lohnabhängigen. Was er erreichte, war, daß ihm die Funktionäre bescheinigten, er habe ein gestörtes Verhältnis zu den Gewerkschaften, sei ein Ge­werkschaftsfresser, und er sei doch unglaubwürdig, denn er habe doch nicht 13 Jahre unter Tage gearbeitet, sondern nur 121/2, und die Prozesse, die wegen »Irrlicht und Feuer« geführt werden mußten, hätte er doch selbst initiiert, um Reklame für sich zu machen.
Aber er beschuldigte die Gewerkschaften weiter.
…."

Diese Abschnitte stammen aus dem Buch »Vorletzte Worte — Schriftsteller schreiben ihren eigenen Nachruf« (S.82/83).
Weder treffender noch sympathischer läßt sich Max von der Grün beschreiben.

(07.07.2018)

bluete

Brechtfestival 2018

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Ich »versus« Wir

Theater von der Theatralik zu trennen, geht wohl nicht. Brecht war offenkundig der Meinung, daß das Theater mit seiner Theatralik als Stilmittel zur Vermittlung wichtiger gesellschaftlicher Anliegen taugt, ja nötig wäre. Das ist nicht der Fall. Und dafür steht exemplarisch der »Fatzer«. Hin- und hergerissen zeigt das Stück Individuen zwischen dem »Ich« und dem »Wir« und zwar ausgerechnet in der extremen Situation der Frontsoldaten im Ersten Weltkrieg. Dies brachten die vier Amateur-Akteure des theter ensembles im maroden, also passenden Ambiente des City Clubs am 1. März im Rahmen des Brechtfestivals auf die Bühne. Einmal abgesehen von der wirklich exzellenten schauspielerischen Leistung spielte die Theatralik den Inhalt des Stückes geradezu an die Wand. 

Nun ist es ja so, daß im Krieg der Spielraum zwischen dem, was das unmittelbare materielle Interesse des Individuums ist, das eigene (Über)leben, und dem, was man so im allgemeinen Kollegialität nennt, sehr gering ist, denn im Krieg geht es bekanntlich nach Befehl und Gehorsam. Ja noch nicht einmal in Friedenszeiten ist der Spielraum sonderlich groß. Erst einmal muß jeder ja selbst für sein Aus- in und sein Zurechtkommen mit den kapitalistischen Verhältnissen sorgen, bevor er anderen gute Taten erweisen kann. Ja, im Kapitalismus ist es auch so, daß es durchaus erwünscht ist, sein Eigeninteresse nach vorne zu stellen: Wer keinen Unternehmergeist zeigt, muß sich immerzu einreden lassen, daß jeder seines Glückes Schmied sei… Der Faschismus hat diesen Standpunkt einer radikalen Kritik unterzogen: Der Einzelne gilt nichts, der Staat, die »Volksgemeinschaft« alles — die Klassengesellschaft wird offensiv geleugnet. Wer sein eigenes materielles Interesse in den Vordergrund stellte, wurde des Egoismus geziehen und zum Dienst an der Volksgemeinschaft oft genug nicht nur ermahnt, sondern dazu gewaltsam verpflichtet. Kurzum: Insofern hat sich Brecht mit den Begriffen »Egoismus« und »Solidarität« ziemlich vertan. Es scheint ja überhaupt eher Brechts ureigenes Problem gewesen zu sein, materielles Interesse und Moralität unter einen Hut zu bringen. Zum Ausdruck kommt das in der seiner sprichwörtlich gewordenen Sentenz »Zuerst kommt das Fressen und dann die Moral«. Woraus erklärt sich dies? Eben daraus, daß er den Staat, das Gewaltmonopol, welches er ist und das so gut wie alles bestimmt, als eben das Subjekt der gesellschaftlichen Dinge gar nicht näher in Betracht zieht. Gerade in des Staates höchster Verantwortung, dem Krieg, ein unverzeihlicher Fehler! Einer freilich, der gerade bei den Kommunisten der Weimarer Zeit (und auch später noch) hoch im Kurs stand: Die Vorstellung, daß der Staat nichts anderes wäre als ein Ausschuß der Kapitalistenklasse [Ganz im Gegensatz übrigens zu Marx, der den Staat, der Klassenstaat und nicht der Staat einer Klasse ist, in ökonomischer Hinsicht als den ideellen Gesamtkapitalisten auf den Punkt brachte, also als einen, der sich um die Verwertungsbedingungen des Kapitals sorgt, weil er seinerseits vom Gang der Geschäfte profitieren möchte!], und, sobald von ihr befreit, auch nicht mehr als solcher zu kritisieren sei, vielmehr dann auf die richtige moralische Haltung des Individuums geachtet werden möge. Ganz so, als ob die Moral nicht die Kehrseite der Gewalt wäre, die sie verordnet (was bekanntlich auch in der Sowjetunion unter und seit Stalin so war). Brecht hatte wohl einen Schimmer davon, daß er gar nicht gründlich genug an die Sache herangegangen war, weshalb er den »Fatzer« ein ums andere Mal auch verworfen hat.

Ja, Brecht war ein Suchender; eines war ihm dabei freilich sonnenklar, es ging und es geht nach wie vor um die Scheidung von Wahrheit und Ideologie. Soviel hatte er von Marx immerhin begriffen. Das einzig Peinliche der Brechttage — die im Gegensatz zu früheren diesmal angenehmerweise nicht so großkotzig daherkamen; dafür hatte Leiter Patrick Wengenroth ersichtlich auf mehr Substanz Wert gelegt —- war wohl das, einen alten Dummkopf einzuladen und auf ein Podium zu setzen, einen der nicht einmal weiß, was der Begriff Wahrheit bedeutet. Wahrheit ist das Verhältnis zwischen einer Sache, einem Gegenstand, der gesellschaftlichen Wirklichkeit und ihrer Erklärung, sofern sie richtig ist. Und insofern sie eben zutreffend ist, hält sie jeder Kritik stand. Dieser Typ meinte stattdesssen: "Meine zentrale These lautet, daß wir heute nicht mehr wie in Brechts Zeiten die Wahrheit gegen Ideologien zu verteidigen haben, sondern die Wahrheit in ihren grausamen Konsequenzen kritisieren müssen. Wer die medizinische Wahrheit einer Krankheitserregung erkannt hat, geht zum Arzt, um sich gerade nicht der Wahrheit des Geschehens zu unterwerfen, sondern gegen sie vorzugehen. Das nennt man »Kritik der Wahrheit«." (Interview mit einem Herrn Brock in: daz-augsburg.de, 02.03.) Und was sollen die grausamen Konsequenzen sein? Als die erkannte Wirklichkeit können die daraus gezogenen Konsequenzen grausam gar nicht sein: Also wenn der Krieg als im Interesse einer für eigene Machtansprüche »zu kurz gekommenen« Nation erkannt ist, die über Leichen geht, dann muß man die Nation doch wohl abschaffen. [Jener Durchblicker hingegen meint offenbar, auf diesem Schluß käme es bei der Wahrheitsfindung nicht an, vielmehr müsse man die Wirklichkeit, gerade dann aushalten, wenn sie als Wahrheit begriffen ist, da gerade das Begreifen der Wahrheit dazu führe, die Gründe für das Übel nicht abzuschaffen! Selten dumm gedacht! (Könnte Filosof von großen Koalitionen sein!)] Und wenn sich das mit allen Staatsgewalten so verhält, dann müssen eben alle Staaten liquidiert werden, um das Leben der zum Schlachtvieh Bestimmten zu erhalten. Dazu bedarf es lediglich der Einsicht eben jener, die als die staatlichen Manövriermassen vorgesehen sind. Und insofern sie das einsehen, werden sie untereinander auch entsprechend — also wenn man es so ausdrücken will: »solidarisch« — handeln. 

All das kann man aus den Kriegen schließen und es wurde gerade aus dem 1. Weltkrieg eben dieser Schluß abgeleitet. Schließlich gab es aus seinem Grund beispielsweise in Deutschland die Novemberrevolution, der sich all die widersetzt haben, die selbst im Krieg partout nicht die Wahrheit der Politik erkennen wollten, wozu auch die national besoffene SPD gehörte (und national besoffen ist jene Partei bis heute geblieben). Literarisch wurde das Thema nicht nur von Brecht in Angriff genommen. Im Gegensatz zu Brecht allerdings, das ist einzuräumen, besser: Bekannt geworden ist hierzulande der — auch verfilmte [»All quiet on the western front«] — Roman von Erich Maria Remarque »Im Westen nichts Neues«. Weitgehend unbekannt geblieben sind die mindestens ebenso guten Romane von Stratis Myrivilis »Das Leben im Grabe« [Η ζωή εν τάφω] und von Gabriel Chevallier »Heldenangst« [La peur]. Wäre vielleicht eine gute Idee, im Anschluß an die Brechttage diese Bücher mal zu lesen. Schließlich ist nach wie vor auch heute noch Feuer auf dem Dach — der aktuelle Bezug, den die vier jungen Leute des theter ensembles mit ihrem Outfit, mit »Midnight Oil« wie mit der Einblendung von Titelblättern neuerer Zeitschriften herstellten, war sehr gelungen! 

(02.03.18)

bluete

literatur-dubowizki

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„Die Menschen sagten immer seltener »Futures« und immer häufiger »Scheiße«.“ (S. 207)
 

NAHE NULL von Natan Dubowizki

Wenn ein Autor pseudonym einen Roman schreibt, dann doch wohl deshalb, weil sein Name nichts zur Sache tun soll, die er dem geneigten Leser mitteilen möchte. Dieser schlichte Umstand ist für einen gemeinen bürgerlichen Kopf einfach nicht begreiflich, erst recht, wenn es sich um einen Russen handelt, dem man allerhand zu unterstellen bereit ist, weil ja Rußland als Feindbild keineswegs deswegen beim deutsch denkenden Ideologen aus der Mode gekommen ist, weil es seine Art sonderbaren Sozialismus hinter sich gelassen hat. Im Gegenteil, einem solchen Opportunismus ist ebenso zu mißtrauen wie jeder abweichenden Äußerung aus dem Reich des Bösen, sofern sie nicht aus dem Munde von Leuten kommt, die dem Westen so in den Arsch kriechen wie es der gerne hätte.

Da der im Juli 2009 erschienene Roman – im Original: Околоноля – jedoch nichts an Aufgeschlossenheit zu wünschen übrig läßt, reibt sich die westliche Besprechung denn auch an dem Pseudonym des Autors (siehe z.B. the independent vom 14.08.09 und taz vom 23.03.10). Und die Beurteilung des Romans selber wird auf die angeblich als bescheuert beurteilten Innenansichten Rußlands verkürzt, die – so der demokratische Durchblicker – einzig dafür bebildert zu betrachten sind, wie wenig demokratisch und aufgeklärt es dort drüben zugeht. Also im Grunde nichts Neues, was uns der Russe mitzuteilen hat, sieht man einmal davon ab, daß ein hochrangiger Russe jetzt den Eindruck höchstselbst bestätigt, den man von Land und Leuten im slawischen Osten eh schon gehabt hat.

Die Offenheit des Romans setzt eine Offenheit des Lesers voraus, denn er besteht nicht nur in einer Wiederspiegelung russischer Verhältnisse, wie sie – selbst das ignoriert ja ein westlich-ideologisierter Beobachter – ab 1991 dort unter der ursprünglichen Akkumulation von Kapital entstanden sind und für deren Etablierung – in ihrem Umfang keineswegs geringe – Gewalt allenthalben erforderlich war.
Man ist gut beraten, einmal zur Kenntnis zu nehmen, woran – und nichts weniger ist das Verdienst dieses Romans – sich die neuen russischen Verhältnisse orientieren: Am Westen, vornehmlich am großen Gegenspieler, den USA, von der Literatur angefangen über religiöse Spinnereien bis hin zur Wild-West-Manier der locker sitzenden Pistole und dem Harakiri in Abu Graib [Abu Ghuraib]. 

Der Zusammenschluß der Wirklichkeit mit seiner Fiktion, der im freien Westen immer getrennt erscheint und gemeinhin als zusammenhanglos eingeordnet wird, gelingt dem Autor, indem er das »Business« Film einfach auf seinen Topos der Exzessivität zurückführt und sie auf eine Ebene mit der Exzessivität der Realität stellt, so daß Realität und Fiktion nicht mehr zu unterscheiden sind. Sie sind einzig zwei Seiten derselben Medaille. Und wenn er schon beim Erwähnen us-amerikanischer Autoren nicht geizt, so hat er doch einen vergessen, den, der das »Genre« begründet hat – und der nicht zuletzt deshalb in die science fiction-Ecke gestellt wird – Edgar A. Poe – man denke etwa an den »Doppelmord in der Rue Morgue«. „Es existiert ein Klub von Leuten, die gern zuschauen, wenn andere krepieren. Wie sie sich winden und um Gnade bitten, wie sie ihr menschliches Antlitz verlieren. Und sie möchten nicht nur heimlich dabei zuschauen, sie möchten es offen tun, zusammen mit einem Haufen anderer Leute. Denen allerdings weisgemacht wird, das Ganze sei nur gespielt, Kino, Avantgarde natürlich, Ultra-Avantgarde. Der Naturalismus ist schöpferisch begründet, als Suche nach einer neuen Ästhetik. Und womöglich nach einer neuen Ethik. Im Saal sitzen hundert, zweihundert Leute, und nur zehn, zwölf von ihnen wissen, daß der Film reale Szenen enthält, echter Folterungen und Hinrichtungen. Sozusagen dokumentarische Szenen, Live-Videos. Live-Tod.“ (S.191)

Um mit der geschilderten unerträglichen Wirklichkeit, einer kapitalistischen Wirklichkeit, fertig zu werden, bedarf es freilich einer Suche nach Wahrheit, einer Kritik der politischen Ökonomie – wohingegen sich die Menschen lieber im dunklen Schlamm an den verschmutzten Ufern im Seichten aufhalten (S.46). Daß Rußland nicht einfach solipsistisch für sich steht, wie die imperialistische Sichtweise es nahelegt, wird in dem Buch an vielen Stellen deutlich: In der Hauptsache, im Film, an dem mit ihm einhergehenden Fantasien, die hervorgerufen werden in totalem Kontrast zur Langweiligkeit bürgerlichen (Spießer-)Daseins, was mitunter als Flucht aus der Wirklichkeit kritisiert wird, dann nämlich, wenn dadurch Brauchbarkeit und Funktionalität bürgerlicher Individuen in Frage stehen, ansonsten freilich sehr in Ordnung geht, weil und insofern es die Leute bei Lust & Laune hält. Die Fantasien erreichen ein bislang kaum gekanntes Ausmaß an Perversität – Sex, Drogen (inklusive der Religion), Gewalt und die dazugehörigen Zünder: „Frieden, Freundschaft und den Menschen ein Wohlgevögel! Toleranz und Multikulturalität“ (S. 100) -, wobei deutlich wird, woran man sich in Rußland orientiert und worin man mittlerweile der USA schon gleichwertig, wenn nicht gar einen Schritt voraus ist: realisierte Fantasien, die geradezu eine russische Geheimwaffe im Kampf ums Geschäft die Gesellschaftsidee schlechthin darstellen. Man denke nur an Sarah, die das us-amerikanische Ideal an Klischeehaftigkeit wie Brauchbarkeit [„Bei der Liebesausübung funktionierte sie tadellos, war noch kein einziges Mal weggetreten oder ausgefallen. Nach dem Sex kehrte sie automatisch in den Stand-By-Betrieb zurück,… Kurz – made in USA, Preis-Leistungs-Verhältnis auf höchstem Niveau.“ S.64f] verkörpert, doch sich zuletzt als russischer Prototyp entpuppt – ein eben nicht bloß literarischer Kunstgriff erster Sahne. Der »positiven Dynamik von Krebserkrankungen« (S. 28) wird der Roman so auch im übertragenen Sinne gerecht. Das Resultat drückt diese Dynamik so aus: „User gibt es wenige, Loser haufenweise.“ (S. 144) Aber damit sich aufzuhalten, würde den gesellschaftlichen Diskurs erheblich stören: „Zu hören waren auch die weit positiveren Reaktionen auf das gestern im Restaurant Nachtasyl verzehrte Austerndinner zur Unterstützung der Kleinunternehmer, der Demokratie, getöteter Journalisten, verprügelter Anwälte, verbotener Schriftsteller, eingesperrter Geschäftsleute, der Neuordnung der russisch-amerikanischen Beziehungen und so weiter und so fort. Gesprochen wurde auch über den kollektiven Besuch einer nonkonformistischen Ausstellung von tausend zerschlagenen Gläsern als Zeichen des Protests gegen….“ (S. 121)

Und wer immer noch Tomaten auf den Augen hat, dem sagt es der Roman auch unverblümt: „…Korruption und organisierte Kriminalität sind ebenso tragende Elemente der sozialen Ordnung wie Schule, Polizei und Moral.“ (S. 152) Hier wie dort. Wie sich daneben China, die Chasaren, Afghanistan, Adolf Aloisowitsch und Jossif Wissarionowitsch in die heutige Welt einordnen, hier erfährt man es plastisch und drastisch. Nicht zu vergessen ist die Kirche – wer hätte vermutet, daß selbst das unscheinbare und hochfromme Kloster auf dem Inselchen Trikeri bei Volos (S.75) von der Neuordnung der postsowjetischen Welt sich eine Scheibe abschneidet? 

(07.11.10)

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Rou Shi
Rou Shi

war ein revolutionärer chinesischer Schriftsteller. Er wurde 1901 in Shimentou (Kreis Ninghai, Provinz Zhejiang) geboren, hieß ursprünglich Pingfu Zhao und widmete sich sein ganzes Leben lang der Bewegung für eine neue Literatur. Im Januar 1931 wurde er mit 4 anderen Schriftstellern aus der Liga der linken Schriftsteller von den reaktionären Behörden verhaftet und am 7. Februar heimlich ermordet.

Sein erster Erzählband trug den Titel Der Verrückte. 1928 wurde er Redakteur der Wochenzeitschrift Yu Si, dann gründete er den Morgenblütenverlag. Er brachte 20 Ausgaben der Morgenblütenzeitschrift, 12 der Zeitschrift Dekade und 5 der Morgenblüten im Kunstgarten heraus. Da ihm die Zeitschriftenhändler kein Geld zahlten, mußte er die weitere Herausgabe einstellen.
Seine literarischen Erfolge umfassen Komödie auf Erden (ein Versdrama); Tod des alten Zeitalters; Drei Schwestern; Februar und Hoffnung. Ferner übersetzte er Werke von Lunatscharskij und Gorki sowie einen Sammelband dänischer Kurzgeschichten.

Februar erschien 1982 in deutscher Sprache (Verlag für fremdsprachige Literatur Beijing), der Band enthält auch die beiden kurzen Abhandlungen: Zerstörung und Ein gedungenes Eheweib.

 

bluete

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Zola Gemälde von Manet
Zola, 1868, Gemälde v. Edouard Manet

Zola,  geboren 1840 in Paris und 1902 ebendort gestorben,  ist hierzulande weitgehend nur dem Namen nach bekannt. Seine Werke gehören nicht zum an den Schulen gelesenen Standard. Das hat sicherlich seinen ebenso guten wie schlechten Grund. Sein Werk ist nämlich ziemlich materialistisch. Seine Beschreibungen der gesellschaftlichen Zustände lassen an Plastizität nichts zu wünschen übrig. Gerade sein wichtigstes Werk, die zwanzigbändige Romanreihe Les Rougon-Macquart, eine Familiengeschichte – jeder Roman ist einzeln verschlingbar, die vorlaufenden familiären Zusammenhänge sind nicht wichtig -, hält der kapitalistischen Gesellschaft den Spiegel vor Augen, reißt ihren schönen Schein in den Abgrund.

Zola war sogleich in Frankreich damals ein Renner. So konnte es nicht unterbleiben, daß schon bald seine Werke ins Deutsche übertragen wurden. Bloß wie!! So wurden als gesellschaftskritisch empfundene Stellen gestrichen, offene Erotik bis hin zum tabulos geschildertem Geschlechtsverkehr zumindest geglättet. Man wollte das deutsche Publikum nicht den Glauben an Ordnung & Moral verlieren lassen. Und so erschienen die ersten Übersetzungen Zolas in verstümmelter Form. So haben z.B. die Übersetzer Carlowitz und Dr. H. Rosé alle Abschnitte über die soziale Lage, die verheerenden Folgen des modernen Handels und die Wirkungen kapitalistischer Wirtschaft herausgekürzt und den Roman Das Paradies der Damen zu einem süßlich-kitschigen Liebesroman entstellt. Die Kapital IV und XIII sind so auf wenige Seiten geschrumpft. Dann haben sie die eigentliche "Liebesgeschichte" verzuckert und "ausgebaut".

In den 1960er Jahren machte sich das Romanische Institut der Humboldt-Universität in (Ost-)Berlin unter Leitung von Rita Schober an eine Neuübersetzung, die sich ungeschönt am Original orientiert. Diese wurde im Verlag Rütten & Loening veröffentlicht und von den westdeutschen Verlagen (Winkler und Goldmann) dann übernommen.

Leider wird Zola, wenn schon einmal von ihm hierzulande die Rede ist, nicht mit seinen fantastisch-realistischen Werken erwähnt. Vielmehr in Sachen Dreyfus-Affäre. Deshalb ein Wort hierzu. Der jüdische Hauptmann Dreyfus – Zola kannte ihn nicht persönlich – war wegen angeblichen Hochverrats zum Tode verurteilt und wurde schließlich zu lebenslanger Haft "begnadigt". Zola machte sich für dessen Freispruch stark, weil er offensichtlich unschuldig angeklagt war, und richtete am 13. Januar 1898 einen diesbezüglichen Brief an den Staatspräsidenten, der mit den Worten j'accuse (ich klage an) begann. 1901 schrieb er zu dessen Verteidigung La vérité en marche (Die Wahrheit auf dem Wege) und zog sich damit endgültig den Haß aller Reaktionäre zu.  Zola kam deswegen selbst vor Gericht, wurde zu einem Jahr Gefängnis und 3000 Francs Geldstrafe verurteilt. Er ging dann in die Verbannung nach England. Sein Tod 1902 – nach seiner Rückkehr – durch eine Kohlenmonoxidvergiftung ist nie wirklich geklärt worden, Freunde vermuteten jedoch einen Anschlag seiner staatlichen Gegner. 
Und  noch ein Wort zu der literarischen Schubladeneinstufung "Naturalismus". Wie schon oben angedeutet, wäre das Wort "Materialismus" besser. Zweifellos finden sich wunderbare Naturbeschreibungen in alle Romane eingeflochten, das Wesentliche sind sie nicht. Auch scheint über diese Einstufung seine kritische Betrachtung der Natur in Folge der gesellschaftlichen, d.h. eben kapitalistischen Einwirkungen auf sie getilgt. Daß Flüsse zweckmäßig begradigt werden und vieles andere mehr, findet sich schon bei Zola en detail. Das Wesentliche freilich ist Zolas Blick auf die Individuen, wie sie unter dem Diktat der Ökonomie und der Politik allenthalben zuschanden werden und ihre Menschlichkeit – mal mehr mal weniger – verlieren bzw.  selber aufgeben oder auch – selten genug – erhalten bzw. wiedergewinnen. 

Übersicht über die spannenden, non-fiction Romane der Rougon-Macquart (Thematik kurz angerissen), allesamt ein empfohlener Genuß zum Schmökern:

Nana greek01  Das Glück der Familie Rougon (Thema: Die bürgerliche Familie in einem kleinen Ort) 
02  Die Beute (Thema: Börsenspekulation)
03  Der Bauch von Paris 
(Thema: Nahrungsmittelversorgung und Essens"gewohnheiten")
04  Die Eroberung von Plassans (Thema:  Der politische Kampf in der Provinz)
05  Die Sünde des Abbé Mouret (Thema: Der Kampf eines Pfaffen mit seinen materiellen Bedürfnissen)
06  Seine Exzellenz Eugène Rougon (Thema: Korruption in der Politik)
07  Der Totschläger (Thema: Arbeiterklasse & Alkoholismus)
08  Ein Blatt Liebe (Thema: Die Zauberkraft der Liebe)
09  Nana (Thema: Prostitution)
10  Ein feines Haus (Thema: Ein Mietshaus und seine Mieter)
11  Paradies der Damen (Thema: Ein modernes Warenhaus und die Verdrängung kleiner Läden)
12  Die Freude am Leben (Thema: Leid)
13  Germinal (Thema: Die Welt der Bergarbeiter)
14  Das Werk (Thema: Der bildende Künstler und seine Ambitionen)
15  Die Erde (Thema: Die Welt der Landarbeiter)
16  Der Traum (Thema: Das Jenseits in der Realität)
17  Das Tier im Menschen (Thema: Die Eisenbahn)
18  Das Geld (Thema: Die Welt der Finanzen)
19  Der Zusammenbruch (Thema: Der Krieg)
20 Doktor Pascal (Thema: Zwischen Glauben und Wissenschaft)
Anmerkung: Frühere Übersetzungen ins Deutsche haben zum Teil anders übersetzte Titel:  So heißt der Roman Die Beute: Die Jagdbeute, Der Totschläger:  Die Schnapsbude,  Ein feines Haus: Am häuslichen Herd, Die Erde:  Mutter Erde, Das Tier im Menschen: Die Bestie im Menschen.

Darüber hinaus hat Zolas weitere Romane und Kurzgeschichten sonder Zahl sowie Literaturkritiken verfaßt. Zum Beispiel die religionskritischen Romane der drei Städte (Lourdes, Paris, Rom) sowie die nach Wegen aus der unwirtlichen Realität suchenden Romane der vier Evangelien (Fruchtbarkeit, Arbeit, Wahrheit – der 4. "Gerechtigkeit" blieb unvollendet), die deutlich machen, daß die schöngeistige Literatur keinen Ausweg finden kann, da eine Beschreibung der Realität keine Erklärung derselben ist. Ein erstes kaum noch bewußtes Wahrnehmen der Realität erheischt deren wirkliche Erklärung, nach der Zola gesucht hat, die er aber an und in der Oberfläche der Wirklichkeit gar nicht finden konnte.

[16 biblifile Bände der Rougon-Marquart sind im  Goldmann-Verlag als Taschenbücher erschienen.]

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bluete

literatur-bukowski

koka

Charles Bukowski schrieb angesichts des Vietnamkriegs 1969 dieses Gedicht:

Kommunisten

Wir trieben die Frauen in einer
langen Reihe hinunter zum Fluß,
verkrampft von der Angst in ihren
stupiden Reisbauern-Schädeln,
die Kinder krampfhaft an sich gedrückt,
Säuglinge, klein wie Mäuse,
die nach Luft schnappten,
ihre Chancen standen 1:1000;
die Männer mußten in einem Kreis
niederknien, dann erschossen wir sie,
und ihr Tod hatte kaum etwas
von einem Tod, es war eher
wie irgendwas in einem Film,
Männer mit Armen und Beinen wie Spinnen
mit einem Fetzen Tuch über den Genitalien,
Männer, die kaum geboren waren,
konnte man eigentlich kaum töten,
aber da lagen sie nun auf der Erde
und waren tot, und in der grellen Sonne
hatten sie so einen eigenartigen
Ausdruck im Gesicht, als wär ihnen
alles ein Rätsel.

Von den Frauen konnten einige mit
Gewehren umgehen. Wir ließen
eine kleine Abteilung zurück,
die sich mit ihnen befassen sollte.
Dann steckten wir die restlichen
Hütten in Brand und zogen weiter
zum nächsten Dorf.

(aus: Der größte Verlierer der Welt · Gedichte 1968-1972)

bluete

literatur-belli

koka

Sie verfolgten mich

mit ihren Blicken schlecht bezahlter Hunde, verfolgten mich
von Morgengrauen zu Morgengrauen, 
bespitzelten mich,
drückten sich auf der Straße vor dem Haus herum, stellten ihre Autos an der Ecke ab
und gingen mir nach durch die ganze Stadt, 
über alle Straßen, Kreuzungen, Ampeln. 
Sie verfolgten mich
mit ihrem Verdruß, mit ihren
von Verbrechen und Foltergezeichneten Gesichtern. Sie belauerten mich,
meiner Angst sicher,
lauerten darauf, daß mir der Schlaf verginge, 
daß meine Überzeugungen,
daß ich den Kampf und meine Brüder verriete. 
Mit jedem Morgen fühlte ich
ein jedes Mal wütenderen Haß 
und erfand mir Gedärme, ihn unterzubringen,
einen Haß, der nach Kugeln, Pistolen, Maschinengewehren verlangte, 
einen Haß, dessen ich mich niemals fähig geglaubt,
der mich sie hätte umbringen lassen, kaltblütig.
Und verfolgten mich, 
hörten mein Telefon ab, 
überwachten meine Arbeit, 
schickten mir Drohbriefe, 
und ich, die ich mich nie für besonders mutig hielt, spürte jedesmal mehr Mut,
mehr Kraft
weiter zu kämpfen,
wie ich weitergekämpft habe,
zum Teufel sollen sie sich scheren!

© Gioconda  Belli

Gioconda Belli

Bibliofile, zweisprachige Gedichtbände, im Peter Hammer Verlag  zu Wuppertal erschienen:
– Zauber gegen die Kälte – Sortilegio contra el Frío
– Wenn Du mich lieben willst (nur deutschsprachig)
– Feuerwerk in meinem Hafen – Apogeo
– Ich bin die Sehnsucht – verkleidet als Frau – Mi íntima multitud

Romane:
– Bewohnte Frau
– Tochter des Vulkans
– Die Verteidigung des Glücks  
–  Erinnerungen an Liebe und Krieg
– Waslala
– Das Manuskript der Verführung

bluete

Nationalismus-2017

koka

Wahlk(r)ampf, Personenkult(ur), Demokratie pur:

Ein Hochfest des Nationalismus!

So nichts Außergewöhnliches passiert, wird man als Staatsbürger alle 4 Jahre einmal ernst genommen: Als alfabetisierter Analfabet: Er darf zwei Kreuze in zwei Kreise von vielen machen. Er braucht sich dabei nicht bewußt sein, was er damit überhaupt anrichtet, denn es ist ihm unterstellt, daß er — in welche Kreise er die Kreuze auch immer hineinmalt — nichts falsch machen kann: Wie selbstverständlich geht seine Obrigkeit — also die, welche (wieder) gewählt werden wollen — davon aus, daß er dies in nationaler Verantwortung macht: Die Verantwortungsträger sollen dann nämlich »seine« Nation, die deutsche, voranbringen, an allen Fronten, an der der Wirtschaft, der gegenüber dem Ausland, auch an der der Gerechtigkeit im Inneren. 
Die Parteien unterscheiden sich dann sowieso nur in der Schwerpunktsetzung — darin, wo sie Mängel ausmachen, die sie auszubügeln für im nationalen Interesse geboten erachten. In dieses Bemühen, die Nation verbessernd voranzutreiben, wird nun der Bürger eingeschaltet, als quasi maßgebliche Instanz dafür, welche Parteien den Auftrag erhalten, die Geschicke der Nation führend zu bestimmen. Es liegt in der Natur der Sache, daß es dabei sehr auf die Führung ankommt, also auf eine Lichtgestalt der nationalen Führung. So diese schwer ersichtlich — weder Frau Merkel noch dieser Schulz sind mit Kanzlern zu verwechseln, denen nachgesagt wird, eine ruhmvolle Ära begründet zu haben —, weiß selbst so manch eingefleischter Wähler schon nicht mehr recht, wen und weshalb er überhaupt wählen soll. 

Als hätte die SPD diesen Sachverhalt messerscharf erkannt, tut sie das dafür Nötige, der »Wahlverdrossenheit« entgegenzuwirken: Sie proklamiert die nationale Volksgemeinschaft, die selbstredend keine Klassen kennt: Zum Beispiel mit Parolen wie »Alle müssen ran« (zur Rente) oder noch deutlicher: »Wir machen das. Zusammen.«: Hierbei liegt auf der Hand, daß mit dem »Das« nichts anderes gemeint ist als die Nation und deren  Ansprüche. Welche nun wirklich nichts mit einem Anspruchsdenken von unten zu tun haben, ganz im Gegenteil: Sie sind eine knallharte und nicht mißzuverstehende Absage an solche von unten kommenden Ansprüche. (Hier merkt man übrigens, gegen wen diese Partei immerzu zu kämpfen gedenkt: gegen alles, was auch nur den Anschein erhebt, »links« zu sein.)
Von dieser Klarheit gehen auch die anderen Parteien aus. Die CSU beispielsweise gleich so, daß sie im Grunde keine »Probleme« kennt: Wenn sie von »Wohlstand« spricht, denkt sie, daß jeder gut aufgehoben ist in dieser Klassengesellschaft, sich unter jenem Begriff Wohlstand eingemeindet sieht in die Nation: Solch Einbildung hilft tatsächlich; als Zughöriger zu so einer großartigen Nation wie Deutschland — sie hat schon längst wieder stolzes Niveau erreicht — soll und kann man sich über alles hinwegtrösten, was einem im Alltagsleben an Frechheiten widerfährt, über die Zumutungen am Arbeitsplatz, über die verseuchten Geschäftsmittel, die als Lebensmittel in die Läden gelangen, über die dieselgeschwängerte Luft in Großstädten, über die mit LKWs verstopften und von ihnen ramponierten Autobahnen und Straßen, über die Kunden verarschenden, immer teurer werdenden Dienstleistungen privatisierter Unternehmen usw. usf. Über all das darf man sich aufregen, aber als Deutscher in Deutschland hat man es gut getroffen und muß von jenen »Nebensächlichkeiten« absehen können! Als Wahlbeauftragter selbstsicher an die Urne schreiten, um die demokratischen Volksbeauftragten volldemokratisch beauftragen: Nur so läßt sich die Gewalt eines Staates in all ihren Auswirkungen nämlich ertragen: Selbstbewußt! Mit einer Diktatur sind solche Verhältnisse wirklich nicht zu verwechseln!

Bei all dem läßt sich nicht übersehen, daß es da und dort bei den Projekten, die sich die Staatsgewalt vorgenommen hat, anspruchsvoll wie sie sind, nicht so glatt läuft wie gewünscht. Das betrifft das antiamerikanische Projekt EU/Euro in erster Linie. Der Brexit ist ein Schlag gegen die deutschen Ansprüche; Osteuropa liefert nicht wie gewünscht; die Südzone macht nach wie vor wirtschaftspolitische Probleme. Dazu kommt, daß sich die Sanktionen gegen Rußland alles andere als vorteilhaft auswirken; die Türkei querschießt; die Chinesen hierzulande einkaufen als wären sie zuhause. Ganz am Rande landen dann noch Leute hier, die keine Devisen vorzuweisen haben….
Dies hat dazu geführt, daß es eine Partei gibt, welche die herrschende Staatsräson infrage stellt. Ihr, der AfD erscheint das Vorgehen der Politik in all jenen nationalen Herausforderungen nicht konsequent genug. Sie fordert daher eine Neuausrichtung, eine »Rückbesinnung« auf die Nation, so pervers das der Sache nach ist. Denn schließlich ist die Größe der Nation auch ihr Anliegen; daß die Ansprüche der Nation vermessen sind, will sie ja sowieso nicht behaupten; ebensowenig, daß die Ansprüche mit dem Erfolg schrumpfen können, sollten oder müßten. Ihr Anliegen ist vielmehr das Pochen auf dem Opportunismus der Nation, der das Unterpfand ihrer fast 70-jährigen Erfolgsgeschichte ist. Es wäre, so behauptet sie, für den Erfolg der Nation nicht opportun, wirtschaftsschwache Staaten in der Eurozone zu belassen, ja der Euro wäre sowieso ein äußerst zweifelhaftes Erfolgsrezept, es wäre des weiteren kontraproduktiv, Sanktionen gegen Rußland zu verhängen, hungerleidende Flüchtlinge aufzunehmen, andere Glaubensbekenntnisse zu tolerieren etc. 
Diese Position ist ganz schön extrem: Sie verweist darauf, auf welche Weise die Ansprüche der Nation denn sonst durchgesetzt werden sollten: Mit unmittelbarer Gewalt, mit KZs, mit Krieg … (Die Einordnung dieser Partei unter dem Begriff Faschismus geht in Ordnung!)
Aber es gibt noch weitere, die sich von der nationalen Mitte (SPD und CDU/CSU sowie den von ihnen so gut wie nicht mehr zu unterscheidenden Grünen) abzuheben versuchen: Da ist auf der einen Seite die geradezu staatsfeindliche, wirtschaftsradikale FDP zu nennen. Diesen Ideologen des Liberalismus/Neoliberalismus geht die Freiheit der Wirtschaft allen Krisen des Kapitals zum Trotz über alles: Selbst nach der letzten, tiefen, mehr hinausgezögerten als bewältigten Krise fordern sie: Jetzt erst recht! Noch mehr Privatisierungen, noch weniger Staat, noch mehr Reibach für das Kapital, noch bessere, noch schnellere, noch rücksichtslosere Verwertung der natürlichen inklusive der menschlichen Ressourcen. Das ist wirklich nicht minder extrem, allerdings anschlußfähig an die »Mitte«, denn das Wohlergehen des Kapitals betrachtet der Staat seinerseits als seine große Ressource, auf die seine globalen — um nicht zu sagen: imperialistischen — Ansprüche gründen.
Und es gibt dazu auch noch das Gegenstück, die Partei(en), die auf den Staat setzen gegen eine von ihm enthemmte Wirtschaft: Die Linkspartei und auch die MLPD: Sie dichten dem Staat eine prioritäre Obliegenheit an, nämlich die, wohltätig zu sein, die Wirkungen der Wirtschaft auf die Beschäftigten abzumildern, sich auch um die nicht mehr oder nicht wieder Beschäftigten zu kümmern etc. Kurzum, den Kapitalismus seinen Insassen kompatibel, ihn also wirklich funktional zu machen. Diese Parteien sorgen sich auf ihre Weise, nämlich im Vertrauen auf einen starken Staat, um den Zusammenhalt einer nationalen Volksgemeinschaft. Das ist weniger extrem als eben ein wenig arg abseitig (- ein SPDler gebrauchte dafür ebenso falsch wie bezeichnend den Begriff »Verschwörungstheorie« -) und wird deshalb von der Wählerschaft weniger angenommen: Als Deutscher zuzugeben, daß man schlecht dasteht, das ist ein für jedes Selbstbewußtsein unerträglicher Widerspruch. So will sich kein Nationalist gern kategorisiert sehen. Diesem Widerspruch verdankt sich gleichwohl der Staatsfanatismus der Linksparteien, er hat sich dementsprechend gewaschen.

Alle sorgen sich um Deutschland und seine freie Wirtschaft…. 
Liebe Wähler! Wenn hr doch, anständig, wie ihr seid, zur Wahl geht, dann gehört es sich einfach nciht, sich in den folgenden Jahren zu beklagen über das, was einem da widerfährt. Selbst dann nicht, wenn ihr nicht das Regierungslager gewählt habt: Die Unterlegenen legitimieren die Gewinner – so ist das in einer richtigen Demokratie.
(07.09.17)

Wer sich ein klares Bild über die Demokratie verschaffen möchte, dem sei dieses Buch empfohlen:
Die Demokratie — die perfekte Form bürgerlicher Herrschaft

Wer sich ein klares Bild über die Zustände in der Bundesrepublik Deutschland verschaffen will,
dem helfen folgende Ausgaben der Zeitschrift GegenStandpunkt weiter:
Teil I – II, Teil IIITeil IV-V

bluete

Literatur: Tschernyschewskij

koka

Nikolai Tschernyschewskij

Nikolai Gawrilowitsch Tschernyschewskis Roman »Was tun?« wurde 1863 im Sowremennik veröffentlicht, von der Zensur kaum ernstgenommen und so nur unerheblich gekürzt. Ein bürgerlicher Wissenschaftler schrieb schon 1879 über diesen Roman: "Während meiner sechszehnjährigen Universitätstätigkeit ist mir kein einziger Student begegnet, der den berühmten Roman nicht bereits vom Gymnasium her kannte; eine Gymnasiastin der fünften bis sechsten Klasse, die sich nicht mit den Abenteuern der Wera Pawlona bekannt gemacht hätte, wäre als dumme Gans bezeichnet worden." In einem geheimen Zensurbericht wird sorgenvoll vermerkt, der Roman habe großen Einfluß auf das äußere Leben einiger kurzsichtiger und in ihren Moralbegriffen ungefestigter Leute sowohl in der Hauptstadt als auch in der Provinz ausgeübt. Es sei vielfach vorgekommen, daß Menschen, dem Beispiel der Tschernykowschen Helden folgend, ein anderes Leben begannen: "Töchter verließen ihre Mütter und Väter, Frauen ihre Ehemänner, manche gingen noch weiter, bis zu den äußersten Extremen; es gab Versuche, in der Art von Vereinen oder Handwerkerartels [Artels = freiwilliger genossenschaftlicher Zusammenschluß] kommunistische Wohngemeinschaften einzurichten." Als Karl Marx in seinen späten Jahren noch begann, russisch zu lernen, bezeichnete er die Werke Tschernyschewskis als einen Hauptgrund dafür. Er schreibt in einem Brief an Sigfrid Meyer vom 21.01.1971:
"… Ich weiß nicht, ob ich Ihnen mitgeteilt, daß ich seit Anfang 1870 mich selbst im Russischen unterrichten mußte, was ich jetzt ziemlich geläufig lese. Die Sache kam daher, daß man mir von Petersburg Flerowskis sehr bedeutendes Werk über die 
»Lage der arbeitenden Klasse (bes. Bauern) in Rußland« zugeschickt hatte und daß ich auch mit den ökonomischen (famosen) Werken von Tschernyschewski (zum Dank zu den sibirischen Minen seit 7 Jahren verurteilt) bekannt werden wollte. Die Ausbeute lohnt die Mühe, die ein Mensch von meinen Jahren in der Überwältigung einer Sprache hat, die den klassischen, germanischen und romanischen Sprachstämmen so fernab liegt. Die geistige Bewegung, die jetzt in Rußland vorgeht, zeigt, daß es tief unten gärt. Die Köpfe hängen immer durch unsichtbare Fäden mit dem body des Volks zusammen. …" (MEW 33, S. 173)
Er nennt ihn u.a. auch im Nachwort zur zweiten Auflage des
 »Kapitals«"Es ist eine Bankrotterklärung der »bürgerlichen« Ökonomie, welche der große russische Gelehrte und Kritiker N. Tschernyschewski in seinem Werk »Umrisse der politischen Ökonomie nach Mill« bereits meisterhaft beleuchtet hat." (MEW 23, S. 21)
Daß auch Lenin mit seinen Schriften bekannt war und sie geschätzt hat, braucht wohl nicht extra erwähnt zu werden, hat er doch selbst den Titel des Romans für eine seiner Schriften übernommen. Wirklich verbrecherisch ist allerdings, wie diejenigen, die sich auf Lenin berufen, den materialistischen Gesellschaftskritiker Tschernyschewski in ihre moralische Staatsideologie meinten einordnen zu müssen. Tschernyschewskis Roman Was tun? lag schon bald in deutscher Übersetzung vor (KoKa verfügt über die 2. Auflage, die 1890 von F. A. Brockhaus in Leipzig in drei Teilbänden gedruckt wurde). 1947 erschien eine im SWA-Verlag und 1952 dann eine im Aufbau-Verlag der DDR, in dessen Nachwort – in einer Auflage von 1980 ersetzte dieses das Vorwort von Georg Lukács (was einerseits gut ist, weil dieses Werk eines Vorwortes entbehren kann, noch dazu eines mit Frasen aufgeblähten, andererseits schlecht, weil eben nichtsdestoweniger eines Nachworts) – man folgendes Gesülze lesen kann: "Tschernyschewski als revolutionärer Vorkämpfer für die Bauerninteressen war kleinbürgerlicher Demokrat. Die Bedeutung der Arbeiterklasse als einer selbständigen Kraft des gesellschaftlich-politischen Lebens und als der einzigen konsequent revolutionären Klasse erkannte er nicht. … So kann es nicht wundernehmen, daß sein theoretisches Denken, verglichen mit der damaligen Entwicklung des Marxismus, nicht Schritt halten konnte
 [Im Gegensatz dazu hat die DDR samt ihrer ML-Ideologie ja wunderbar Schritt gehalten!]. Er blieb zeit seines Lebens als Anhänger von Ludwig Feuerbach auf dem Standpunkt des anthropologischen philosophischen Materialismus stehen, das heißt, er machte das natürliche und nicht das gesellschaftliche Wesen des Menschen zum Angelpunkt seiner philosophischen Überlegungen. Was die Perspektive der historischen Menschheitsentwicklung anbelangt, kam er über den utopischen Sozialismus nicht hinaus." Offenbar hat der Autor Wolf Düwel den Roman gar nicht gelesen, sonst könnte er solch hahnebüchenen Unsinn wahrlich nicht behaupten! Genau das Gegenteil ist nämlich richtig! Daß er sich im folgenden auch noch auf Lenins Beurteilung der historischen Höhe des Kapitalismus beruft, der Tschernyschewski nicht gerecht werden konnte, weil sie damals noch nicht so weit war, macht die Sache nicht besser, im Gegenteil. Auch Lenin hätte an (nicht nur) dieser Stelle mal ein klares Kontra verdient: Anstatt die Verhältnisse so zu interpretieren, wie sie einem gerade für's Weltbild in den Kram passen, hätte man mal auf die Überlegungen und Einsichten Tschernyschewskis Rekurs nehmen können – nicht nur über die Psyche des bürgerlichen Individuums – die besonders, aber bei weitem nicht nur:
"
…» Wie sinderbar«, denkt Wjerotschka, »was er von den Armen und von den Frauen gesprochen, und dann das, wie die wahre Liebe beschaffen sei; darüber habe ich auch schon nachgedacht, das habe ich auch schon gefühlt – aber woher habe ich es eigentlich? Stand es etwa in den Büchern, die ich gelesen? – Nein, dort steht es anders, dort werden solche Ideen bezweifelt, bekrittelt, als ob sie etwas Ungewöhnliches, Unglaubliches enthielten, als ob sie Phantasien wären, die an und für sich schon, aber niemals verwirklicht werden könnten. Mir dagegen schienen sie so einfach, so natürlich, mir kam es vor, als ob sie etwas Selbstverständliches wären, als ob es nicht anders sein könnte, als daß sie ins Leben treten müssen. Und doch habe ich diese Bücher für die besten gehalten. Da ist z.B. George Sand – eine so gute, so moralische Schriftstellerin – aber sie erklärt diese Ideen für Hirngespinste. Oder unsere Schriftsteller – doch nein, unsere Schriftsteller sprechen davon gar nicht. Oder Dickens – er spricht zwar davon, aber scheint keine Hoffnung auf einstige Verwirklichung dieser Ideen zu haben. …«…" [Tschernyschewskij, »Was thun?«, 1890, Teil 1, S. 164f, Orthografie im Original]

"…»…Und was ist nothwendig? Ueber jeden Zweig des Wissens gibt es einige Hauptwerke; in den übrigen Werken wird nur das wiederholt, verwässert, verdunkelt, was viel vollständiger und klarer in den wenigen Hauptwerken enthalten ist. Mithin braucht man nur diese zu lesen; das Lesen der andern ist unnöthiger Zeitverlust. Betrachten wir z. B. die russische Belletristik. Ich kenne Gogol's Erzählungen; nehme ich nun die Erzählungen vieler anderer Schriftsteller zur Hand, so ersehe ich schon aus fünf Zeilen auf je fünf Seiten, daß ich nichts darin finden würde als einen verwässerten oder verzerrten Gogol; wozu soll ich sie also lesen? Dasselbe gilt auch von der wissenschaftlichen Literatur, ja hier ist die Grenzlinie noch schärfer gezogen. Habe ich Adam Smith, Malthus, Ricardo und Stuart Mill gelesen, so kenne ich das Alpha und das Omega dieser Wissenschaft und brauche keinen einzigen von den hundert andern Nationalökonomen zu lesen, so berühmt sie auch sein mögen. Aus fünf Zeilen auf je fünf Seiten ersehe ich schon, daß ich da nicht einen ursprünglichen, ihnen eigenthümlich zukommenden Gedanken finde; alles ist entlehnt und breitgetreten. Ich lese nur so weit, als sie wirklich Selbständiges enthalten.« Deshalb ließ er sich auch nicht dazu bewegen, Macaulay zu lesen. Nachdem er eine Viertelstunde darin geblättert hatte, erklärte er: »Ich kenne alle Zeuge, welche die Lappen zu diesem Flickwerk liefern mußten.« Er las mit großem Vergnügen den »Jahrmarkt des Lebens« von Thackeray und begann darauf »Arthur Pendennis« von demselben Verfasser, doch schon bei der 20. Seite legte er das Buch wieder fort. »Alles aus dem 'Jahrmarkt des Lebens', nichts Neues darin – überflüssig zu lesen. Jedes Buch, das ich lese, muß so gehaltvoll sein, daß es mir das Lesen von hundert anderen Büchern erspart.«…" [»Was thun?«, 1890, Teil 2, S. 259ff]
Die Figur, die Tschernyschewski das sprechen ließ, heißt Rachmetow. Er war dann später den antimaterialistisch gesonnenen Realsozialisten überhaupt nicht geheuer – Wie auch! -, weshalb auch er eine entsprechend einordnende Bemerkung im oben bereits erwähnten Nachwort erhielt. Für den DDR-Rezensenten war Rachmetow ein "Ideal des neuen Menschen", er bemerkt gar nicht Tschernyschewskis Kritik an einem falschen Materialismus innerhalb der gesellschaftlichen Verhältnisse, weil er einer materialistischen Kritik generell abhold ist. Da der Realsozialist und ML-Ideologe Kritik ja nie anders kennt als eine moralische an den herrschenden Zuständen und Materialismus nur als Staatsmaterialismus – also einem der Gewalt – anerkennt, bezichtigt er Tschernyschewski eines »materialistischen Anthropologismus«, der natürlich als solcher hinter Marx zurückgeblieben sei (was er zu beweisen sich erst gar nicht anheischig macht). 
Im Gegensatz dazu schrieb dazu etwa Plechanow: "Fast jeder unserer bedeutenden Sozialisten der 1860er und 1870er Jahre war zum nicht geringen Teil ein Rachmetow." Ausgerechnet freilich Plechanow, jener begeisterte Schwafler über die 
»dialektische Methode« weist auf Tschernyschewskis Skizzen über die Gogolsche Periode hin [in: Eine Kritik unserer Kritiker, Berlin 1982, S. 82f], indem der den Fortschritt durch Hegel, aber gleichzeitig dessen wesentlichen idealistischen Krückstock zur Sprache, den Widerspruch, die Wahrheit als Abstraktum verurteilen zu müssen, brachte: 
"… Diese Manier, sich nicht um die Wahrheit zu bemühen, sondern um die Bestätigung angenehmer Vorurteile, benannten die deutschen Philosophen (besonders Hegel) 
»subjektives Denken«, Philosophieren zum eignen Vergnügen und nicht aus lebendigem Bedürfnis nach Wahrheit. Hegel ist dieser inhaltlosen und schädlichen Beschäftigung scharf zu Leibe gegangen. Als notwendiges Schutzmittel gegen jede Versuchung, zugunsten persönlicher Wünsche oder Vorurteile von der Wahrheit abzuweichen, stellte Hegel die berühmte »dialektische Denkmethode« auf. Ihr Wesen besteht darin, daß der Denker bei keinem positiven Schlußergebnis stehenbleiben darf, sondern suchen muß, ob es an dem Gegenstand, über den er nachdenkt, nicht Eigenschaften und Kräfte gibt, die im Gegensatz zu dem stehen, was auf den ersten Blick an diesem Gegenstand erkennbar ist; hierdurch war der Denker gezwungen, den Gegenstand von allen Seiten zu betrachten, und die Wahrheit ergab sich ihm nur als Folge des Kampfes aller möglicher gegensätzlicher Meinungen. Auf diese Weise kam man an Stelle der bisherigen einseitigen Auffassungen des Gegenstandes nach und nach zu einer umfassenden, allseitigen Erforschung und zum lebendigen Begriff von allen wirklichen Eigenschaften des Gegenstandes. Die Erklärung der Wirklichkeit wurde zur wesentlichen Pflicht philosophischen Denkens. Hieraus ergab sich eine außerordentliche Aufmerksamkeit für die Wirklichkeit, über die man sich früher keine Gedanken gemacht hatte, indem man sie ungeniert zugunsten der eigenen, einseitigen Vorurteile entstellte. So trat gewissenhafte, unermüdliche Wahrheitssuche an die Stelle der bisherigen, willkürlichen Auslegungen. In der Wirklichkeit hängt aber alles von den Umständen, von den örtlichen und zeitlichen Bedingungen ab, und Hegel erkannte daher, daß die allgemeinen Phrasen, mit denen man bisher über Gut und Böse geurteilt hatte, ohne die näheren Umstände und Ursachen zu untersuchen, unter denen die betreffende Erscheinung entstanden war — daß diese allgemeinen, abstrakten Redereien unbefriedigend seien: jeder Gegenstand, jede Erscheinung hat eigene Bedeutung und muß unter Berücksichtigung der Umstände beurteilt werden, unter denen sie existiert; diese Regel fand ihren Ausdruck in der Formel: »Es gibt keine abstrakte Wahrheit, die Wahrheit ist konkret«, d.h. ein definitives Urteil läßt sich nur über eine bestimmte Tatsache fällen, und zwar nach Untersuchung aller Umstände, von denen sie abhängt. … 
Wir haben jedoch bereits gesagt, daß der Inhalt des Hegelschen Systems durchaus nicht seinen Grundsätzen entspricht, die er selbst verkündete und auf die wir hingewiesen haben. Im Feuer der ersten Begeisterung hatten Belinski und seine Freunde diesen inneren Widerspruch nicht bemerkt, und es wäre auch unnatürlich gewesen, wenn er sich gleich beim ersten Male hätte bemerken lassen: er wird durch die ungewöhnliche Kraft der Hegelschen Dialektik äußerst gut verdeckt, so daß in Deutschland selber nur die reifsten und stärksten Geister — und auch sie nur nach langem Studium — diesen inneren Zwiespalt zwischen den Grundideen Hegels und seinen Schlußfolgerungen bemerkten. Die größten der zeitgenössischen deutschen Denker, die Hegel an Genialität nicht nachstanden, waren selber unbedingte Anhänger aller seiner Auffassungen, und es verging lange Zeit, bis sie ihre Selbständigkeit wiedergewinnen und nach Aufdeckung der Fehler Hegels eine neue Richtung in der Wissenschaft begründen konnten. So pflegt es immer zu gehen: Hegel selber war lange Zeit ein unbedingter Verehrer Schellings, Schelling ein Verehrer Fichtes, Fichte — Kants; Spinoza, der Descartes an Genialität weit überragte, hielt sich lange Zeit für dessen treuesten Schüler.
Wir sagen dies alles, um zu zeigen, wie natürlich und notwendig die unbedingte Anhängerschaft an Hegel war, der Belinski und seine Freunde für einige Zeit verfielen. Sie teilten hierin das Schicksal der größten Denker unserer Zeit. Und wenn Belinski sich später über seine frühere bedigungslose Begeisterung für Hegel ärgerte, so hatte er auch hierin Gefährten, die an Geistesstärke weder ihm noch Hegel nachstanden. …"
 [zitiert aus: Ausgewählte Philosophische Schriften, Moskau, 1953, S. 601 ff] 
Plechanow zitiert nur das, was ihm in den Kram paßt – die Aufmerksamkeit für die Wirklichkeit, über die man sich früher keine Gedanken gemacht hat, indem man sie ungeniert der eigenen, einseitigen Vorurteile entstellte – nicht aber, daß Tschernyschewski darüber hinausgeht. Plechanow bleibt in Hegels Widerspruch verhaftet, wenn er schreibt, "dann sei es nicht schwer, die Rolle der Dialektik in der Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft zu verstehen." [Kritik unserer Kritiker, S. 82f.] So einfach kommt man vom Abstraktum zum Konkretum und bleibt eben doch abstrakt!

Nun gut, jetzt ist schon fast zuviel gesagt, jetzt ist der »scharfsinnnige Leser« gefragt, den Tschernyschewski in Was tun? explizit herausgefordert hat!
(01.01.2011)

bluete